Kampflied der Brigade Erhardt

 

Nachhaltig in die Geschichte eingegangen ist das sog. Kampflied der Brigade Erhardt, besonders die dritte und letzte Strophe, das spätestens bei der Zerschlagung der Münchner Räterepublik bereits vollständig ausgebildet gewesen sein soll. Das Kampflied soll während der tatsächlichen Kampfhandlungen wie auch beim Einmarsch in die eroberte Stadt München gesungen worden sein, später auch während des Kapp-Lüttwitz-Putsches.

Kamerad, reich' mir die Hände,
Fest wollen zusammen wir stehn.
Man mag uns auch bekämpfen,
Der Geist soll niemals verwehn.

Hakenkreuz am Stahlhelm,
Schwarz-weiß-rotes Band,
Die Brigade Erhardt
Werden wir genannt.
Arbeiter, Arbeiter,
Wie mag es dir ergehn,
Wenn die Brigade Erhardt
Wird einst in Waffen stehn.

Hakenkreuz am Stahlhelm,
Schwarz-weiß-rotes Band,
Die Brigade Ehrhardt
Werden wir genannt.
Die Brigade Ehrhardt
Schlägt alles kurz und klein,
Wehe Dir, wehe Dir,
Du Arbeiterschwein.“

Brigade Erhardt: Kampflied der Brigade Erhardt,
ca. 1919

Die Melodie des Kampfliedes stammte von einem US-amerikanischen Vorkriegsschlager von 1904 namens Blue bell des Komponisten Theodore F. Morse. Bereits vor dem Krieg war das Lied als Au tourlourou nach Frankreich gelangt.1914 erschienen anlässlich des Kriegsausbruchs beiderseits des Ärmelkanals martialische Umdichtungen, in Frankreich mit dem neuen Titel Aux vrais poilus ("Den wahren Landsern").

Unmittelbar nach Unterzeichnung des Waffenstillstands vom November 1918 im Westen warben die westlichen Ententemächte die allerersten Freikorps seit dem Deutsch-Französischen Krieg von 1871 aus Resten der kaiserlichen Armee an, die sie als Teil sog. internationaler Weißer Truppen gegen die neugegründete rote Armee ins Baltikum schickten.[3] Die erste deutsche Fassung von Blue bell bzw. Aux vrais poilus, die zu dieser Zeit bei den Freikorps im Baltikum kursierte, wurde von Ernst von Salomon noch als Störtebekers Seeräuberlied bezeichnet, das textlich allerdings nur die erste Strophe mit dem späteren Kampflied gemein hatte.[3] Aus den Baltikumkämpfen nahmen die deutschen Freikorps das Lied mit, als sie von der demokratischen Reichsregierung unter Friedrich Ebert heimgerufen und gegen den Spartakusbund und andere kommunistische Aufstände geschickt wurden (wo sie von der rechten Presse unter Alfred Hugenberg z. T. noch immer als Weiße Truppen bezeichnet wurden), bis das Lied schließlich von der Brigade Erhardt übernommen und in seine bekannteste Form umgedichtet wurde.

Nach der offiziellen Auflösung der Brigade Erhardt übernahm die SA der noch jungen NSDAP das Kampflied, nun mit den Zeilen Hakenkreuz am Stahlhelm/Blutig-rot das Band/Sturmabteilung Hitler werden wir genannt, bis es schließlich durch das Horst-Wessel-Lied ersetzt wurde