Riesengebirglers Heimatlied
Text: Othmar. Fiebiger  /  Melodie: Vinzenz Hampel
Adolf Skall

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1.
Blaue Berge, grüne Täler, mitten drin ein Häuschen klein,
herrlich ist das Stückchen Erde, und ich bin ja dort daheim.
Als ich einst ins Land gezogen, ham' die Berg' mir nachgeseh'n.
Mit der Kindheit, mit der Jugend, weiß nicht recht wie mir gescheh'n.
Oh, mein liebes Riesengebirge, wo die Elbe so heimlich rinnt,
wo der Rübezahl mit seinen Zwergen heut' noch Sagen und Märchen spinnt.
I: Riesengebirge, deutsches Gebirge, meine liebe Heimat du! :I

2.
Ist mir gut und schlecht gegangen, hab' gesungen und gelacht,
doch in manchen bangen Stunden hat mein Herz ganz still gepocht.
Und mich zog's nach Jahr und Stunden wieder heim ins Elternhaus.
Hielt's nicht mehr vor lauter Sehnsucht Bei den fremden Menschen aus.
Oh, mein liebes Riesengebirge, wo die Elbe so heimlich rinnt,
wo der Rübezahl mit seinen Zwergen heut' noch Sagen und Märchen spinnt.
I: Riesengebirge, deutsches Gebirge, meine liebe Heimat du! :I

3.
Heil'ge Heimat, Vater, Mutter; und ich lieg an ihrer Brust,
wie dereinst in Kindheitstagen, da von Leid ich nichts gewußt.
Wieder läuten hell die Glocken, wieder streichelt ihre Hand,
und die Uhr im alten Stübchen tickt wie grüßend von der Wand.
Oh, mein liebes Riesengebirge, wo die Elbe so heimlich rinnt,
wo der Rübezahl mit seinen Zwergen heut' noch Sagen und Märchen spinnt.
I: Riesengebirge, deutsches Gebirge, meine liebe Heimat du! :I

4.
Und kommt's einstens zum Begraben, mögt ihr euren Willen tun,
nur das eine, ja das eine, laßt mich in der Heimat ruh'n.
Wird der Herrgott mich dann fragen droben nach dem Heimatschein,
zieh' ich stolz und frei und freudig flugs ins Himmelreich hinein.
Bin aus dem Riesengebirge, wo die Elbe so heimlich rinnt,
wo der Rübezahl mit seinen Zwergen heut' noch Sagen und Märchen spinnt.
I: Riesengebirge, deutsches Gebirge, Meine liebe Heimat du! :I
 

 

 

Ein "neues" Riesengebirgslied

Ein neues Riesengebirgsheimatlied“ ist entstanden, verfasst von Adolf Skall, dessen „Lied vom Elbquell“ im Vorjahr durch den Rundfunk vermittelt wurde. Vor wenigen Tagen wurde das neue Riesengebirgslied, vertont von dem heimischen Komponisten Franz Künzel, vom Musikdirektor Max Heyda mit seiner Kurkapelle in Johannisbad orchestral aus der Taufe gehoben, und es fand bei den zahlreich erschienenen Zuhörern eine überaus herzliche Aufnahme. Leider liegen mir zu diesem herrlichen Lied keine Noten vor. Und nun zu diesen, wirklich herrlichen Texten:

Ein wenig bekanntes Riesengebirgsheimatlied
http://www.riesengebirgler.de/gebirge/volkslieder.htm

Wo über den Bergen die Schneekoppe thront
Und Rübezahl mit seiner Zwergschar wohnt,
Wo gastlich die Baude den Wanderer grüßt!
Und silberhell sprudelnd der Elbquell fließt,
Wo Knieholz hoch oben am Kamme sich bückt,
Mit Enzianblüten de Heide sich schmückt,
Wo heulend der Schneesturm die Höhen umbraust
Und jäh die Lawine zur Schlucht niedersaust,
Dort hat mir der Herrgott hinein in die Welt
Mein Riesengebirge als Heimat gestellt.
Mein ganzes Herz, teuere Heimat, ist dein,
Stolz bin ich, ein Riesengebirgler zu sein.

Dort bin ich geboren, dort bin ich zu Haus,
Dort schaue beglückt ich ins Weite hinaus;
Ich sehe die Berge in dämmerndem Blau
Und rings dunkle Wälder, den Hirsch und die Au,
Seh´ freundliche Dörflein gebettet im Grün
und Aupa und Bober ihr Silberband ziehn,
Seh´ hell in der Sonne die Schneekoppe stehn
Und eilende Wolken hoch über sie gehn:
So schön hat mir der Herrgott hinein in die Welt
Mein Riesengebirge als Heimat gestellt.
Mein ganzes Herz, teuere Heimat, ist dein,
Stolz bin ich, ein Riesengebirgler zu sein.

Bei mir daheim blicken die Bilder mich an
Von Vater und Mutter, Großeltern und Ahn;
Sie reden gar deutlich von kerndeutscher Art,
Die treu sich und trutzig ihr Deutschtum bewahrt.
Und so wie sie waren so will auch ich sein,
In Liebe und Treue und deutsch nur allein.
Und schaufelt man einst mir ein heimatlich Grab,
Dann senkt mit dem Lied mich, ihr Freunde hinab:
Hier hat ihm der Herrgott hinein in die Welt
Sein Riesengebirge als Heimat gestellt.
Sein ganzes Herz, teuere Heimat, war dein,
Stolz war er, ein Riesengebirgler zu sein.


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Blue-hueded  Mountains, Green-clad Valleys 
A small abode within them lays. 
Splendid is ist earthly portion, 
It was my home, my dwelling place. 
When once I left to go abroad
The mountains kept me in their sight,
My youth, my childhood now behind me: 
What happened to me was my plight. 

I fared well, sometimes had  hardships
Songs and laughter were my part,
Yet in many anguished hours
Within my breast my heart would throb.
 So, after many years and hours
 I was drawn to my dear home,
Yearning overtook my being,
Among strange folks I felt alone.

Chorus: O, my dearest Gigant's Mountains,
where the Elbe Flows hidden therein.
Where  the Ruebezahl with his dwarf-folk
Still fables and fairy-tales does spin.
O, Giant's Mountains, you German Mountains,
You my dear homeland, my place of birth.

 

Das Riesengebirge - böhmischer Teil

Anschließend an das Reichenberger Becken und das Isergebirge erhebt sich das Riesengebirge, an welches sich das Braunauer Ländchen mit dem Adlergebirge anschließt. Das Riesengebirge erstreckt sich als nordöstliches Rand- und Grenzgebirge des Böhmischen Beckens. Das böhmische Riesengebirge, auf dessen Gebiet der Gerichtsbezirk Hohenelbe liegt, erstreckt sich über eine Länge von ca. 40 Kilometer, die Breite erreicht kaum 20 Kilometer. In der Höhe rangiert es in Mitteleuropa nach den Alpen und den Karpaten an dritter Stelle, die höchste Erhebung ist die Schneekoppe mit 1603 Metern. Etwa ein Drittel der Gesamtfläche liegt auf schlesischen Gebiet. Geologisch besteht das Riesengebirge aus Granit und Gneis und Glimmerschiefer.

Das Ursprungsgebiet der Elbe und das Heimatland des Berggeistes Rübezahl war schon sehr früh teils touristisch erschlossen, industrialisiert und besiedelt worden. Bereits 1201 beginnt die deutsche Besiedlung dieses Gebietes durch die Machtübernahme Heinrich I. von Schlesien. Die nachweislichen Anfänge des Ortes Hohenelbe liegen im 13. und 14. Jahrhundert, Arnau ist seit 1139 als Grenzbefestigung nachgewiesen aus der Zeit Premysl Ottokar II. Und vermutlich zwischen 1250 und 1260 wurde Arnau das Stadtrecht verliehen. 1533 verlieh Kaiser Ferdinand I. dem Ort Wrchlab/Giesdorf den Namen "Hohenelbe" und erhob die alte Feste zur Bergstadt Hohenelbe mit dem bekannten Wappen. Im Jahre 1546 wurde der Bau seines Schlosses unter Christoph von Gendorf fertig gestellt, dieses ist bis heute weitgehend erhalten.

Von den 62 selbstständigen Gemeinden des Landkreises Hohenelbe waren 4 mit Stadtrecht ausgestattet, nämlich Hohenelbe, Arnau, Rochlitz und Schwarzental. Rochlitz wurde zwischen 1547 und 1562 durch die Herrschaft von Starkenbach als Glashüttensiedlung gegründet, Schwarzental wird 1383 zum ersten Mal genannt, im Jahre 1552 erhob Kaiser Ferdinand I. Schwarzental zum Marktflecken, 1564 wurde Schwarzental zum "Bergstadtl Schwarzenthal" erhoben.

Hinsichtlich der Industrialisierung existierten frühzeitlich Bergbaubetriebe, im 19. Jahrhundert hielten die Textilindustrie, die Papierindustrie und Holzindustrie, sowie Glasindustrie Einzug. Die Land- und Forstwirtschaft breiteten sich aus. Auch die Kalkverarbeitung war verbreitet.

Der Fremdenverkehr nahm im 19. Jahrhundert rapide zu, das Riesengebirge war eine Wiege des modernen Skisportes, so wurde bereits 1898 der "Verein deutscher Skiläufer" in Hohenelbe gegründet und große Wettkämpfe wurden um die Jahrhundertwende schon abgehalten. Eine Reihe wichtiger Daten sind zu nennen, wie die Tatsache, dass der österreichische und deutsche Skiverband vom Riesengebirge aus geleitet wurden. In der nordischen Kombination haben die Riesengebirgler Geschichte geschrieben - Namen , wie Guido Rotter, Gustl Berauer, Franz Buchberger, Alfred Möhwald sind unvergessen. Neben den Wintersportorten, wie Spindelmühle, Rochlitz, Harrachsdorf erlebten die sog. "Bauden" im Gebirge einen rasanten Aufschwung und prägten die wegemässige Erschließung des Riesengebirges mit.

Mai 2005

Blaue Berge, grüne Täler

Das „Riesengebirg'lers Heimatlied" feiert in diesem Jahr seinen 90. Geburtstag


Dem Lied, dem Texter Othmar Fiebiger und dem Vertoner Vinzenz Hampel gelten meine Zeilen.


Im Jahre 2004 sind es 90 Jahre her, als der junge Lehrer Othmar Fiebiger an einem herbstlichen Tag wieder einmal ins schöne Riesengebirge flüchtete, um den Schreckensnachrichten des 1. Weltkrieges zu entfliehen. Fiebiger (21. 04.1886 bis 23.02.1972) war seinerzeit als Dorfschullehrer an der Waldschule im böhmischen Anseith tätig. Man schrieb das Jahr 1914, als der junge Lehrer seine Gebirgswanderung startete und zur Rast die Peterbaude aufsuchte. „Soweit ich mich entsinnen kann", sagte Othmar Fiebiger in einem Interview mit Gerhardt Seiffert vom Riesengebirgsboten, „entstand das Riesengebirgslied so: Fröhlich saß ich neben einer Wandergesellschaft in der Glasveranda der Peterbaude. Nach dem Mittagessen sah eine Dame der Wandergruppe das Wanderbuch in einer Ecke der Peterbaude liegen. Einschreiben ... hieß es wie im Chor. Ich rief dazwischen: „Aber jeder nur etwas Originelles!" Mit den Worten:
„Also fangen sie an!" schob man mir das Wanderbuch zu. Schweigend und sinnend guckte ich durch die Scheiben der Glasveranda hinab ins Tal und schrieb ganz einfach in der Mundart des Anseither Tales das auf, was ich sah:


„Bloe Barche, grüne Täla, mitta dren a
Heisla klen, herrlich is dos Stöckla Erde,
on ich bin ju darf dohem. 
0, mei1 liewesRiesageberche!" 


Sonst nichts. In meinem Gedächtnis klang und klangen die Zeilen weiter und gingen nicht aus
den Ohren. Auf einer versteckten Bank am Turnplatz der Anseither Waldschule wurden
aus den wenigen Zeilen in kurzer Zeit das Heimatlied mit folgendem Urtext: 


Bloe Barche, grüne Täla,
metta dren a Heisla klen,
herrlich is dos Steckla Erde
on ich bin ju dart dohem.
Ols ich einst ei's Lond gezocha,
ho'n die Barch mir nochgesahn,
mit dar Kendhet, mit dar Jugend,
wosste nee, wie mir geschahn:
0 mei' liewes Riesageberche,
wu die Elbe su hemlich rennt,
wu dar Rüwazohl mit sen'Zwercha
heit noch Saga on Märlan spennt:
Riesageberche, Riesageberche
meine lewe Hemert du!
Is mir gutt on schlecht gegonga, ho'-
gesonga on gelocht;
doch ei' moncha bonga Stunda
hot mei Herz gonz stell gepocht.
On mich zuchs noch Johr on Stunde
wiedo hem ei's Elternhaus,
hielt's nee mehr vür lauto Sehnsucht
bei dan fremda Leita aus:
O mei' liewes Riesageberche ... usw.
On kemmt's emol zom Begrowa,
mücht ihr eiern Wella tun:
ock dos Ene, jo dos Ene:
Loßt mich ei'do Hemert ruhn.
Wird der Herrgott dann druf frocha
uwa noch'm Hemertschein,
zieh' ich doitsch on stolz on fredich
flugs ei's Himmelreich dann nei':
Bin aus'm Newa Riesageberche ....
usw.


Diese Dialektdichtung wurde im Juni 1914 in der Festschrift des Trautenauer Gesangvereines „Harmonie" erstmals gedruckt. Im Spätherbst des Jahres 1914 vertontem Vinzenz Hampel (29. 01.1880 bis 27.06.1955), Angehöriger der Hohenelber Liedertafel das Dialektgedicht für seine eigene Stimme. Hampel war in dieser Zeit Fürsorge-Erzieher in Hohenelbe. Als er das Lied zum ersten Mal seinen Freunden von der Liedertafel vorsang, war der Erfolg überwältigend. Dazu notierte sich Vinzenz Hampel in seinen persönlichen Aufzeichnungen:
„In den folgenden Proben musste ich immer wieder das Lied singen. Es dauerte nicht lange, da sollte das Lied mehrstimmig gesungen werden. Ich schrieb es für Männerchor mit Baritonsolo und so wurde es Mitte März 1915 im Schützenhaus in Hohenelbe erstmals aufgeführt". Weiter führte der junge Lehrer selbst aus, dass er mit den ruhig angehenden Achtelnoten den bedächtigen Riesengebirgler nachahmen wollte und führte die Melodie im gleichen Rhythmus weiter, um mit dem Refrain die tiefe Heimatliebe zum Ausdruck zu bringen. In Hohenelbe und Umgebung war das Lied schnell zu einer Volksweise geworden, lange bevor es den Einzug in deutsche Liederbücher hielt. Eine Klavierausgabe des Riesengebirgsliedes wurde seinerzeit von einem Musikverlag abgelehnt, so das Vinzenz Hampel im Selbstverlag eine Liedkarte und eine Ausgabe für Gesang und Klavier herausgab und konnte beobachten, wie eine Stadt nach der anderen von dem Lied erobert wurde. Wie schnell es in die Herzen der Menschen aus dem Riesengebirge drang, mag darin bewiesen sein, das bereits während des 1. Weltkrieges das Riesengebirgslied mit solcher Popularität bedacht war, dass diese Zeilen auf ausdrücklichem Wunsch des verstorbenen Riesengebirgsbaudenbesitzers Endler an seinem offenem Grab gesungen wurde. Der Text in der heimischen Mundart war schnell in aller Munde, so dass das Lied bei fast allen Gebirgsfestlichkeiten angestimmt wurde.
Nur dem Schöpfer Othmar Fiebiger war es entgangen, wie beliebt seine Dichtung inzwischen geworden war. Wie anders ist es sonst zu erklären, das er eines Tages verdutzt seinen Schreckensteiner Freund fragte, woher das schöne Lied denn stamme, welches er gerade von einem Lautenspieler zu Beginn einer Festveranstaltung gesungen hörte. Unter dem einsetzenden Spott musste er eingestehen, dass es seine Zeilen waren, die er einst ins Hüttenbuch der Peterbaude geschrieben hatte. Damit nun dieses schöne Werk nicht nur die Einheimischen singen sollten, hat Othmar Fiebiger seine Dialektdichtung ins Hochdeutsche übertragen und wenige Jahre später, es war im Jahre 1920, fand das inzwischen zum Volkslied avancierte Heimatlied der Riesengebirgler seinen Einzug ins Liederbuch des Deutschen Sängerbundes. Auch außerhalb des schönsten deutschen Mittelgebirges setzte sich das Lied in der Bevölkerung durch, was zahlreiche Auszeichnungen im In- und Ausland beweisen. So ist bekannt geworden, dass Anfang der Dreißiger Jahre das Lied bei einem Sängerwettstreit in Brasilien den 1. Preis errungen habe. Ob der gute Othmar Fiebiger geahnt hatte, was ihm da seinerzeit in der Peterbaude zugefallen war und nun zu einem unsterblich gewordenen Lied gewandelt hat, ist nicht bekannt geworden.
Mit seinen Zeilen hatte Othmar Fiebiger den Kern der Herzen seiner Schlesier und Sudetendeutschen getroffen, doch sollte sich später dieser Erfolg negativ für den Dichter erweisen. An dem Urtext des Liedes wurde in der Folgezeit nur wenig verändert. Statt der Wiederholung des Wortes Riesengebirge im Refrain wurde u.a. auch „Märchengebirge", „schönes Gebirge" oder „deutsches Gebirge" gesungen. Da Letzteres in die Druckfassung genommen war, verboten es die Tschechen für jede öffentliche Aufführung nach 1945.
Fiebiger ist am 21. April 1886 in Attenbruch im Riesengebirge geboren und wurde nach einer frohen Jugend in der schönen Landschaft des Riesengebirges nach seinem Studium Lehrer im sudetendeutschen Anseith. Wie alle Deutschen musste auch er seine geliebte Riesengebirgsheimat verlassen. Zunächst verjagten ihn 1945 die Tschechen von der böhmischen Seite des Gebirges. Nachdem er 1946 auch von den Polen abgeschoben wurde, begann er in einem kleinen Ort bei Erfurt mit einem Neuaufbau seiner beruflichen Laufbahn. In der späteren DDR erhoffte er sich die Ruhe für seine weitere Schaffenskraft. Der Schein aber trog. Diese Seite Deutschlands! verbrüderte sich mit der Tschechoslowakei und Polen und es dauerte nicht lange, da hatte man den Schöpfer des Riesengebirglers Heimatlied, (Schlesische Nachrichten 12/2004 KULTUR / HISTORISCHES 13) welches in den Herzen der Vertriebenen zu keiner Zeit verstummt war, erkannt. Die neuen Machthaber in der DDR nahmen Anstoß daran, das Fiebiger von einem „deutschen Gebirge" sprach, wo es nach dem neuen Sprachgebrauch der DDR, der Polen und der Tschechen in dieser Landschaft kein deutsches Land gegeben hat. 
Einmal entdeckt, wurde die Volkspolizei beim Dichter ein ständiger ungebetener Gast. Eine Haussuchung löste die andere ab und alles Liedgut, Noten und weitere Texte beschlagnahmten die neuen Machthaber im mitteldeutschen Raum. Das Riesengebirgslied wurde auch in der DDR offiziell verboten, wie auch jeder Heimatgedanke an die deutschen Ostgebiete den Vertriebenen untersagt wurde. Da die Machthaber in dem Teil Deutschlands den Dichter nicht zur Ruhe kommen ließen, entschloss er sich, einen weiteren Wohnungswechsel zu vollziehen. Sein Weg führte ihn in die Bundesrepublik und Othmar Fiebiger fand in Bensheim an der Bergstraße eine neue Bleibe. Voller Freude verfasste er in der Bundesrepublik neue Gedichte und schuf Sinnsprüche. Seinem inzwischen vierstrophigen Riesengebirgslied fügte er eine neue Strophe, den 5. Vers, hinzu:


Und kehr'n wir, will's Gott, nach Jahren
wieder heim in unser Land,
wo des Berggeist's Quellen rauschen
und wo unsere Wiege stand;
dann ans Werk, räumt Schutt und
Asche,
lasst uns Feld und Häuser bau'n
und mit Tränen in den Augen
lächelnd auf zum Himmel schaun:
0, mein liebes Riesengebirge,
wo die Elbe so heimlich rinnt,
wo der Rübezahl mit seinen Zwergen
heut' noch Sagen und Märchen spinnt.
Riesengebirge, deutsches Gebirge,
meine liebe Heimat du!


Dieser Wunschtraum wurde Othmar Fiebiger nicht erfüllt. Er starb im Jahre 1972 in Bensheim und mit den Klängen seines Liedes wurde er in die ewige Ruhe gebettet.
F.- W. Preuß
   http://www.oberschlesien-aktuell.de/presse/presse/schlesien/040615.pdf              


http://www.hohenelbe.de/riesengebirge.htm 

Adlergebirge

Mei Staadtla

Tief eim Toale, zwescha Barcha,
leit mei liewe , schiene Häämt,
Griene Wiesa, griene Felder,
vo grien Pescha eigesäämt.

 Dich mei Staadtla lieb ich ennich,
weil mei Harze schleet noch worm,
on ich tu dich nee vergassa,
dich mei Staadtla, klään on orm.

On die Bächlan, klor on helle
Sprenga flink der Odler zu,
on die Veechalan tun senga:
Häämt mei Häämt, wie schien best du!

Ei der Fremde doocht ich ofte:
Och, wie schien ies’s ieweroal!
Doch om schinnsta ies derhääme
Ei mem griena Odlertoal.

Wenn der schiene Traam zu Ende
Groabt mich ock derhääme ei,
bei menn Borcha, bei memm Staadtla
Will ich ei a Himmel nei.

Dich mei Staadtla liebt ich ennich,
weil mei Harze schluch noch woarm.
Tu a du mich nee vergassa,
du mei Staadtla kleen on orm

Wort und Weise von Oberlehrer Julius Pausewang (1859 – 1938) aus Wichstadtl i.A

 

Skall, Adolf

http://rg-inhalte.riesengebirgler.de/rubz-jahrb/rbj_51.htm

Adolf Skall

Allerseelentag Heimatvertriebener (Gottesäcker)

26

 

Dezember (Kalender), Bauernregeln und Lostage, Gedenktage, Gedenktage der Heimat.

27

 

Klein-Aupa: Pfarrkirche mit Weihnachtskrippe (Bild)

http://rg-inhalte.riesengebirgler.de/ARH/arh_49.htm

19

Adolf Skall

Der Sudetendeutschen Klage und Gebet (Gedicht)

 

 

 

 

21 Adolf Skall       Lied heimatvertriebener Riesengebirgler (gekürzt, aus "ARH"  17, 1954

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http://www.riesengebirgler.de/gebirge/Kunst/Riesengebirgslied.htm

Quelle: "Riesengebirgsheimat" Jahrgang 1950 und "HohenelberHeimatbüchlein"

Die Geschichte des Liedes vom Riesengebirge

Von Vinzenz Hampel

Eine schlichte Weise, die in guten und schlimmsten Zeiten die Sudetendeutschen und Schlesier wie ein treuer Freund begleitet, ist des Riesengebirglers Heimatlied. Zwei Lehrer, beide Söhne der schönen Gebirgsheimat, haben das Lied in den Jahren 1914 und 1915 geschaffen: Othmar Fiebiger schrieb die Worte, der Verfasser dieses Berichtes die Weise.

Fiebiger erzählte gerne, wie er auf einer Kammwanderung in der gemütlichen Peterbaude eingekehrt war, wo – wie immer – die Zither klang und die Gäste manches Lied mitsangen, aber keines vom Riesengebirge dabei war. Er schlich hinaus in die Bergeinsamkeit und schrieb im Anblick der wunderbaren Bergwelt:

Bloe Barche, grüne Täler,
mitta drin a Heisla kleen;
herrlich is dos Stückla Erde,
und ich bin ja dort drheem

Und noch am selben Abend las er seinen Freunden in der Baude vor:

O mein liebes Riesageberche,
wu die Elbe so heimlich rinnt,
wu der Rübezohl mit seinen Zwergen
heut´ noch Sagen und Märchen spinnt.
Riesageberche, Riesageberche,
meine liebe Heimat du!

Die Dialektdichtung wurde im Jahre 1914 in der Festschrift des Trautenauer Gesangvereines "Harmonie" anlässlich seines achtzigjährigen Bestandes erstmalig abgedruckt.

Im Frühling 1914 übernahm ich eine neue erzieherische Aufgabe in dem aufstrebenden Bergstädtchen Hohenelbe und trat dort in kunstfreundliche Kreise ein. Ich erlebte damals eine Blütezeit der Liebhaberbühne unter der Leitung des begabten Willy Jerie und sah in würdigen Aufführungen Goethes Faust, Schillers Teil, Kleists Hermannschlacht, Hebbels Nibelungen, Gerhart Hauptmanns Versunkene Glocke und den Fuhrmann Hentschel. Für die Hauptrolle wurden öfters erstklassige Schauspieler aus Wien und Dresden gewonnen. – Die "Liedertafel" stand unter den strebsamen Obmännern Fritz Plech und später Dr. Hubert Schrimpl über dem Niveau der Gesangvereine. Erstklassige Künstler wurden zur Mitwirkung bei den Konzerten eingeladen. Auch im Vereine selbst gab es gute Kräfte. Der lyrische Tenor Hans Göllner sang gern ernste Lieder. Der Chordirektor Rudolf Rösler, dem stets die Augen feucht wurden, wenn er von Mozart und seiner Kunst sprach oder reden hörte, phantasierte öfters am Flügel. Dr. Roedl huldigte der heiteren Muse; Sang und Begleitung waren bei ihm aus einem Guss und wirkten prächtig. Das Soloquartett des Vereines (Göllner, Müller, Zinecker und Arloth) wurde auch auswärts gerne gehört. In diese Kreise trat ich mitwirkend ein.

Der erste Weltkrieg brach aus. Die Reihen der Sänger lichteten sich. Um den restlichen Chor beisammen zuhalten, sorgte man für eine gemütliche Nachprobe. Für diesen kleinen Kreis vertonte ich Fiebigers Dichtung vom Riesengebirge. Ich hatte das Lied für mich, für meine Singstimme, geschrieben und dachte nicht daran, dass es einmal in die Welt ziehen könnte. Die Dialektform ist mir heute nicht mehr geläufig, ich gebe das Lied in der Schriftsprache wieder.

In ruhig gehenden Achtelnoten ahmte ich den stets bedächtigen Riesengebirgler nach und führte die Melodie im gleichen Rhythmus aufwärts.

Im Refrain versuchte ich den Inhalt der Verse auch in den Tönen anzudeuten, soweit dies in der liedmäßigen Stimmführung möglich war. Wie die Bergwellen steigt die Melodie an (1., 3. und 5. Verszeile), die Elbe zieht talwärts, deshalb fällt auch die Melodie der 2. Zeile, die Sagen und Märchen überspannen gleichsam das Gebirge, die 4. Zeile steigt im auffallenden Bogen empor, der Schluss ist der Ausdruck tiefer Heimatliebe. Als ich das Lied das erstemal den Freunden vorsang, war der Erfolg unerwartet günstig. Einige Urlauber, die damals zufällig anwesend waren, gestanden mir ihre tiefe Rührung ein. In den folgenden Nachproben musste ich immer wieder das Lied singen. Bald verlangten die Sänger, das Lied vierstimmig zu singen. Ich schrieb es für Männerchor mit Baritonsolo, und so wurde es Mitte März 1915 erstmalig öffentlich aufgeführt. Von dieser Zeit an zog das Lied weitere Kreise über Hohenelbe hinaus.

Auf dem Gebirge sang ich das Lied erstmalig in der Wosseckerbaude am Westhange des Reifträgers. Mit den Wirtsleuten Endler war ich befreundet. Der Wirt war von der Weise gerührt; ich musste sie ihm zum Abschied noch einmal vorsingen. Dann begleitete er mich ein Stückchen auf dem Wege zur Elbequelle, blieb einmal stehen und zeigte auf den felsigen Gipfel des Reifträgers mit den Worten: "Dort oben müsste eine Baude stehen!" Der erste Weltkrieg ging verloren, Österreich zerfiel in einzelne Nationalstaaten. Endler wurde aus der Wosseckerbaude verdrängt, und bald darnach begann er auf dem Gipfel mit Hilfe deutschböhmischer Freunde die Baude zu bauen; es wurde eine der schönsten Bauden im Gebirge. Er genoss sie nicht lange. Ein Sprichwort sagt: Ist das Haus fertig, dann kommt der Tod. Endler war ein stiller, in sich gekehrter Mann. In einem Anfalle von Schwermut beschloss er sein Leben. Sein letzter Wunsch, am Grabe das Heimatlied zu singen, wurde ihm erfüllt.

In Hohenelbe und Umgebung war das Lied zu einer Volksweise geworden, lange bevor es gedruckt wurde. Um das Jahr 1920 erschien das Lied in Liederbüchern. Daraufhin wurde die Klavierausgabe einem Musikverlag angeboten, der es mit der Begründung ablehnte, dass ein Heimatlied nur einen kleinen Abnehmerkreis habe. Da gab ich im Selbstverlag eine Liedkarte und die Ausgabe für Gesang und Klavier heraus. Ich konnte beobachten, wie in Nordböhmen eine Stadt nach der andern von dem Lied erobert wurde und wie es auch über die Berge hinüber nach Schlesien drang.

Schöne Erinnerungen knüpfen sich an jene Zeiten. Die Kinder sangen die Weise im Freien. Ein Bauer fuhr auf dem Feld und pfiff das Lied vor sich hin. Als ich durch die Felsenstadt Wekelsdorf wanderte, klang das Lied aus einer Flachsbreche, Mädchen sangen es bei der Arbeit. Nach Beendigung des Gesanges sagte ich zu den Mädchen, dass ich das Lied vor einigen Jahren komponiert habe. Man sah sich erstaunt an und lachte dann spöttisch: "Ja, das könnte jeder sagen!" Mir wurde an jenem Tage bewusst, dass ich mit dem Liede den schlichten Menschen eine kleine Freude in das Leben gebracht hatte. Bald darauf erschien das Lied auf Schallplatten. Der Dirigent Dobrindt nahm es in die Rundfunkprogramme der "Schönen Weisen" auf. Der Dichter Hans Christoph Kaergel führte das Lied in die literarischen Werke ein. Aus dem Heimaterfolge wurde ein deutscher. Zu Anfang der dreißiger Jahre bekam ich aus Brasilien die Nachricht, dass das Lied als Männerchor bei einem Wettsingen den ersten Preis errungen habe. Der Mitteilung lag eine Spende für die von mir geleitete Anstalt bei.

Das Volk sang sich die Weise zurecht, und beim Anhören der rhythmischen oder melodischen Veränderungen staunte ich, wie folgerichtig sich die Schöpferkraft des Volkes auswirkte. Auf diese Art sind wohl in alten Zeiten unsere Volkslieder zugeschliffen worden. Als Beispiel bei meinem Liede führe ich eine Veränderung der Melodie im dritten Takte an, die ich einem Freunde abgelauscht und in die nächstfolgenden Auflagen aufgenommen habe. Bei dem Heimatliede zeigten sich auch mancherlei Auswüchse: es wurde als Walzer getanzt, ein Kapellmeister machte einen Marsch daraus; aber das Lied war nicht umzubringen.

An dem Texte wurde wenig geändert, man hat lediglich statt der Wiederholung des Wortes Riesengebirge in der vorletzten Zeile des Refrains "schönes Gebirge", "Märchengebirge" oder "deutsches Gebirge" gesungen. Die letzte Fassung wurde gedruckt. Die Tschechen nahmen daran Anstoß und verboten die öffentliche Aufführung des Liedes. Das Volk aber sang das Lied um so lieber. Es verband die Menschen innig mit dem Boden und schlug auch eine Brücke zu den stammverwandten Schlesiern jenseits der Berge.

Nach dem Umbruch im Jahre 1938 klang das Lied öfters im Rundfunk. Bald aber merkte man, dass es an höheren Stellen zurückgesetzt wurde, und begründete es damit, dass die Weise slawischen Charakter habe. Man nahm Anstoß an dem Rübezahlbilde des Hohenelber Malers Fritz Hartmann, das alle Ausgaben schmückte, es entspräche nicht dem Bilde des Berggeistes, das im Volke lebe. Der Verlag Ehrler & Co., der das Lied 1938 übernommen hatte, musste alle Liedkarten einstampfen und die Druckplatten der Polizei übergeben. Auf die Verbreitung des Liedes hatte diese Maßnahme keinen Einfluss, das bewiesen die Wunschkonzerte im Winter 1941/42, in denen das Lied weit über zweihunderttausend Mark einbrachte.

Das Schlimmste, was den heimattreuen Menschen treffen kann, ist die Vertreibung von der Scholle. Das Lied zog mit Millionen Menschen in die Fremde. Und wo auch die Riesengebirgler zusammenkommen, da erklingt ihr Lied in alter Wärme und belebt die Herzen. Nun singt man auch zwei neue Strophen von einem unbekannten Dichter:

Für uns schlug die bitt´re Stunde,
aus dem Tal sind wir verbannt,
das von allen uns´ren Ahnen
heil´ge Heimat wird genannt.
Wieder blühen Anemonen,
Habmichlieb und Enzian,
doch es freut kein deutsches Auge
in der Heimat sich daran.
Leb wohl, mein liebes ...

 

Betend rufen wir zum Himmel:
Vater, höre unser Flehn,
lass nach dieser Zeit der Prüfung
uns die Heimat wiedersehn!
Und der Herrgott wird es geben,
dass der rohe Hass vergeht,
dass die schwarzrotgoldne Fahne
wieder auf der Koppe weht.
Oh, mein liebes ...

Der Wert des Liedes liegt doch nur darin, dass es die heimattreuen Menschen angenommen und sich zu eigen gemacht haben und es zu allen Zeiten hochhalten.

Ist die Geschichte des Heimatliedes zu Ende?

Nein, die Zeit schreibt sie weiter!


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