Der Zobtenberg
Geisheim (auch Geishaim)

 
 

Der Zobtenberg

Wer sieht nicht den Herrn Zobten an,
 Nicht gern den blauen Wundermann,
 Der königlich, wie ein Prophet,
Großmächtig in dem Lande steht

Sein würdiges Silentium
 Gebietet Ehrfurcht rings herum,
 Und seine schöne Landschaft glaubt
 An sein die Zeit verkündend Haupt.

 Denn immer zieht der stille Mann
Ein andres blaues Röckchen an,
  Oft auch ein graues wie die Zeit
 Die Farben tauscht nach Freud und Leid.


 Und wenn die Wolke sich recht satt
 In Thränen ausgeschüttet hat,
 Dann stellet sich so hell und klar
 Sein Dunkelblau so lauter dar.

 Doch wenn die Sonn'  am mild'sten scheint
 Wenn sie's am besten mit uns meint,
 Bei reinster Himmelsheiterkeit
 Trägt er auch selbst des Himmels Kleid.

 Er läßt sich aber gar nicht sehn,
 Wenn Wolken drunter und drüber gehn;
 Weint rings das Thal, dann schwindet er,
 Als wenn er auf der Welt nicht wär'.

.
 Doch unter Wolken sammelt er
 Nur um so grüner, kräftiger
 Des Regens Segen, führt in Ruh
 Ihn Kräutern, Bäumen, Quellen zu.


 O, wer ein Weiser, doch wie er
 In Freud' und leid derselbe wär,
 Bei blauem Himmel Hold zu schaun
 Voll Segen wenn die Wolken graun.

 

Gedicht von Geisheim, lm Hausfreund für 1832, S 401