Lieder

Germanias Erzfeind!

Rudolf Lion

Wer ist Germanias größter Feind?
Hast Frankreich du bisher gemeint?
Weil Heldenmund dort aufersteht?
„Vive Boulanger!“ „Vive Déroulède!“
|: O nein! O nein! O nein! O nein!
   Der Erzfeind muß ein Anderer sein! :|

Wer ist der Deutschen größter Feind
Hast Rußland du damit gemeint?
Wo soviel faul im eignen Haus,
Daß Elend schaut zum Fenster raus?
|: O nein! O nein! O nein! O nein!
   Der Erzfeind muß ein Anderer sein! :|

Wo steht der Deutschen größter Feind
So nenne mir den bösen Feind!
Nicht Belgien ist's noch Griechenland?
|: O nein! O nein! O nein! O nein!
   Der Erzfeind muß ein Anderer sein! :|

Suchst du Germanias größten Feind,
Nimm den, der stets sich gab als Freund
Und der als Vetter kam nach Kiel
Um anzuschau'n des Neides Ziel!
|: Der wird es sein!
   Das falsche Albion wird es sein! :|

Das falsche England muß es sein!
Sein Edward legte uns herein,
Schloß gegen uns den Teufelsbund,
Damit man uns bestehlen kunnt.
|: Dies nur allein!
   Nur England kann der Erzfeind sein. :|

Germania, sei auf deiner Hut!
Und deine Flotte ziele gut!
Hau dich heraus zu Land und Meer
Und wenn die Welt voll Teufel wär!
|: Der Sieg sei dein!
   Dein gutes Recht muß siegreich sein! :|

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Rudolf Lion
*      17.04.1843 in Göttingen,
†        6.05.1893 in Erlangen, beerdigt in Hof.

Hofer Buchhändler und Verleger.
? 1865 Hauptmann der Hofer Turnerfeuerwehr.

Er war Vorsitzender des Turnvereins Hof und des Bayerischen Turnerbundes;
erwarb sich außerordentliche Verdienste um das Turnwesen, vor allem um das Schulturnen.

Stadt Hof:
Das 1896 für ihn errichtete Denkmal steht auf dem Jahn-Sportplatz.
Lionstraße - Benannt 1952 nach Rudolf Lion.
Verbindungsstraße zwischen Jahnstraße und Wölbattendorfer Weg.
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Haben die Jusos in Hof keine andere Sorgen???
Die "Ewig-Gestrigen" schlagen zu:

http://www.jusos-hof.de/presseartikel/lionhalle.htm

Jusos gegen Lion:
Namensgeber für Turnhalle äußerst ungeschickt!
       
HOF – Die Hofer Jusos sehen die Namensgebung der neuen 3-fach-Turnhalle am Saaledurchstich sehr kritisch. Neben der Rudolf-Lion-Straße soll nun auch noch die Turnhalle seinen Namen tragen, ein Denkmal am Jahnsportplatz ist ihm auch schon gewidmet. Laut Medieninformation der Jusos ist der Rudolf Lion allerdings kein unbeschriebenes Blatt.
 
Zwar mag sich Lion als Hauptturnlehrer in unserer Stadt sportlich hervorgetan haben und unterstreicht sein regionales Wirken in seiner Tätigkeit als Verleger und Buchhändler. Was Lion allerdings neben seiner Turnlehrertätigkeit für Gedanken hegte, sind nicht zu tolerieren. So textete er das Lied „Germanias Erzfeind“, bei dem schon allein der Titel sehr heikel klingt. Liest man sich dann dieses schaurige und kriegstreiberische Werk durch so macht Lion England als Deutschen Feind aus und ruft zu Kriegshandlungen auf. Einen Nationalisten als Namensgeber einer Halle auszuwählen, welche für Schul- und Vereinssport dient, ist somit nicht zu vertreten. Das Namensfindungsgremium wäre besser beraten gewesen, hätten sie sich nicht nur von Wikipedia leiten und informieren lassen.
 
Der sportliche Geist zielt auf Gemeinschaft, Freundschaft und Fair Play hin und nicht als Vorstufe für Wehrdienst und Krieg. Gerade im 21. Jahrhundert und zur Zeit des vereinigten Europas darf es somit nicht mehr möglich sein einem Nationalisten solch Ehre einer Namensgebung teil werden zu lassen. Hof hat andere Persönlichkeiten aus ihrer Geschichte, welche sich geeigneter für die Namensgebung eignen würden. So käme Flamin Clöter, der den freiwilligen Turnunterricht in Hof im Jahre 1817 einführte, Otto Strunz, der Gründer des ersten Hofer Fußballvereins oder der berühmte Hofer Box-Sportler und –Trainer Hans Schübel in Frage. Eine weitere Möglichkeit läge in dem veräußern der Namensrechte an einen Sponsor. Diese jährlichen Sponsorgelder könnten dem Schulsport oder auch der Instandhaltung der Halle dienlich sein. „Auf alle Fälle ist für uns Jusos klar, Rudolf-Lion darf keinesfalls Namensgeber der neuen Halle werden. Im Sinne der Schüler, der Vereinssportler und dem Ruf unserer Stadt als Sport- und weltoffene Stadt!“, so Juso-Vorsitzender Florian Strößner abschließend. 

 

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Boulanger, Georges

[bulã'ʒe:]

*       29.04.1837 Rennes,
      30.09.1891 Brüssel (Selbstmord);

Französischer General, seit 1880; 1886/87 Kriegsminister;
erstrebte den Revanchekrieg gegen Deutschland (Boulanger-Krise); seine Anhänger, die Boulangisten, feierten in ihm den leidenschaftlichen Gegner der Republik; Abgeordneter seit 1888; wegen Umsturzversuchs angeklagt, floh Boulanger nach Brüssel.

Déroulède, Paul

[deru'lɛ:d]

 
*       2.09.1846 Paris,
    30.01.1914 Mont-Boron bei Nizza;

Französischer Schriftsteller und Politiker,
nach 1870/71 Verfechter des Revanchegedankens; spielte in der Dreyfus-Affäre eine Rolle;
gründete 1882 die „Patriotenliga“, 1900-1905 wegen eines geplanten Staatsstreichs verbannt.

Albion

(bei Ptolemäus Alouion) ist ein alter Name für die Britischen Inseln oder Großbritannien, obwohl der Begriff meist auf England bezogen wird.

Der Name ist womöglich keltischen Ursprungs, wobei die Römer ihn von den Kalkklippen bei Dover ausgehend mit albus („weiß“) verbanden und A. Holder (Alt-Keltischer Sprachschatz, 1896) ihn schlicht mit Weißland übersetzte. Einer anderen Theorie zufolge geht der Name auf den nicht indogermanischen Wortstamm alb („Berg“) zurück, auf den demnach auch die Alpen und Alba, ein altirisches Wort für Schottland, zurückgingen.

Die frühen Geschichtsschreiber (6. Jahrhundert v. Chr.) benutzten den Namen Britannia nicht und sprachen stattdessen von nesos 'Iernon kai 'Albionon (Insel der Ierni und Albiones). Pytheas von Massalia (4. Jahrhundert v. Chr.) sprach folglich von Albion und 'Ierne. Begründet auf der Tatsache, dass es an der nördlichen Küste Spaniens bei Asturien einen Stamm namens Albiones gab, hatten auch manche Gelehrte Albion in dieser Gegend angesiedelt (G. F. Unger, Rhein. Mus. xxxviii,, 1883, S. 156–196). Von späteren Gelehrten des klassischen Altertums wie Plinius und Ptolemäus wurde der Name Albion aufgegriffen.

 

Perfides Albion

Der stehende Ausdruck „perfides Albion“ (engl. perfidious Albion, frz. la perfide Albion) für die angebliche Hinterhältigkeit der englischen Außenpolitik stammt aus einem 1793 verfassten Gedicht des Augustin Marquis de Ximenez. Ihn übernahmen auch Chateaubriand, Banville, Goncourt und Anatole France. Im Zuge einer groß angelegten Rekrutierungskampagne Napoleons I. wurde er 1813 zum geflügelten Wort. Im deutschen Sprachraum wurde der Ausdruck insbesondere in der wilhelminischen Zeit häufig verwendet.

Man bezog sich dabei auf verschiedene historische Ereignisse:

  • im Hundertjährigen Krieg töteten in Azincourt die Briten im Jahre 1415 französische Ritter, die sich weigerten zu gehen oder ein Lösegeld zu zahlen

  • vor Beginn des siebenjährigen Krieges kaperten im Jahre 1755 die Briten ohne Kriegserklärung oder diplomatische Note 300 französische Handelsschiffe und inhaftierten 6.000 Seeleute.

  • 1801 zerstörte Hyde Parker zusammen mit Nelson ohne Kriegserklärung die dänische Flotte in der Seeschlacht von Kopenhagen

  • 1908 empfahl Lord Fisher König Eduard VII. "die deutsche Flotte zu kopenhagisieren". Nach Admiral Bacon "nahm Fisher an, dass Deutschland, wenn es sein Flottenprogramm (...) beendet hätte, uns angreifen würde; und zwar im September oder Oktober 1914 wegen der dann erfolgten Fertigstellung des Kieler Kanals (...). Die Wiederholung von Kopenhagen 1801 wäre deshalb empfehlenswert: "Warum sollten wir warten und Deutschland den Vorteil der Festlegung des Angriffszeitpunktes geben?". Der König antwortete ihm, dass diese Vorstellung allgemeinem Recht widerspräche.

  • In NS-deutschen Propaganda-Artikeln wurde versucht den Ausdruck im Zusammenhang mit der Zerstörung der französischen Flotte durch die Alliierten in Mers el Kébir (Operation Catapult) wiederzubeleben.