Der Rhein

Der freie deutsche Rhein (1840)

Sie sollen ihn nicht haben
den freien deutschen Rhein,
ob sie wie gierige Raben
sich heiser danach schrein

So lang er ruhig wallend
sein grünes Kleid noch trägt
so lang ein Ruder schallend
In seine Woge schlägt

Sie sollen ihn nicht haben,
den freien deutschen Rhein,
so lang sich Herzen laben
an seinem Feuerwein

So lang in seinem Strome
noch fest die Felsen stehn,
so lang sich hohe Dome
in seinem Spiegel sehn

Sie sollen ihn nicht haben
Den freien deutschen Rhein
So lang dort kühne Knaben
Um schlanke Dirnen freien

So lang die Flossen hebet
Ein Fisch auf seinem Grund
So lang ein Lied noch lebet
In seiner Sänger Mund

Sie sollen ihn nicht haben
Den freien deutschen Rhein
Bis seine Flut begraben
Des letzten Manns Gebein

 

Der Rhein

Der deutsche Rhein – ! Wie klingt das Wort so mächtig!
Schon sehn wir ihn, den goldig-grünen Strom,
Mit heitern Städten, Burgen stolz und prächtig
Die Lurlei dort und dort den Kölner Dom!
Der freie Rhein – ! Gedächtnis unsrer Siege,
Du mit dem Blut der Edelsten getauft,
Ruhm unsrer Väter, die in heil’gem Kriege
Mit Liedern nicht, mit Schwertern dich erkauft

Ich sah ihn auch – es war ein böses Zeichen,
Novemberwolken hingen drüber hin,
Nicht strömen, nein! mich dünkt, ich sah sie schleichen,
Die goldne Flut, wie eine Bettlerin;
Als klagte sie, daß noch mit Zoll und Banden
Sie ungestraft der Fremdling knechten darf,
Daß noch ein Wort, verfälscht und mißverstanden,
Sie von des Meeres keuschem Busen warf !

Ich sah das Land — die Traube sah ich reifen,
Die rechte Milch, um Männer groß zuziehn,
Ließ weit hinaus mein flammend Auge schweifen,
Dem nie ein Traumbild lieblicher erschien:
Ein lautes Echo donnernd fort zutragen
Schien Strom und Tal und Felsen mir bereit;
Doch – gradheraus! man darf das Wort nicht wagen,
Das freie Wort, ihr wißt es! ist gefeit!

Wer hat nun Recht, zu sagen und zu singen
Vom freien Rhein, dem freien deutschen Sohn?
O diese Lieder, die so mutig klingen,
Beim ew’gen Gott, sie dünken mich wie Hohn.
Ja wolltet ihr erwägen und bedenken,
Welch stolzes Wort von eurer Lippe kam,
Ihr müßtet ja das Auge nieder senken,
mit bittern Tränen, voller Zorn und Scham!

Es gilt nicht Dir, der du zuerst gesungen
Das stolze Wort vom freien deutschen Rhein
Das durch die Welt sich adlergleich geschwungen:
Dich schließ im Geist in meinen Arm ich ein!
Aus voller Brust ist dir das Lied gequollen,
Und nicht im Käfig hast du es bewahrt:
Frei fliegt es hin, wohin die Winde wollen –
Du tatest recht! und das ist Sängerart.

Euch gilt mein Ruf, ihr Fürsten und Vasallen,
In deren Händen unser Schicksal liegt! –
Euch Deutschen gilt es, nah und fern, euch allen,
Soweit ein Hauch von deutschem Munde fliegt:
Mit euch zuerst müßt ihr den Kampf beginnen!
Soll unverführt von heiserem Geschrei
Und ungetrübt des Rheines Welle rinnen,
So seid zuerst ihr selber deutsch und frei!

Denn käme nun die Stunde der Gefahren,
Die wir am Himmel dämmernd schon gesehn,
Ich meine wohl, ihr würdet bald gewahren,
Daß es nicht leicht ist, Schlachten zu bestehn.
Nicht jene Burgen werden niedersteigen,
Die Mädchen küssen, aber kämpfen nicht,
Die stummen Fische, glaubt mir, werden schweigen,
Und Ruder brechen, wo ein Reich zerbricht.

’s gibt einen andern, kräftigern Genossen
Als jene Trümmer bröckelndes Gestein:
Wer ihm den Arm, den Busen ihm erschlossen,
Der siegt durch ihn — und auch durch ihn allein!
Ein Feuer ist’s, das unauslöschlich zündet,
Ein Zauberwort, das Mauern niederreißt —
Drum frisch gewagt und euch mit ihm verbündet:
Es ist der deutsche, ist der freie Geist!

Gebt frei das Wort, ihr Herrn auf euren Thronen!
So wird das andre sich von selbst befrein.
Wagt‘s und vertraut! In allen euren Kronen,
Wo gibt’s ein hellres, edleres Gestein?
Die Presse frei! Uns selber macht zum Richter,
das Volk ist reif! – ich wag’s und sag es laut:
Auf eure Weisen baut, auf eure Dichter,
Sie, denen Gott noch Größ‘res auch vertraut ! –

Sei deutsch, mein Volk! verlern den krummen Rücken,
An den du selbst unwürdig dich gewöhnt!
Mit freier Stirn grad aufwärts mußt du blicken,
Vom eignen Mut gesittigt und verschönt.
Es kann den Fürsten selber nicht gefallen,
Dies schmeichlerisch demütige Geschlecht –
Ein offnes Auge! so geziemt es allen,
Zu Boden sieht das Tier nur und der Knecht. –

So wird’s erreicht! Und wenn in künft’gen Tagen
Das stolze Frankreich unsern Rhein begehrt,
Wir werden es mit Lächeln dann ertragen,
Dann ohne Lieder, doch die Hand am Schwert.
Denn dann gelang’s, ihn ewig fest zu flechten:
Die goldne Freiheit soll die Fessel sein!
Dann lohnt e sich, bis in den Tod zu fechten,
Dann, deutsch und frei, dann bleibt er unser Rhein!

 

Auch ein deutsches Volkslied 
Ulrich von Destouches

am 19. November 1940 im Bayerischen Landboten

Wir wollen ihn nicht lassen
den freiene deutschen Rhein
wie sie darob uns hassen
kann uns gleichgültig sein
noch lebt der deutsche Glaube
Noch gilt ein deutsches Wort
dies wahrt vor jedem Raube
und lebet fort und fort !

Wir wollen ihn nicht lassen
den freien deutschen Rhein
wenn sie sich auch in Massen
kampflustig finden ein
noch gibt es deutsches Eisen
noch gibt es deutschen Mut
noch strömt in seinen Kreisen
der Deutschen treues Blut

wir wollen ihn nicht lassen
den freien deutschen Rhein
wir kennen kein Erblassen
sie schüchtern uns nicht ein
noch gibt es deutsche Fürsten
Noch gibt es deutsche Treu
Wie sie danach auch dürsten
Der Rhein bleibt deutsch und frei

Aus der Feder von Wilhelm I, ( Prinz von Preußen,)

Sie haben ihn da oben
Den alten deutschen Rhein
Deshalb soll stets gehoben
Das Schwert des Deutschen sein
Mit welcher Schalkheit raubte
Der Ludwig uns das Land
Weil Deutschland mit dem Haupte
Des Reichs in Fehde stand

O Straßburg, Burg der Straßen
Von Frankreich und Burgund
Solang dort Franzen rasen
Wird Deutschland nicht gesund
Dein Münster reckt den Finger
Zum Himmelszelt empor
Und drohet dem Bezwinger
Wie dem, der ihn verlor.

Dem Reich und einst dem Kaiser
Wohl von des Rheines Strand
Sei du des Weges Weiser
Ins stolze Frankenland
Der Rhein soll Deutschlands Erben
In seinem ganzen Lauf
Zu eigen wieder werden
Rollt euer Banner auf

Du Volk aus den Vogesen
Und dem Ardennerwald
Wir wollen dich erlösen
Von fremder Truggewalt
Und solltest du dich sträuben
Und fühlst die Knechtschaft nicht
So wollen wir dich treiben
Zu deiner Kindespflicht

Damit einst deine Kinder
Doch mögen Deutsche sein
Und sich der Überwinder
Von ihren Vätern freuen
So wollen wir ihn haben
Den alten deutschen Rhein
Dann erst wird ganz begraben
Die Schmach der Deutschen sein.

Lied vom Rhein
Niklas Becker 

Es klang ein Lied vom Rhein
Ein Lied aus deutschen Munde
Und schnell wie Blitzesschein
durchflog’s die weite Runde
Sein heller Widerklang
Vom Süden fort zum Norden
Ist gleich wie Wehrgesang
Des Vaterlands geworden

Nun brause fröhlich Rhein
"Nie soll ob meinem Hort
Ein welscher Wächter sein !"
Es klinget neue Zeit
Und neues Volk ist da
Komm, hoffart, willst du Streit
Germania ist da !

Rheinweinlied
Georg Herwegh, (10.1840),

Wo solch ein Feuer noch gedeiht
Und solch ein Wein noch Flammen speit
Da lassen wir in Ewigkeit
Uns nimmermehr vertreiben
Stoßt an ! Stoßt an ! Der Rhein
Und wär‘ s nur um den Wein
Der Rhein soll deutsch verbleiben.

Herab die Büchsen von der Wand
Die alten Schläger in die Hand
Sobald der Feind dem welschen Land
Den Rhein will einverleiben
Haut, Brüder, mutig drein
Der alte Vater Rhein
Der Rhein soll deutsch verbleiben

Das Recht und Link, das Link und Recht
Wie klingt es falsch, wie klingt es schlecht
Kein Tropfen soll, ein feiger Knecht
Des Franzmanns Mühlen treiben
Stoßt an ! Stoßt an ! Der Rhein !
Und wär‘ s nur um den Rhein
Der Rhein soll deutsch verbleiben.

Der ist sein Rebenblut nicht wert
Das deutsche Weib, den deutschen Herd
Der nicht auch freudig schwingt sein Schwert
Die Feinde aufzureiben
Frisch in die Schlacht hinein
Hinein für unseren Rhein
Der Rhein soll deutsch verbleiben

O edler Saft, o lauter Gold
Du bist kein ekler Sklavensold
Und wenn ihr Franken kommen wollt
So laßt euch vorher schreiben
Hurrah, hurra der Rhein
Und wär‘s nur um den Wein
Der Rhein soll deutsch verbleiben

 

 

EINS UND ALLES

8.6.1841

Deutschland erst in sich vereint !
Auf ! Wir wollen uns verbinden,
und wir können jeden Feind
treu verbunden überwinden.

Deutschland erst in sich vereint !
Lasset alles, alles schwinden,
was ihr wünschet, hofft und meint !
Alles andere wird sich finden.

Deutschland erst in sich vereint !
Danach strebet, danach ringet !
Daß der schöne Tag erscheinet,
der uns Einheit wiederbringet.

Deutschland erst in sich vereint !
Wenn uns das einmal gelinget,
hat die Welt noch einen Feind,
der uns wiederum bezwinget ?

 

 

Frühlingslied (1843).

Der Frühling ist gekommen,
Es grünet Wald und Feld -
Frisch auf, mein Sang, verkünd' es
Der ganzen deutschen Welt!

Zerspreng' des Schlafes Bande
Drin jetzt noch alles ruht,
Und weck' in allen Herzen
Des Frühlings Lust und Muth!

Der Frühling ist gekommen,
Es grünet Wald und Feld -
Frisch auf, mein Sang, verkünd' es
Der ganzen deutschen Welt!

Zertheile die Gewitter,
Die uns noch ringsum dräu'n,
Daß wir am Sonnenscheine
Uns wiederum erfreu'n.

Der Frühling ist gekommen,
Es grünet Wald und Feld -
Frisch auf, mein Sang, verkünd' es
Der ganzen deutschen Welt!

Und bist du nur ein Glöcklein —
Frisch auf, frisch auf, mein Sang!
Es stürzt auch die Lawine
Von eines Glöckleins Klang

 Der Oberrhein

Sie haben ihn da oben,
Den alten deutschen Rhein,
Daher soll stets gehoben
Das Schwert des Deutschen sein.
Mit welcher Schalkheit raubte
Der Ludwig uns das Land,
Weil Deutschland mit dem Haupte
Des Reichs in Fehde stand.
O Elsaß, o Lothringen,
O Metz, Toul und Verdun,
Wir woll'n dich wiederbringen
Zum alten deutschen Rhein.
So woll'n wir's wieder haben
Das Gut von unser'm Blut,
Weil dort schon längst begraben
Der deutsche Adler ruht.
Du Straßburg, Burg der Schranken
Von Frankreich und Burgund,
So lang' dort hausen Franken,
Wird Deutschland nicht gesund.
Du Volk aus den Vogesen
Und dem Ardennenwald,
Wir wollen Dich erlösen
Von fremder Truggewalt.
Dein Münster reckt den Finger
Zum Himmelszelt empor
Und drohet dem Bezwinger
Und dem, der ihn verlor.
Dann musst auch du vernehmen
Den deutschen Bundesruf
Und dich der Knechtschaft schämen,
Die wälsche Art dir schuf.
Dem Reich und jetzt dem Kaiser
Wohl von des Rheines Strand
Sei du des Weges Weiser
Ins stolze Frankenland.
Und solltest du dich sträuben
Und fühlst die Knechtschaft nicht,
So wollen wir dich treiben
Zu deiner Kindespflicht.
Der Rhein soll Deutschlands Erbe,
In seinem ganzen Lauf,
Wohl wieder eigen werden.
Rollt Euer Banner auf!
Damit einst deine Kinder
Doch mögen Deutsche sein
Und sich der Überwinder
Von ihren Vätern freun.

So wollen wir ihn haben
Den alten deutschen Rhein;
Dann erst wird ganz begraben
Die Schmach der Deutschen sein.

 

Das Lied vom Rhein
Max von Schenkendor (vor 1814)

Es klingt ein heller Klang,
Ein schönes deutsches Wort
In jedem Hochgesang
Der deutschen Männer fort:
Ein alter König hochgeboren,
Dem jedes deutsche Herz geschworen –
Wie oft sein Name wiederkehrt,
Man hat ihn nie genug gehört.
Das ist der heil'ge Rhein,
Ein Herrscher, reich begabt,
Des Name schon, wie Wein
Die treue Seele labt.
Es regen sich in allen Herzen
Viel vaterländ'sche Lust und Schmerzen,
Wenn man das deutsche Lied beginnt
Vom Rhein, dem hohen Felsenkind.
Sie hatten ihm geraubt
Der alten Würden Glanz,
Von seinem Königshaupt
Den grünen Rebenkranz.
In Fesseln lag der Held geschlagen:
Sein Zürnen und sein stolzes Klagen,
Wir haben's manche Nacht belauscht,
Von Geisterschauern hehr umrauscht.
Was sang der alte Held? –
Ein furchtbar dräuend Lied:
»O weh dir, schnöde Welt!
Wo keine Freiheit blüht,
Von Treuen los und bar von Ehren!
Und willst du nimmer wiederkehren,
Mein, ach! gestorbenes Geschlecht
Und mein gebrochnes deutsches Recht?
O meine hohe Zeit!
Mein goldner Lenzestag!
Als noch in Herrlichkeit
Mein Deutschland vor mir lag,
Und auf und ab am Ufer wallten
Die stolzen adligen Gestalten,
Die Helden weit und breit geehrt
Durch ihre Tugend und ihr Schwert!
Es war ein frommes Blut
In ferner Riesenzeit,
Voll kühnem Leuenmut
Und mild als eine Maid.
Man singt es noch in späten Tagen,
Wie den erschlug der arge Hagen.
Was ihn zu solcher Tat gelenkt,
In meinem Bette liegt's versenkt.
Du Sünder! wüte fort!
Bald ist dein Becher voll;
Der Nibelungen Hort
Ersteht wohl, wenn er soll.
Es wird in dir die Seele grausen,
Wenn meine Schrecken dich umbrausen;
Ich habe wohl und treu bewahrt,
Den Schatz der alten Kraft und Art!« –
Erfüllt ist jedes Wort.
Der König ist nun frei,
Der Nibelungen Hort
Ersteht und glänzet neu!
Es sind die alten deutschen Ehren,
Die wieder ihren Schein bewähren:
Der Väter Zucht und Mut und Ruhm,
Das heil'ge deutsche Kaisertum!
Wir huld'gen unserm Herrn,
Wir trinken seinen Wein.
Die Freiheit sei der Stern,
Die Losung sei der Rhein!
Wir wollen ihm aufs neue schwören,
Wir müssen ihm, er uns gehören.
Vom Felsen kommt er frei und hehr,
Er fließe frei in Gottes Meer!

 Loreley

 

Dort, wo der Rhein ...
Dort, wo der Rhein mit seinen grünen Wellen
So mancher Burg bemooste Trümmer grüßt,
Dort, wo die edlen Trauben saft'ger schwellen,
Und kühler Most des Winzers Müh versüßt.
Dort möcht ich sein, dort möcht ich sein,
Bei dir, du Vater Rhein,
An deinen Ufern möcht ich sein.

Ach, könnt ich dort im leichten Nachen schaukeln,
Und hörte dann ein frohes Winzerlied,
Viel schönre Träume würden mich umgaukeln,
Als ferne sie der Sehnsucht Auge sieht.
Dort möcht ich sein, dort möcht ich sein,
Wo deine Welle rauscht,
Wo's Echo hinterm Felsen lauscht.

Dort, wo der grauen Vorzeit schöne Lügen
Sich freundlich drängen um die Phantasie,
Und Wirklichkeit zum Märchenzauber fügen,
Dort ist das Land der schönen Poesie.
Dort möcht ich sein, dort möcht ich sein,
Bei dir, du Vater Rhein,
Wo Sagen sich an Sagen reih'n.

Wo Burg und Klöster sich aus Nebel heben,
Und jedes bringt die alten Wunder mit;
Den kräft'gen Ritter seh ich wieder leben,
Er sucht das Schwert, mit dem er oftmals stritt.
Dort möcht ich sein, dort möcht ich sein,
Wo Burgen auf den Höhn
Wie alte Leichensteine stehn.

Ja, dorthin will ich meinen Schritt beflügeln,
Wohin mich jetzt nur meine Sehnsucht träumt,
Will freudig eilen zu den Rebenhügeln,
Wo die Begeistrung aus Pokalen schäumt,
Bald bin ich dort, bald bin ich dort,
Und du, o Vater Rhein,
Stimmst froh in meine Lieder ein.

Anonym um 1840

Der deutsche Rhein
An Alphons de Lamartine

Sie sollen ihn nicht haben,
Den freien deutschen Rhein,
Ob sie wie gier'ge Raben
Sich heiser danach schrein,

So lang er ruhig wallend
Sein grünes Kleid noch trägt,
So lang ein Ruder schallend
In seine Woge schlägt!

Sie sollen ihn nicht haben,
Den freien deutschen Rhein,
So lang sich Herzen laben
An seinem Feuerwein;

So lang in seinem Strome
Noch fest die Felsen stehn,
So lang sich hohe Dome
In seinem Spiegel sehn!

Sie sollen ihn nicht haben,
Den freien deutschen Rhein,
So lang dort kühne Knaben
Um schlanke Dirnen frein;

So lang die Flosse hebet
Ein Fisch auf seinem Grund,
So lang ein Lied noch lebet
In seiner Sänger Mund!

Sie sollen ihn nicht haben,
Den freien deutschen Rhein,
Bis seine Flut begraben
Des letzten Manns Gebein!

Nicolaus Becker 1841

Protest
Solang ich noch ein Protestant,
Will ich auch protestieren,
Und jeder deutsche Musikant
Soll's weiter musizieren!
Singt alle Welt: Der freie Rhein!
So sing doch ich: Ihr Herren, nein!
Der Rhein, der Rhein könnt freier sein -
So will ich protestieren.

Kaum war die Taufe abgetan,
Ich kroch noch auf den Vieren,
Da fing ich schon voll Glaubens an,
Mit Macht zu protestieren,
Und protestiere fort und fort,
O Wort, o Wind, o Wind, o Wort,
O selig sind, die hier und dort,
Die ewig protestieren.

Nur eins ist not, dran halt ich fest
Und will es nit verlieren,
Das ist mein christlicher Protest,
Mein christlich Protestieren.
Was geht mich all das Wasser an
Vom Rheine bis zum Ozean?
Sind keine freien Männer dran,
So will ich protestieren.

Von nun an bis in Ewigkeit
Soll euch der Name zieren:
Solang ihr Protestanten seid,
Müßt ihr auch protestieren.
Und singt die Welt: Der freie Rhein!
So singet: Ach! Ihr Herren, nein!
Der Rhein, der Rhein könnt freier sein
Wir müssen protestieren.

Georg Herwegh 1841

Und als ich an die Rheinbrück kam, ...

Und als ich an die Rheinbrück kam,
Wohl an die Hafenschanze,
Da sah ich fließen den Vater Rhein
Im stillen Mondenglanze.

„Sei mir gegrüßt, mein Vater Rhein,
Wie ist es dir ergangen?
Ich habe oft an dich gedacht
Mit Sehnsucht und Verlangen"

So sprach ich, da hört ich im Wasser tief
Gar seltsam grämliche Töne,
Wie Hüsteln eines alten Manns,
Ein Brümmeln und weiches Gestöhne:

„Willkommen, mein Junge, das ist mir lieb,
Daß du mich nicht vergessen;
Seit dreizehn Jahren sah ich dich nicht,
Mir ging es schlecht unterdessen.

Zu Biberich hab ich Steine verschluckt,
Wahrhaftig sie schmeckten nicht lecker!
Doch schwerer liegen im Magen mir
Die Verse von Niklas Becker.

Er hat mich besungen, als ob ich noch
Die reinste Jungfer wäre,
Die sich von niemand rauben läßt
Das Kränzlein ihrer Ehre.

Wenn ich es höre, das dumme Lied,
Dann möcht ich mir zerraufen
Den weißen Bart, ich möchte fürwahr
Mich in mir selbst ersaufen!

Daß ich keine reine Jungfer bin,
Die Franzosen wissen es besser,
Sie haben mit meinem Wasser so oft
Vermischt ihr Siegergewässer.

Das dumme Lied und der dumme Kerl!
Er hat mich schmählich blamieret,
Gewissermaßen hat er mich auch
Politisch kompromittieret.

Denn kehren jetzt die Franzosen zurück,
So muß ich vor ihnen erröten,
Ich, der um ihre Rückkehr so oft
Mit Tränen zum Himmel gebeten.

Ich habe sie immer so lieb gehabt,
Die lieben kleinen Französchen -
Singen und springen sie noch wie sonst?
Tragen noch weiße Höschen?

Ich möchte sie gerne wiedersehn,
Doch fürcht ich die Persiflage,
Von wegen des verwünschten Lieds
Von wegen der Blamage.

Der Alfred de Musset, der Gassenbub,
Der kommt an ihrer Spitze
Vielleicht als Tambour, und trommelt mir vor
All seine schlechten Witze."

So klagte der arme Vater Rhein,
Konnt sich nicht zufriedengeben.
Ich sprach zu ihm manch tröstendes Wort,
Um ihm das Herz zu heben:

„Oh, fürchte nicht, mein Vater Rhein,
Den spöttelnden Scherz der Franzosen;
Sie sind die alten Franzosen nicht mehr,
Auch tragen sie andere Hosen.

Die Hosen sind rot und nicht mehr weiß,
Sie haben auch andere Knöpfe,
Sie singen nicht mehr, sie springen nicht mehr,
Sie senken nachdenklich die Köpfe.

Sie philosophieren und sprechen jetzt
Von Kant, von Fichte und Hegel,
Sie rauchen Tabak, sie trinken Bier,
Und manche schieben auch Kegel.

Sie werden Philister ganz wie wir
Und treiben es endlich noch ärger;
Sie sind keine Voltairianer mehr,
Sie werden Hengstenberger.

Der Alfred de Musset, das ist wahr,
Ist noch ein Gassenjunge;
Doch fürchte nichts, wir fesseln ihm
Die schändliche Spötterzunge.


Und trommelt er dir einen schlechten Witz,
So pfeifen wir ihm einen schlimmem,
Wir pfeifen ihm vor, was ihm passiert
Bei schönen Frauenzimmern.

Gib dich zufrieden, Vater Rhein,
Denk nicht an schlechte Lieder,
ein bessere Lied vernimmst du bald -
Leb wohl, wir sehen uns wieder.“

Heinrich Heine, aus: Deutschland - ein Wintermärchen 1844

Kölner Dom

Rheinkohle statt Gold
Die Fische und die nackten Nymphen
Sterben im romantischen Wasser aus
Über die Brücke fahren nur Trauerzüge
In Särgen wird das letzte Gold geschmuggelt
Der Osten exportiert seine Frühsonne
Aurora ist kein Frauenname mehr
Doch paßt er gut für eine Aktiengesellschaft

Wir kamen von Frankreich
Über den Bahnhof hinaus fuhr unser Zug in den Kölner Dom
Die Lokomotive hielt vor dem Allerheiligsten
Und kniete sanft
Zehn Tote kamen direkt ins Paradies
Petrus ,,English spoken" auf dem Ärmel, bekam ein gutes Trinkgeld
Die glasgemalten Engel telephonierten
Und flogen hinüber zur Cox-Bank
Rosa Dollarschecks einzulösen

Gegen Mittag wurde ein neuer Zug gen Warschau gebildet.

Iwan Goll 1924