Lied der Oberschlesier

Vor dem 1. Weltkrieg entstanden.

 

Du, meine Heimat bist verachtet,

du wirst geschmäht und viel verkannt,

man hat als Stiefkind dich betrachtet

im lieben deutschen Vaterland.

Mag sprechen so, wem es gefällt:

Uns wird die Heimat nicht vergällt!

 Sie gleicht der Perle tief im Meere,

die nur ein Kenner holt herauf.

Ein Kenner nur wahrt deine Ehre,

mein Oberschlesien, dir Glück auf!

Wir kennen keine Felsenkanten

in wilder stolzer Bergespracht;

 wir graben schwarze Diamanten

tief in der Erde ew'ger Nacht.

Wie Pappeln, die am Wege stehn,

kannst du die Essen ragen sehn.

Es hemmen schwerbelad'ne Wagen

des Dampfroß' fluggewohnten Lauf,

 in alle Welt die Last zu tragen:

Mein Oberschlesien, dir Glück auf!

Kein Nordseeleuchten, Alpenglühn

ist uns bekannt zur Abendzeit,

doch Hüttenfeuer - Funken sprühen,

und blutig glänzt der Himmel weit.

 Die Halde gleicht - sie flammt und brennt -

dem sternbesäten Firmament.

In dem Getriebe der Maschinen

hat jedes Rädchen seinen Lauf.

Es dröhnt wie Brandung, wie Lawinen:

Meine Oberschlesien, dir Glück auf!'"

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Zwei Sprachen hört man bei uns sprechen,

wie oft, daß jemand radebricht,

doch gelte dies nicht als Verbrechen,

denn doppelzüngig sind wir nicht.

Hier an der fernsten Landesmark,

da wohnt ein Volk, so fromm und stark;

 verdächtigt nimmermehr sein Streben:

Es nimmt den Schimpf nicht in den Kauf!

Die treue Arbeit ziert sein Leben,

mein Oberschlesien, dir Glück auf!

Das höchst Gut der Heimat Gauen,

dem unser Schutz gilt alle Zeit: 

Sind unsre Mädchen, unsre Frauen,

an Tugend reich und Sittsamkeit.

Sie stärken uns in Not und Kampf

und fürchten nicht den Kohlendampf;

im dunklen Auge glänzt die Treue,

des Mannes Glück hält ihre Hand!

Begeistert tönt der Ruf aufs neue:

Glück auf, mein Oberschlesierland!"

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"Und wo auf weiter Erdenrunde

ein oberschlesisch Herze schlägt:

Es fleht in letzter, banger Stunde,

daß man es in die Heimat trägt.

Vom Kampf ums Dasein ruht es aus

am rauchgeschwärzten Gotteshaus,

vom Heimweh in die Gruft getrieben.

Man pflanzt ein schlichtes Kreuz darauf,

und auf dem Querholz steht geschrieben:

Zur letzten Schicht, o Freund, Glück auf!"