Lieder

Des Deutschen Vaterland
 

Das Lied  galt vor 1866 als deutsche Nationalhymne
 


Gesungen

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Ernst Moritz Arndt (1813)
Weise: Gustav Reichardt. (1825)

 Was ist des Deutschen Vaterland?
Ist's Preußenland? Ist's Schwabenland?
Ist's, wo am Rhein die Rebe blüht?
Ist's, wo am Belt die Möwe zieht?

|: O nein, O nein, O nein, O nein!
Sein Vaterland muß größer sein! :|

Was ist des Deutschen Vaterland?
Ist's Baierland? Ist's Steierland?
Ist's, wo des Marsen Rind sich streckt?
Ist's, wo der Märker Eisen reckt?

|: O nein, O nein, O nein, O nein!...

Was ist des Deutschen Vaterland?
Ist's Pommerland? Westfalenland?
Ist's, wo der Sand der Dünen weht?
Ist's, wo die Donau brausend geht?

|: O nein, O nein, O nein, O nein!...

Was ist des Deutschen Vaterland?
So nenne mir das große Land!
Ist's Land der Schweizer? Ist's Tirol?
Das Land und Volk gefiel mir wohl

|: O nein, O nein, O nein, O nein!...

Was ist des Deutschen Vaterland?
So nenne mir das große Land!
Gewiß, es ist das Österreich
An Ehren und an Siegen reich?

|: O nein, O nein, O nein, O nein!...

Was ist des Deutschen Vaterland?
So nenne endlich mir das Land!
So weit die deutsche Zunge klingt
Und Gott im Himmel Lieder singt:

|: Das soll es sein! Das soll es sein!
Das, wackrer Deutscher, nenne dein! :|

Das ist des Deutschen Vaterland
Wo Eide schwört der Druck der Hand
Wo Treu hell vom Auge blitzt
Und Liebe warm im Herzen sitzt

|: Das soll es sein! Das soll es sein!
Das, wackrer Deutscher, nenne dein! :|

Das ist des Deutschen Vaterland
Wo Zorn vertilgt den welschen Tand
Wo jeder Franzmann heißet Feind
Wo jeder Deutsche heißet Freund

|: Das soll es sein! Das soll es sein!
Das ganze Deutschland soll es sein! :|

Das ganze Deutschland soll es sein!
O Gott vom Himmel, sieh darein
Und gib uns rechten deutschen Mut
Daß wir es lieben treu und gut!

|: Das soll es sein! Das soll es sein!
Das ganze Deutschland soll es sein! :| 


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Wer ist ein Mann?

(Worte: E. M. Arndt. Weise: Albert Methfessel)

Wer ist ein Mann? Wer beten kann
Und Gott dem Herrn vertraut;
Wann alles bricht, er zaget nicht:
Dem Frommen nimmer graut.

Wer ist ein Mann? Wer glauben kann
Inbrünstig wahr und frei;
Denn diese Wehr bricht nimmermehr,
Sie bricht kein Mensch inzwei.


Wer ist ein Mann? Wer lieben kann
Von Herzen fromm und warm:
Die heil'ge Glut giebt hohen Muth
Und stärkt mit Stal den Arm.


Dies ist der Mann, der streiten kann
Für Weib und liebes Kind;
Der kalten Brust fehlt Kraft und Lust,
Und ihre That wird Wind.


Dies ist der Mann, der sterben kann
Für Freiheit Pflicht und Recht:
Dem frommen Muth däucht Alles gut,
Es geht ihm nimmer schlecht.


Dies ist der Mann, der sterben kann
Für Gott und Vaterland,
Er läßt nicht ab bis an das Grab
Mit Herz und Mund und Hand.


So deutscher Mann, so, freier Mann,
Mit Gott dem Herrn zum Krieg!
Denn Gott allein kann Helfer sein,
Von Gott kommt Glück und Sieg.
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Vaterlandslied (1812)
Ernst Moritz Arndt

Der Gott der Eisen wachsen ließ,
Der wollte keine Knechte;
Drum gab er Säbel, Schwerdt und Spieß
Dem Mann in seine Rechte.
Drum gab er ihm den kühnen Muth,
Den Zorn der freien Rede,
Daß er bestände bis aufs Blut,
Bis in den Tod die Fehde. 

So wollen wir, was Gott gewollt,
Mit rechten Treuen halten,
Und nimmer im Tyrannensold
Die Menschenschädel spalten;
Doch wer für Tand und Schande ficht,
Den hauen wir in Scherben,
Der soll im teutschen Lande nicht,
Mit teutschen Männern erben. 

O Teutschland, heil´ges Vaterland!
O teutsche Lieb´ und Treue!
Du hohes Land ! Du schönes Land!
Wir schwören dir aufs neue:
Dem Buben und dem Knecht die Acht!
Der speise Kräh´n und Raben!
So zieh´n wir aus zur Herrmannsschlacht,
Und wollen Rache haben.

Laßt brausen, was nur brausen kann,
In hellen lichten Flammen!
Ihr Teutsche, alle Mann für Mann
Zum heil´gen Krieg zusammen.
Und hebt die Herzen himmelan,
Und himmelan die Hände,
Und rufet alle Mann für Mann:
Die Knechtschaft hat ein Ende. 

Laß klingen was nur klingen kann,
Die Trommeln und die Flöten!
Wir wollen heute Mann für Mann
Mit Bluth das Eisen röthen.
Mit Henkerbluth, Franzosenbluth -
O süsser Tag der Rache!
Das klinget allen Teutschen gut,
Das ist die große Sache. 

Laßt wehen, was nur wehen kann,
Standarten weh´n und Fahnen!
Wir wollen heut uns Mann für Mann
Zum Heldentode mahnen:
Auf! fliege hohes Siegespanier
Voran den kühnen Reihen!
Wir siegen oder sterben hier
Den süssen Tod der Freien.

Ernst Moritz Arnd
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Ernst Moritz Arndt (1769-1860)

Arndt was the acknowledged leader of the poets whose actual intention was to write texts that could be made into songs of the "Befreiungskrieg" or "Freiheitskrieg". (The two names represented two schools of thought on what the German people were going to get out of it.) His verses glow with the kind of conviction that is often the mark of the newly converted. He was born a Swedish subject on the island of Rügen (now German) in the Baltic Sea, and grew up in those land- and seascapes which would soon be immortalized by the paintings of Caspar David Friedrich.

Arndt's devotion to the cause of freedom had personal roots. His own father was a freedman, who had been a serf. Arndt's first writings were scholarly polemics against the institution of serfdom in Sweden, which would be abolished, due in part to his efforts, in 1806. The next target of his idiosyncratic idealism was Napoleon, but French victories drove Arndt from his home toward Prussia, Saxony, and Russia, where he developed poetry into a weapon.

The following two classics of enlightened nationalism were written in 1813. Part of the reason they're so classic is that they're written by one pure of heart, who has not yet been dragged down into the complexities and compromises involved in the realities behind the visions and slogans. It was only when the war was over that Arndt would find out that the German princes weren't really interested in his opinions about what German freedom should be. After the French were beaten, the rulers of the German Fatherland turned their full attention to making sure people like him knew their place.

(The answer was, screwed. As usual. Is that why they call it 'hindsight'?)              Link

 

ARNDT, Ernst Moritz, Dichter, 
* 26.12.1769 in Schoritz auf der damals noch schwedischen Insel Rügen als Sohn eines Gutsinspektors, 
† 29.01.1860 in Bonn.

Arndt  bezog 1787 das Gymnasium in Stralsund und 1791 die Universität Greifswald, um Theologie zu studieren, widmete sich aber mehr philosophischen und historischen Studien, die er 1793 in Jena fortsetzte. Nach seiner theologischen Prüfung kehrte er Herbst 1794 auf das väterliche Pachtgut Löbnitz zurück und wanderte von Frühjahr 1798 bis Herbst 1799 durch Deutschland, Österreich, Ungarn, Italien und Frankreich. A. ließ sich 1800 in Greifswald als Privatdozent für Geschichte und Philosophie nieder und heiratete seine Jugendliebe, Marie Charlotte Quistorp, die Tochter eines Greifswalder Professors, die aber bereits 1801 starb. A. wurde 1805 ao. Professor und arbeitete 1806 in der Regierungskanzlei in Stralsund. Hier hatte er, weil er für Deutschland eintrat, mit einem schwedischen Offizier ein Duell, das ihn fast das Leben kostete. A. gab 1806 den 1. Band seines Hauptwerkes »Geist der Zeit« heraus, eine Kampfschrift gegen Entartungserscheinungen auf allen Gebieten des Volkslebens. Als Preußen in den Händen der Franzosen war, fühlte er sich in Stralsund nicht mehr sicher und ging darum nach Stockholm. Mit Hilfe von doppelten Pässen reiste A. Herbst 1809 in die Heimat und von dort nach Berlin, wo er mit nationalgesinnten Männern zusammentraf. Frühjahr 1810 kehrte er in das nach dem Frieden mit Frankreich wieder an Schweden gekommene Greifswald zurück, wo er seine Lehrtätigkeit wieder aufnahm, aber bald klar erkannte, daß er fliehen müsse. Auf abenteuerlicher Flucht gelangte A. über Berlin, Breslau und Prag, durch Galizien und Wolhynien nach Kiew und weiter nach Moskau und schließlich im August 1812 nach St. Petersburg, wo er der Mitarbeiter des Reichsfreiherrn vom und zum Stein wurde, mit dem er im Januar 1813 nach Deutschland zurückkehrte. Durch zahlreiche Flugschriften wirkte A. für die nationale Erhebung und entflammte durch Wort und Lied die wehrhafte Jugend zum Kampf. A. wurde am 9.8. 1818 an der neugegründeten Universität Bonn Professor der Geschichte und verheiratete sich am 18.9. 1818 mit Nanna Schleiermacher, der Halbschwester des bekannten Theologen. 1818 gab er den 4. Band von »Geist und Zeit« heraus, der das Mißfallen Friedrich Wilhelms III. erregte. A. fiel der wesentlich durch die burschenschaftliche Bewegung hervorgerufenen Demagogenverfolgung zum Opfer. Er wurde zu nächtlicher Stunde von der Polizei, die seine Papiere und Briefe beschlagnahmte, verhaftet, aber nach einigen Tagen aus dem Gefängnis wieder entlassen. Er war unschuldig und wurde doch am 10.11. 1820 seines Amtes entsetzt. Obwohl die im Februar 1821 vorgenommene Untersuchung ergebnislos eingestellt wurde, durfte A. seine Lehrtätigkeit doch nicht wieder aufnehmen. Erst 1840, nach der Thronbesteigung Friedrich Wilhelms IV., wurde er wieder in sein Amt eingesetzt und war 1840/41 Rektor der Universität. A. wurde 1848 in die Deutsche Nationalversammlung gewählt und befand sich auch unter denen, die 1849 Friedrich Wilhelm IV. die Botschaft brachten, daß die Mehrheit der Nationalversammlung beschlossen habe, ihm die Kaiserkrone anzubieten. Er war bitter enttäuscht, als der Preußenkönig ablehnte, worauf er aus der Nationalversammlung ausschied. - Die Dichtungen A.s umfassen einen Zeitraum von 72 Jahren. Von seinen vaterländischen Liedern seien genannt: »Der Gott, der Eisen wachsen ließ, der wollte keine Knechte«; »Was blasen die Trompeten? Husaren, heraus !«; »Was ist des Deutschen Vaterland?«; »Wer ist ein Mann? Wer beten kann« und »Wo kommst du her in dem roten Kleid und färbst das Gras auf dem grünen Plan?« In seiner Schrift »Vom Wort und vom Kirchenliede« hat A. 1819 der Liederverderbnis seiner Zeit ihr Urteil gesprochen und zugleich neben eigenen Liedern Kleinode aus der Urzeit der Kirche und der Reformation mitgeteilt. Von seinen geistlichen Liedern seien genannt u. a. sein Glaubensbekenntnis: »Ich weiß, woran ich glaube« (EKG 278); die Perle seiner kirchlichen Lyrik: »Geht nun hin und grabt mein Grab«; das Abendmahlslied: »Kommt her, ihr seid geladen« (EKG 160); die Weihnachtslieder: »Der heilge Christ ist kommen« und »Du lieber, heilger, frommer Christ, der für uns Kinder kommen ist«; das Lied kraftvoller Glaubenszuversicht: »Was willst du dich betrüben? Der alte Gott lebt noch.«

Meyers, 1888

Arndt,

Ernst Moritz, deutscher Patriot, wurde 26. Dez. 1769 zu Schoritz auf der Insel Rügen geboren, die noch schwedisch war. Sein noch als Leibeigner geborner Vater, damals Inspektor auf dem Gute des Grafen Malte-Putbus, ließ ihn die gelehrte Schule zu Stralsund besuchen.* 10.

besuchen;

1789 vollendete er im Vaterhaus seine Vorbereitung für die Universität. Er besuchte zuerst Greifswald, .* 11. dann Jena, .* 12. wo er neben der Theologie mit Vorliebe Geschichte, Erd- und Völkerkunde, Sprachen und Naturwissenschaften trieb.

Nachdem er dann wieder eine Zeitlang in der Heimat als Kandidat und Hauslehrer zugebracht hatte, machte er 1798-99 eine größere Reise nach Österreich, Oberitalien, .* 13. Frankreich und zurück durch Belgien .* 14. und einen Teil von Norddeutschland, die er in den »Reisen durch einen Teil Deutschlands, .* 15. Ungarns, Italiens .* 16. und Frankreichs« (Leipzig 1804, 4 Bde.) beschrieb, nachdem er schon vorher mehrere Reisewerke (»Reise durch Schweden«, .* 17. Berlin 1797, 4 Bde.; »Bruchstücke einer Reise durch einen Teil Italiens«, Leipzig 1799, 2 Bde.; »Reise durch einen Teil Frankreichs«, das. 1799, 3 Bde.) herausgegeben hatte.

Nach seiner Rückkehr habilitierte sich Arndt im Jahr 1800 zu Greifswald als Privatdozent der Geschichte und Philologie, verheiratete sich mit der Tochter des Professors Quistorp, die ihm aber bald wieder durch den Tod entrissen ward, und erhielt, nachdem er sich ein Jahr (1803-1804) in Schweden aufgehalten, 1805 eine außerordentliche Professur. Die 1803 erschienene »Geschichte der Leibeigenschaft in Pommern .* 18. und Rügen« zog ihm eine Anklage von seiten mehrerer adliger Gutsbesitzer zu. Der König von Schweden ¶ urteilte aber, nachdem er das Buch gelesen, Arndt habe recht gehabt, so zu schreiben, und hob 1806 die Leibeigenschaft und die Patrimonialgerichte in Vorpommern auf. Aus derselben Zeit datiert das Schriftchen »Germanien .* 19. und Europa« .* 20.

(1803), worin Arndt die von Frankreich drohenden Gefahren beleuchtete. Die »Fragmente über Menschenbildung« (Altona .* 21. 1805, 2 Bde.; 3. Bd. 1819) empfahlen eine kräftige Vorbildung des künftigen Geschlechts zur Natürlichkeit und Tüchtigkeit. Im Jahr 1806 erschien der erste Teil desjenigen Werks, durch welches Arndt am meisten auf seine Zeit eingewirkt hat, und in welchem sich seine Eigentümlichkeit am treuesten abspiegelt. Es ist dies der »Geist der Zeit« (6. Auflage des Ganzen, Altona 1877), dessen erster Teil die kommenden Ereignisse prophetisch voraus verkündete. Arndt selbst arbeitete damals in der schwedischen Kanzlei zu Stralsund. In jener Zeit war es, wo er mit einem schwedischen Offizier, der geringschätzig von Deutschland .* 22. gesprochen, einen Zweikampf hatte, in dem er schwer verwundet wurde.

Nach der Schlacht bei Jena floh er nach Schweden und fand dort eine Anstellung, die ihm Zeit ließ, den zweiten Teil des Werks »Geist der Zeit« auszuarbeiten, der 1809 in London .* 23.

erschien und im feurigsten patriotischen Schwung auf die Wege hinwies, auf denen allein Deutschland aus der Erniedrigung erlöst werden könne. Der Sturz des Königs Gustav IV. von Schweden bewog ihn 1809, sein bisheriges Asyl zu verlassen und nach Deutschland zurückzukehren, wo er nach einem Aufenthalt zu Berlin sein Amt in Greifswald für kurze Zeit wieder antrat und enge Beziehungen mit hervorragenden preußischen Patrioten anknüpfte. Im Jahr 1812 begab er sich nach Prag .* 24. und von da nach Petersburg, .* 25. auf eine Einladung des Freiherrn vom Stein, der in ihm einen kräftigen Beistand in der Anfeuerung des deutschen Nationalgeistes gegen die Fremdherrschaft zu finden glaubte. In diesem Sinn und im Auftrag Steins verfaßte Arndt Pamphlete, Aufrufe, Verkündigungen, Gegenschriften und Widerlegungen französischer Verkündigungen und Berichte, sowie er auch zu dem sehr ausgebreiteten Briefwechsel mit England und Deutschland, besonders in Sachen der zu errichtenden russisch-deutschen Legion, einer Koalition Englands mit Rußland etc., gebraucht wurde.

Nach der großen Katastrophe in Rußland kehrte Arndt mit Stein nach Deutschland zurück und fuhr fort, das deutsche Volk durch allerhand fliegende Blätter und Schriften, wie: »Was bedeutet Landwehr und Landsturm?«, den »Deutschen Volkskatechismus«, »Über Entstehung und Bestimmung der deutschen Legion«, »Grundlinien einer deutschen Kriegsordnung« und die Schrift »Der Rhein, Deutschlands Strom, aber nicht Deutschlands Grenze«, zu patriotischen Thaten anzufeuern.

Alle diese Schriften kennzeichnen Arndt als entschiedenen Gegner Frankreichs und des Franzosentums; so auch die Flugblätter: »Über Volkshaß und über den Gebrauch einer fremden Sprache« .* 26. (1813), »Über das Verhältnis Englands und Frankreichs zu Europa« (1813), »Noch ein Wort über die Franzosen und über uns« (1814). In dem Schriftchen »Das preußische Volk und Heer« (1813) schildert er mit beredten Worten, wie Preußen .* 27. aus tiefstem Sturz wieder auferstanden sei durch die zwei Mittel, welche die Staatsleiter mit wahrer Umsicht angewendet: »den Geist freizulassen und das Volk kriegsgeübt zu machen«. Aus derselben Zeit stammen die schönsten seiner Lieder, die Kriegs- und Vaterlandslieder. Eine besondere Sammlung patriotischer Lieder Arndts erschien schon 1813 unter dem Titel: »Lieder für ¶

Deutsche«, eine zweite: »Kriegs- und Wehrlieder«, 1815. Dieselben gingen später in die vollständigen Ausgaben seiner »Gedichte« (zuerst Frankf. 1818, 2 Bde.; Ausgabe letzter Hand, .* 29. Berl. 1860; 2. Aufl. 1865) über. Noch 1813 veröffentlichte er einen dritten Teil seines Werks »Geist der Zeit«, worin er die Grundzüge eines neuen, zeitgemäßen Verfassungszustands in Deutschland gab, die er weiter ausführte in der Schrift »Über künftige ständische Verfassungen in Deutschland« (1814). Der Vertretung des Bauernstands widmete er eine besondere Schrift (1815). Während die deutschen Heere auf französischem Boden kämpften, ließ er Flugblatt auf Flugblatt ausgehen, so: »Über Sitte, Mode und Kleidertracht«, »Entwurf einer deutschen Gesellschaft«, »Blicke aus der Zeit in die Zeit«, »Über die Feier der Leipziger Schlacht«, sämtlich von 1814, dann »Friedrich August von Sachsen«, .* 30. »Die rheinische Mark und die deutschen Bundesfestungen«, beide von 1815. Seine publizistische Thätigkeit konzentrierte er in der Zeitschrift »Der Wächter«, die er 1815-16 zu Köln .* 31.

herausgab. Im J. 1818 wurde er Professor der Geschichte an der neubegründeten Universität zu Bonn, .* 32. nachdem er 1817 die Schwester Schleiermachers, Nanna (gest. 16. Okt. 1869), als zweite Gattin heimgeführt hatte. In demselben Jahr erschienen seine »Märchen und Jugenderinnerungen« und der vierte Teil vom »Geist der Zeit«.

Seine akademische Wirksamkeit war indessen von kurzer Dauer. Nach Beginn der Demagogenverfolgungen infolge von Kotzebues Ermordung wurden wegen des vierten Bandes des »Geistes der Zeit« und wegen Privatäußerungen im September 1819 Arndts Papiere in Beschlag genommen, er selbst im November 1820 von seinem Amt suspendiert und im Februar 1821 die Kriminaluntersuchung wegen demagogischer Umtriebe gegen ihn eröffnet. Dieselbe hatte kein Resultat: Arndts Forderung einer Ehrenerklärung wurde nicht erfüllt, er ward aber auch nicht für schuldig erklärt, sein Gehalt ihm gelassen, die Erlaubnis, an der Universität Vorlesungen zu halten, jedoch nicht wieder erteilt.

Eine Schilderung des Prozesses gab Arndt später selbst in dem »Notgedrungenen Bericht aus meinem Leben, aus und mit Urkunden der demagogischen und antidemagogischen Umtriebe« (Leipz. 1847, 2 Bde.). In den folgenden Jahren schrieb er:
         »Nebenstunden, Beschreibung und Geschichte der Shetländischen Inseln und Orkaden« (Leipz. 1826);
         »Christliches und Türkisches« (Stuttg. 1828);
         »Die Frage über die Niederlande« .* 33.

(Leipz. 1831);
         »Belgien und was daran hängt« (das. 1834);
         »Leben G. Aßmanns« (Berl. 1834);
         »Schwedische Geschichte unter Gustav III. und Gustav IV. Adolf« (Leipz. 1839);
         »Erinnerungen aus meinem äußern Leben« (3. Aufl., das. 1842).
Noch ein andrer tiefer Schmerz traf ihn 1834 durch den Verlust seines Sohns Wilibald, eines blühenden Knaben von neun Jahren, der in den Fluten des Rheins ertrank. Es war einer der ersten Regierungsakte Friedrich Wilhelms IV., Arndt wieder in sein Amt einzusetzen und ihm seine Briefe und Papiere zurückgeben zu lassen. Die Universität wählte Arndt 1841 zum Rektor. Neben seiner wieder begonnenen amtlichen Thätigkeit setzte er seine litterarische fort. Es erschienen:
         »Versuch in vergleichender Völkergeschichte« (2. Aufl., Leipz. 1844);
         »Schriften für und an seine lieben Deutschen« (das. 1845-55, 4 Bde.), eine Sammlung seiner kleinen politischen Schriften;
         »Rhein- und Ahrwanderungen« (Bonn 1846).
So kam das Hoffnungsjahr 1848 heran, das auch Arndt mit frischer Jünglingsbegeisterung begrüßte. Er ward von dem 15. ¶ rheinpreußischen Wahlbezirk in die deutsche Nationalversammlung gewählt und hier durch feierliche Huldigung der ganzen Versammlung begrüßt. Übrigens beschränkte sich seine Beteiligung an den Verhandlungen auf kurze, aber kräftige Reden im Sinn der konstitutionell-erbkaiserlichen Partei; er war auch Mitglied der großen Deputation, welche dem König von Preußen die deutsche Kaiserkrone anbieten sollte. Am 30. Mai 1849 trat er mit der Gagernschen Partei aus der Versammlung aus und zog sich wieder in die Stille seines akademischen Lebens zurück. Aber den Glauben an eine bessere Zukunft Deutschlands verlor er nicht; dieser Glaube leuchtete aus seinen »Blättern der Erinnerung, meistens um und aus der Paulskirche in Frankfurt« .* 34.

(Leipz. 1849), der letzten größern poetischen Gabe von ihm, sowie aus seinem »Mahnruf an alle deutschen Gauen in betreff der schleswig-holsteinischen Sache« (1854), dem Büchlein »Pro populo germanico« (Berl. 1854), der anmutigen »Blütenlese aus Altem und Neuem« (Leipz. 1857) und der Schrift »Meine Wanderungen und Wandelungen mit dem Reichsfreiherrn H. K. Fr. vom Stein« (Berl. 1858, 3. Aufl. 1870). Wegen einer angeblich den General Wrede und das bayrische Militär beleidigenden Stelle in letzterm Werk ward Arndt vor das Schwurgericht in Zweibrücken .* 35. geladen und, da er nicht erschien, in contumaciam zu Gefängnisstrafe verurteilt.

Noch völlig rüstig, feierte er unter allgemeiner Teilnahme 1859 seinen 90. Geburtstag, starb aber bald darauf, 29. Jan. 1860. Arndts Bedeutung ist ganz aus seiner Zeit und aus seinem Charakter zu fassen. Als Dichter reiht er sich nur in seinen Schlachten-, Freiheits- und Vaterlandsliedern den großen Dichtern aller Zeiten an; in seinen übrigen Dichtungen fehlt ihm das Bedeutende und Originale, was den Dichter ersten Ranges macht. Er war kein Genie, kein großer Gelehrter und Forscher, auch kein großer Staatsmann, aber voll Begeisterung für die erhabensten Interessen der Menschheit und voll edelster Hingebung für die Sache des Volks, ein mannhafter Charakter, der noch als Greis den Idealen seiner Jugend mit Jünglingsfeuer anhing.

Wie er durch seine Schriften und Lieder die Befreiung Deutschlands von der Fremdherrschaft höchst wirksam unterstützt hatte, so suchte er in der Zeit der Reaktion das Verlangen und Streben des Volks nach dem großen Ziel der nationalen Einheit furchtlos und mit Feuereifer aufrecht zu erhalten, »wie ein altes gutes deutsches Gewissen«, die Verzagenden stärkend, die Schwankenden in der Treue befestigend, die Feinde des Rechten und Guten mit der Wucht seines heiligen Zornes niederschmetternd.

Daher blieb er, obgleich die Zeit viele seiner Ansichten überflügelt hatte, gleichsam das Banner, um welches auch die jüngern Generationen der Vaterlandsfreunde sich scharten, und sein Verlust ward schmerzlich empfunden. Sein Inneres und Äußeres spiegelte in seltener Reinheit die Eigenschaften, die den deutschen Mann zieren:
         eine feste, energische Gestalt, ein reiches, poetisch gestimmtes Gemüt, sittlichen Ernst und Strenge, heiße Liebe zu Freiheit und Vaterland. Im J. 1865 wurde ihm in Bonn ein Bronzedenkmal (von Afinger) errichtet;
         seinem Andenken ist auch der 21 m hohe Turm auf dem Rugard auf der Insel Rügen (1873) gewidmet. Arndts Biographie schrieben Langenberg (neue Ausg., Bonn 1869), Baur (5. Aufl., Hamb. 1882), Rehbein und Keil (Lahr .* 36. 1861) und Schenkel (2. Aufl., Elberf. 1869).