Du Oberschlesische Heimat

 

Du oberschlesische Heimat,
du wälderrauschendes Land.
Wie festlich schmückt deine Fluren
der Oder silbernes Band.
Still betend falt´ ich die Hände,
schau fromm zum Himmel hinauf
Und seh´ mit dankendem Blicke
der Sonne segenden Lauf.
In Treue will ich dich lieben,
mein Schwur sei heiliges Pfand!
Du oberschlesische Heimat,
du wälderrauschendes Land.

Grün breiten deine Gefilde
sich in der östlichen Mark,
im Schutze wackerer Männer,
so eichenrüstig und stark.
Viel tausend fleißige Hände
erhalten häusliches Glück,
das froh aus Seele und Herzen,
klingt in dem Worte zurück:
In Treue will ich dich lieben,
mein Schwur sei heiliges Pfand!
Du oberschlesische Heimat,
du wälderrauschendes Land!

Es wird mein Auge sich schließen,
dereinst zum ewigen Schlaf,
vom Todesstrahle geblendet,
der manchen Bruder schon traf.
Doch mit ersterbendem Atem,
bet´ ich mein letztes Gebet,
mit dem mein scheidendes Grüßen,
im Dämmerdunkel verweht:
Ich habe dich treu geliebet,
mein Schwur war heiliges Pfand!
Du oberschlesische Heimat,
du wälderrauschendes Land!

Von Alfred Nowinski Musik: W. R. Kügele

Von verschiedenen Geistern und unserer Teufelsmühle
(Aus dem Vorwort zum „Teufelsmüller“, einer dramatisierten Sage aus dem Rosenberger Land von Lehrer Kraffczuk, Bronietz.)

Du oberschlesische Heimat, du wälderrauschendes Land“; so beginnt unser Heimatdichter und erhebt damit den Wald zum Wahrzeichen unserer Heimat. Mir aber will es scheinen, wie wenn der Wald auch das Wahrzeichen des oberschlesischen Menschen wäre, dessen Seele er seit Jahrhunderten beeindruckt hat. Noch vor 200 Jahren, da unser großes deutsches Vaterland durch Werke der Kultur und Zivilisation der übrigen Welt schon längst erschlossen war und die Pflugschar seine lichten Äcker furchte, da träumte unser Oberschlesien inmitten weiter Wälder seinen naturnahen Dornröschenschlaf. Und inmitten dieser Wälder wohnten unsere Ahnen, jahrhundertlang. Jahrhundertlang standen sie im geheimnisvollen dunkel unserer Wälder, jahrhundertlang rauschte ihm die gewaltige Symphonie unserer Wälder durch die Seele. Was wunder, daß in diesem Zwielicht die Grenzen zwischen Diesseits und Jenseits verwischt wurden und das Volk das Unerklärliche seiner Umwelt in dichterischer Gestaltungskraft zu deuten suchte! Darum poltert bei und in Schründen und Felsspalten der Erdgeist; in Tümpel und Untiefen kobolzt der Wassermann und über Mooren und Niederungen funkeln verführerisch die Irrlichter. Aber selbst in den Behausungen war man vor der Geisterwelt nicht sicher, vor Heren, Druckgeistern* und dem Bösen gar. Diesen insbesondere läßt das Volk gern im Gewande des Jägers einherziehen, wie es alle Volkssagen und Volksmärchen bestätigen.

Doch, es ist nicht das dämonische allein, das solchen Ausdruck fand, auch das Soziale war hier mitgestaltend; denn was bedeutete schon damals der geringe Mann? Meistens stand er ratlos seinem Peiniger gegenüber. So ließ das Volk wenigstens den Satan besorgen, wozu es selbst keine Macht besaß, es ließ seine Peiniger – eine Art Volksrache  in die Hölle fahren. In diesem Zusammenhange wundert es nicht, daß es insbesondere Müller sind, an denen sich der Volksglaube erfüllen soll. In jener Zeit, da Hungersnöte des Öfteren unsere Heimat aufsuchten und das Brot als seltene Gottesgabe achtungsvollste Verehrung genoß, da war der Betrug am Mahlgut eine himmelschreiende Sünde. Ein solcher Müller ward zum Teufelsmüller; dem Teufel war seine Seele verfallen, der Hölle seine Teufelsmühle, Solche oder ähnliche Gedanken steigen in uns auf, wenn wir unser Oberschlesien durchwandernd, an sagenhaften Mühlen dieser Art vorüberkommen.

Eine solche Mühle stand im Rosenberger Kreis, zwischen den Gemeinden Bronietz und Radlau, mitten im Walde. Nach einer alten Sage soll hier ein Müller gehaust heben, der, um sein Geschäft zu heben, dem Teufel seine Seele verschieben hat. Gegen Lebensende soll sich der Müller durch ein bußfertiges Leben vom Teufel und seinem Packt gelöst haben. Nach einer anderen Darstellung wurde er jedoch von Satan geholt. Die Mühle ist aber mit Getöse versunken. So weit die Sage. – Es ist klar, daß diese Sage nur nach Schaffung eines neuen Personen und zum Teil auch Sachverhältnisses auf der Bühne lebendig werden konnte. Der Volksglaube, der Müller hätte sich bei seinem eigennützigen Treiben des Alkohols bedient, eines selbstgebrannten Teufels, liefere für das Spiel den bezeichnenden Hintergrund. So formte sich aus den Nebeln der Versunkenheit vor unserem Auge die hagere Gestalt eines berechnenden Geizhalses, der die Gutmütigkeit und Vertrauensseligkeit seiner Umwelt, kleiner Waldbauer und armer Holzknechte, wohl zu nützen versteht. Und, wenn die Elemente der vergangenen Epoche nur halbwegs zur Geltung kommen sollten, müßte das Bühnenstück ein dämonisches Gemälde werden, ein Heimatstück, wurzelnd in verklungener Wälderromantik, aus dem uns die Stimme unseres Blutes vertraut entgegen klingt.

 Druckgeister*
Druckgeister (Alben) sind Geister, die wahrscheinlich von den Zwergen abstammen.
Manche Druckgeister bzw. Aufhocker erscheinen dem Wanderer zunächst als mitleid erregende Kreatur, zum Beispiel als alte schwache Bäuerin mit großem Getreidesack. Hilft man ihr tragen, wird man reich belohnt, spottet man ihr, kehrt sie als Aufhocker in dämonischer Gestalt wieder.

Aus:  http://home.teleos-web.de/pwollny/Sonstiges/Sonstiges00001/sonstiges00001.html