"Wenn eine fremde Macht ein
Volk ermahnt,
die eigene Nationalität zu vergessen,
so ist das kein Ausfluß von Internationalismus,
sondern dient nur dem Zweck, die Fremdherrschaft zu verewigen."
Friedrich Engels (1820-1895)
Die drei Hauptstrategien, um ein Thema zu vernebeln, sind das Einführen von Belanglosigkeiten, das Erzeugen von Vorurteilen und das Lächerlichmachen ... " Bergen Evans
Josef Thiel aus Grüben, Kreis Falkenberg:
„Ich war Totengräber im Lager Lamsdorf.“
Am 25. August 1945 wurde ich von polnischer Miliz in meinem Heimatdorfe, wo
ich mich bei meinen Eltern befand, verhaftet, zugleich mit Josef 1)., Josef
M., Franz Sch. Mit einem Wagen wurden wir nach Falkenberg zur Kreismiliz
transportiert. Wir wurden in das oberste Stockwerk geführt. Ich mußte als
erster in ein Zimmer zur Aufnahme. Es lag nach der Hofseite. Die Fenster
wurden dicht gemacht. Man fragte mich nach meinen Personalien. Vor meiner
Soldatenzeit war ich in der HJ. Dieses war Grund genug, in das Lager zu
kommen. Anders war es bei meinen Kameraden. Sie gehörten keiner
nationalsozialistischen Organisation an. Bei ihnen mußte erst ein Grund
gefunden werden. Dies geschah unter Prügeln. M. wurde bis zur Bewußtlosigkeit
geschlagen.(...)
Nach 14 Tagen Kerkerhaft mußte ich mit vier Kameraden zur Vernehmung. Zwei
kamen gleich an die Reihe. Ich und zwei andere mußten im Vorzimmer warten, das
Gesicht gegen die Wand gerichtet, in strammer Haltung. Hinter uns saß ein
Posten mit Gewehr. Die geringste Bewegung, und wir hatten den Gewehrkolben
oder Stiefel im Kreuz sitzen. Aus dem Vernehmungszimmer hörten wir öfters
dumpfe Schläge und Schreie. Endlich wurden wir in den Keller zurückgebracht.
Am Nachmittag mußten die beiden morgens Vernommenen noch einmal nach oben. Wir
anderen drei durften im Keller bleiben. In den Nachmittagsstunden kamen elf
neue Männer in den Keller. Sie waren aus dem Arbeitskommando der Russen
entlassen worden. Der Pole hatte sie von der Straße aufgegriffen und
interniert. Ähnliche Fälle wiederholten sich fast täglich.
Ich wurde am selben Tage noch zur Vernehmung geholt. Als ich verlauten ließ,
daß ich in der Hitlerjugend und der Arbeitsfront war, bekam ich Faustschläge,
desgleichen, als ich sagte, daß ich in Rußland gekämpft und dort den Arm
verloren hätte.
Am übelsten waren meist die dran, die in keiner Nazi-Organisation gewesen
waren. Sie wurden so schwer und so lange geschlagen, bis sie sich aus Angst zu
einer Organisation bekannten.
Ich war drei Wochen in jenem Keller. In dieser Zeit ist mir nicht einmal zum
Waschen Gelegenheit gegeben worden. Unsere Bedürfnisse mußten wir in einen
Eimer verrichten, der im selben Raume stand, in dem wir hausten. Den Eimer
mußte einer von uns einmal am Tage unter Aufsicht eines Milizmannes zum
Entleeren heraustragen, dabei gab es jedesmal Kolbenschläge. Wir bekamen alle
Läuse, die uns quälten, ebenso quälte uns die dumpfe Luft in dem finsteren Keller.
(...)
Der Appell wurde genau wie am Abend gehalten. Am Ende wurden die
Arbeitskommandos eingeteilt. Die nicht Benötigten und wir Neulinge mußten
weiter exerzieren. Die Kommandos wurden nur in polnischer Sprache gegeben.
Beim Abzählen sagten sie uns das erste mal die Zahl auf Polnisch, beim zweiten
und jedem weiteren Mal wurden die Männer, die die Zahl nicht mehr wußten,
schonungslos zusammengehauen. Drei Männer von meinem Transport verloren an
diesem Morgen das Leben. Mir wurden anschließend sechs Mann zugeteilt, mit
diesen mußte ich die Toten begraben. Nach dem Erschlagen waren sie von Männern
hinter die Frauenbaracke geschleift worden und lagen nun im Grase, wo ich sie
zuerst gar nicht finden konnte. Ich erkundigte mich bei den Frauen. Diese
wollten mir zuerst keine Auskunft geben; denn sie waren eingeschüchtert, weil
sie in ähnlichen Fällen schon sehr trübe Erfahrungen gemacht hatten.
Schließlich zeigten sie mir die Stelle.
Dem ersten Toten hatten die Posten den Schädel eingeschlagen, so daß der
Unterkiefer nur noch vom Kopf übrig blieb. Das Gehirn und Knochen lagen herum.
Den zweiten hatten sie zertreten und die Kleider angezündet, so daß es nur
wenige Überreste davon zu sehen waren. Der Körper selbst war stark angekohlt.
Den dritten hatten sie auch zertreten. Während des Grabmachens kamen mehrere
Posten zu uns heran. Bei dem ersten mußte sich G. aus Hilgersdorf auf den
Bauch legen. Er bekam 25 Schläge mit dem Gewehrkolben. Nach einer Weile kamen
drei andere. Jetzt mußten sich alle sechs nacheinander hinlegen und bekamen
auch Schläge mit dem Gewehrkolben.
Willy B. aus Niederschlesien trug eine außergewöhnliche starke Brille. Als
Brillenträger mußte er sich anschließend auf den Rücken legen und die Hände
auseinander machen. Ein Milizmann sprang auf seinen Brustkorb und trampelte
darauf herum. Ab und zu, wenn er wieder einen Schmerzensschrei ausstieß, trat
er ihm auf den Kehlkopf. Ein anderer Posten stieß ihm anschließend das
Seitengewehr zwischen die Rippen. B. bat darauf die Posten, ihn zu erschießen.
Es wurde ihm hohnlachend geantwortet, er müsse langsam verrecken. B. wagte
nicht, sich krank zu melden. Er suchte in der Nacht den freiwilligen Tod durch
Erhängen mit den Hosenträgern.
Ab März 1946 gab es bei einer Lagerstärke von 500 Personen einen Zentner
Kartoffeln, zwei bis drei Pfund Mehl und 150 Gramm Brot pro Tag.
An den Festtagen wie Weihnachten, Neujahr, Ostern gab es für alle nichts zu
essen.
Auf jedem Internierten hat neben der täglichen Todesbedrohung das Bewußtsein
schwer gelastet, verhungern zu müssen. Ohne Hilfe von außen wäre das in fünf
Wochen geschehen. Verwandte und Bekannte, ja sehr viele Bewohner der
umliegenden Ortschaften haben täglich Essen von weit hergebracht. Meine Mutter
und Schwester brachten meinem Vater und mir fast täglich solches vom neun
Kilometer entfernten Grüben. Manche kamen 20 Kilometer weit. Leider hatten
viele keine Bekannten in der Nähe.
Die Leute mußten das Essen bei der Wache abgeben. Hier wurde es von den Posten
durchsucht. Wenn ihnen etwas gefiel, nahmen sie es an sich, z.B. Kuchen oder
Eier. Der Tabak wurde größtenteils immer weggenommen, wenn er auf ehrlichem
Wege abgegeben wurde. Das Essen wurde von den Knaben des Lagers beim Posten
abgeholt und zu den Leuten getragen.
Kinder sind oft vor Körperschwäche hingefallen. Waisenkinder sahen am
schlechtesten aus. Viele Kinder sind in kurzer Zeit gestorben. Bis 700 Kinder
können insgesamt im Lager gewesen sein, vom 25. Juli 1945 bis Juni 1946.
Höchstens 300 sind lebend herausgekommen. Im März 1946 waren 84 Waisenkinder
im Lager. Ihre Angehörigen waren im Lager umgekommen. Diese 84 kamen im Mai
1946 unheimlich verwahrlost heraus. Wenn von Kindern die Rede ist, handelt es
sich immer um Kinder unter zehn Jahren. Altere mußten wie die Großen arbeiten.
Bei einem Gang durch das Lager am dritten Tage meines Aufenthaltes, am 17.
September 1945, begegneten mir vier Posten, darunter war der Zugführer Ignatz,
wegen seiner besonderen Mordlust „Mörderling" genannt. Auf seine Frage: Weißt
Du, wie ich heiße?" sagte ich: Nein, Herr Kommandant." Er schlug mir mit dem
Säbel über den Kopf, die anderen drei gaben mir Faustschläge. Darauf sagte mir
der Zugführer, er sei der Panje Ignaz. Mühsam habe ich mich davongeschlichen.
Bald verlor ich die Besinnung. Als ich wieder zu mir kam, hatte ich heftige
Kopfschmerzen und geronnenes Blut im Gesicht. Ich ging zu meinen Leuten in die
Baracke. Diese sagten mir, ich sei fast zwei Stunden weg gewesen.
Ab 20. September 1945 bis Mitte November 1945 habe ich die Toten beerdigen
müssen. Es waren täglich fünf bis neun Tote.
Bis zu meiner Zeit wurden die Toten in Splittergräben verscharrt. Da kamen
drei bis fünf Tote übereinander. Der Graben wurde der Erde gleichgemacht.
Dieser senkte sich aber mit der Zeit, da wurde immer wieder Boden drauf
gegeben. Hügel oder Blumen durften nicht draufgegeben werden. Als Frau D. aus
Bielitz die Stelle ihres beim Appell erschlagenen Mannes, Albert D., mit einer
Blume gezeichnet hatte, wurde sie ungeheuer geschlagen. Bei dem oben genannten
Appell sind zu gleicher Zeit 1). und Josef D. aus Bielitz von einem Posten
erschlagen worden. Alle drei waren alt und konnten die Bewegung nicht mehr
exakt mitmachen.
Als ich das Totenbegraben bekam, waren die Splittergräben innerhalb des Lagers
zu Ende. Es wurde ein neuer Friedhof angelegt. In Reihengräbern kamen die
Toten nebeneinander. In der Reihe waren 170 Tote. Ein Hügel wurde im ganzen
gemacht. Ein Verzeichnis, wie die Toten zu liegen kamen, durfte nicht
angefertigt werden. Auf diesem Friedhof wurde bis Ende 1945 beerdigt. Dann
wurde außerhalb ein neuer Friedhof angelegt. Dort wurde es auch so gemacht.
Der bis März 1946 benutzte Friedhof ist eingeebnet, mit Kompost befahren und
mit Gras besät. Von Eröffnung des Lagers am 25. Juli 1945 bis 6. Oktober 1945
- Absetzung des berühmten Kommandanten Gimborski Gemborski,
Czes³aw Gêborski)--- sind 90 Prozent aller
Toten erschlagen, selten erschossen worden.
Während des Winters 1945 bis April 1946 wütete der Typhus im Lager. In dieser
Zeit starben die Menschen wie die Fliegen. Medikamente, entsprechende
Nahrungsmittel wurden nicht herbeigeschafft. Bei dem engen Zusammenwohnen und
der Unmöglichkeit, sich sauber zu halten, mußte die Krankheit ungeheuer
grassieren. Die Höchstzahl der Toten betrug bei einer Lagerstärke von 1.100
Menschen an einem Tage 22 Personen. Ich habe Kranke gesehen, denen die Läuse
die Haut durchgefressen hatten, so daß die Brustkorbknochen frei zu sehen
waren. Auf manchen saßen die Läuse millimeterdick.
Am 4. Oktober 1945 war ein Barackenbrand im Lager. Wir hatten früh morgens
neun Tote begraben. Kaum hatten wir unsere Baracke betreten, da fielen mehrere
Schüsse. Zu meinem Schrecken sah ich schwarzen Rauch im Lager aufsteigen. Es
wurde gleich Alarm gegeben. Alle mußten zum Brand. Ich verstand es, mit meinen
Leuten in der Baracke zu bleiben. Bei der Suche nach meinem Vater wurde mir
gesagt, er sei beim Brand. Ich ging gleich darauf mit den restlichen Männern
zur Feuerstelle. Wir waren kaum auf die Straße getreten, begegnete uns der
Mörderling Ignaz. Er ließ uns halten, griff sich Emanuel M. aus Grüben heraus
und legte dreimal mit der MP auf ihn an. Aber es war jedes mal ein Versager.
Ignaz steckte die Patrone wieder ins Magazin und ließ uns weitergehen. Wir
waren kaum 20 Schritte gegangen, ließ er uns wieder halten. Als er herankam,
fragte er jeden nach der Parteizugehörigkeit. W. aus Karbischau meldete sich
als einziger. Er mußte an den Straßenrand treten. Es krachten zwei Schüsse,
und W. brach sterbend zusammen.
Als wir auf den Brandplatz kamen, lagen bereits mehrere Tote um die brennende
Baracke. Ich mußte die Toten wegschaffen lassen. Es herrschte ein wüster Lärm.
Die Menschen, auch Frauen, wurden gehetzt und gejagt, zu Boden geschlagen und
erschossen. Wasser zum Löschen war nicht vorhanden, Handwerkszeug nicht
ausreichend. Ein Teil der Männer mußte Sand auf die Dächer der nebenstehenden
Baracken tragen, damit die Teerpappe nicht Feuer fing. Die restlichen Männer
und Frauen mußten den Brand bekämpfen. Den Boden mußten sie mit Händen in
Eimer kratzen. Die Frauen hatten zum großen Teil nur Schürzen, in die sie den
Sand scharren mußten. Dann mußten sie den Sand in die Flammen schütten. Jeder,
der nicht nahe genug an das Feuer ging, wurde in die Flammen gestoßen. Viele
fielen dabei in den Flammen zu Boden. Die Stehenbleibenden wurden erschossen.
Solche Opfer mußten aber gleich von Kameraden herausgeholt werden. Einige von
diesen Opfern lebten noch, als sie aus dem Feuer herauskamen. Wenn sie
Schmerzensschreie ausstießen, wurden sie zu Boden getreten. Wenige trugen das
Los geduldig, bis sie den Geist aufgaben. Ein Langsamgehen gab es nicht; wer
es tat, war ein Opfer der Willkür.
Als die Baracke fast abgebrannt war, mußten die Männer, so weit die Schaufeln
reichten, eine Grube graben. Die restlichen Männer mußten die Toten
heranbringen. Sie benutzten dazu Krankentragen und Decken. Ein solcher Trupp
trug einen 20jährigen Mann. Diese Träger mußten das Lied singen: Ich hatt
einen Kameraden." Dabei wurden sie noch getreten und geschlagen. Der letzte
Tote war der Sanitäter F. aus Jatzdorf, Kreis Falkenberg. Dieser kam aus der
Küche. Er hatte kaum die Straße betreten, da begegneten ihm einige Posten. F.
wurde hinter die Baracke getrieben und erschossen. N. und Sch. aus Grüben
mußten diesen Toten holen. Als sie ihn auf die Krankenbahre legen wollten, kam
ein Posten hinzu; als er das Gehirn des Toten sah, forderte er die beiden
Männer auf, es zu essen. Als sie sich weigerten, bekamen sie Kolbenschläge.
Dieser Brand forderte 40 Tote, 31 Männer und neun Frauen. Alle Frauen hatten
Kinder im Lager. Es waren aber noch viele verletzt worden, z.T. durch
Geschosse. Die Mehrzahl hatte leichtere und schwere Brandwunden. Einige sind
an den Folgen gestorben. Wenn man die Panik beim Brande berücksichtigt, darf
es nicht wundernehmen, wenn einige die Zahl der Todesopfer doppelt so hoch
angeben. Es ist durchaus möglich, daß manche der ins Feuer Gestoßenen darin
liegen geblieben sind, ohne von mir gezählt zu sein. Mein Vater trug eine so
schwere Rauchvergiftung davon, daß er eine Zeit später starb. (...)
Insgesamt waren 14 Dörfer im Lager. Alle Altersstufen waren vertreten, vom
Kind in der Wiege bis zum Greis am Rande des Grabes. Die alten Leute kamen
gleich in das Krankenrevier. Dort wurden sie so kurz mit dem Essen gehalten, daß sie sehr oft nur wenige Tage im Lager lebten. Die Frauen mit den Kindern
kamen für sich auf eine neue Baracke. Die Mädchen kamen ebenfalls allein für
sich. Alles, was auf den Beinen stehen konnte, von zehn Jahren an, wurde zur
Arbeit genommen. Die Frauen hatten oft nicht Zeit, sich selbst sauber zu
halten, geschweige denn die Kinder. Diese sind sehr oft im Schmutz von Läusen
und Wanzen angefressen worden. ...
Die Dörfer, die ins Lager kamen, waren: Bielitz, Neuleipe, Ellguth-Hammer,
Steinaugrund, Lippen, Jatzdorf, Grodlitz, Kleuschnitz, Jakobsdorf, Groß
Mangersdorf, Goldmoor, Hilbersdorf, Arnsdorf und Lamsdorf. Nur einige wenige,
die man auf Gütern zur Arbeit benötigte, waren in den genannten Dörfern bei
der Austreibung zurückgelassen worden.
Wenn einmal eine russische Kommission kam, wurde ihr gesagt, daß alle Männer
PGs (Partei-Genosse), die Frauen und Kinder Angehörige von SA, SS und PGs
(Partei-Genosse) wären. Die
Lagerinsassen wurden niemals von einer solchen befragt. In solchen Stunden
durfte sich kein Kind und keine kranke Person auf der Lagerstraße sehen
lassen. Die Russen meldeten sich übrigens einige Tage vorher an, dann wurde im
Lager alles gereinigt. Straßen und Rasen wurden gefegt. Die Splittergräben, in
die bis September beerdigt wurde, sind wieder nachgefüllt worden, weil sie
sich in kurzer Zeit senkten. Alles, was irgendwie zum Verdacht hätte Anlaß
geben können, wurde möglichst abgeändert. Auch Nahrungsmittel wurden eilig für
solche Fälle herangeschafft. So wurden z.B. die Bewohner des in der Nähe
liegenden Bauschdorf mitten in der Nacht herausgepoltert und zur sofortigen
Herausgabe von Nahrungsmitteln für das Lager angehalten, die schon in
frühester Morgenstunde im Lager abgeliefert werden mußten.
Im Frühjahr 1946 forderten die ins Land gebrachten polnischen Bauern
Arbeitskräfte vom Lager an. Fast täglich gingen Leute zu diesen ab. Mitte Juni
mußten alle zum Lager Gehörenden zurückkommen. Am 19. Juni 1946 wurden
frühmorgens die Familien zum Bahnhof gebracht, um sie ins Reich" zu
transportieren. Beim Zusammenstellen des zweiten Transportes gegen Mittag war
ich dabei. Noch 100 Männer und 20 Frauen wurden im Lager zurückgehalten und
als Zwangs-Arbeiter behandelt.
Auf Veranlassung des 3. Kommandanten, im März 1946, mußte die Zahl der Toten
vom 25. Juli 1945 bis März 1946 durch den Internierten A., früher Großkaufmann
in N., festgestellt werden. Nach Papieren auf der Schreibstube errechnete A.
die Zahl der Toten mit 3.112 Personen. Dazu kommen die vom März 1946 bis
Juni1946 180 Gestorbenen. Beide Zahlen addiert ergibt die Todessumme von 3.292.
Viele wurden aber schon vor der Registrierung erschlagen, die nicht mitgezählt
sind. Sehr viele, die vorher entlassen wurden, starben wegen Erschöpfung und
weil der Körper nicht mehr fähig war, Nahrung zu verarbeiten, bald nach ihrer
Befreiung. So starb die Bielitzer Bauersfrau W. im Januar 1946 in Ritterswalde
bei Verwandten. Es mögen nicht ganz 6.000 Internierte ins Lager gekommen sein.
Sehr schlimm im Lager hat der schon genannte Ignaz gewütet. Er hat beim
Barackenbrand 14 erschossen und sich dessen gerühmt. Am Tage nach dem Brande
hat er einen Internierten aus Schadeberg namens Mücke erschossen, der durch
die furchtbaren Szenen beim Brande einen Nervenschock bekommen hatte. Die
Bitte Mückes, ihn noch einen Tag leben zu lassen, um seine Frau noch einmal zu
sprechen, wurde ihm nicht erfüllt. Am 27. Juli 1945 wurde nachts auf dem
Appellplatz eine Übung gemacht mit 40 Internierten, die man am 25. Juli aus
Falkenberg gebracht hatte. Diese dauerte drei Stunden. Es wurden 25 erschlagen
und zertreten. 15 blieben übrig, die noch durch Knochenbrüche verletzt waren.
Darunter war L. aus Goldmoor mit Armbruch. Von Anfang des Lagers bis September
1945 waren bei jedem Appell 10 bis 15 Tote.
Alle Toten starben ohne geistlichen Beistand. Als Pater D. aus Heiligenkreuz
bei Neiße, Oberschlesien, von April bis Anfang Juni 1946 als Internierter im
Lager war, war es ihm verboten, mit Erwachsenen zu sprechen und Seelsorge
auszuüben.
Vor meiner Zeit als Begräbnismann sind manche Geschlagenen, die nur ohnmächtig
waren, lebendig begraben worden. Wenn sie Boden auf den Leib bekamen, fingen
sie an zu erwachen und zu schreien. Umso schneller mußte dann Erde gegeben
werden.
Es gab auch ein Arrestlokal. Dieses war ein stockfinsteres Kellerverließ mit
einem halben Meter Wasserstand. Darin mußten die Gefangenen oft viele Stunden
stehen, auch Frauen.
Zu den Todesfällen sei noch bemerkt, daß einmal zur Vergeltung 20 Mann
erschossen wurden, weil ein l7jähriger Junge aus dem Lager heimlich ausgerückt
war. Frau Schm. aus Goldmoor wurde erschossen, weil sie kurz vor dem Wecken
auf die Latrine gehen mußte. Der Bielitzer Bauer Josef S. wurde zur Wache
geholt, dort blutig geschlagen und erschossen, weil er auf einem
Arbeitskommando vorbeikommende Russen um ein Stück Brot gebeten hatte.
Ein Milizmann hat sich damit gerühmt: „Ich habe heute den 25. ins Jenseits
befördert."
Lamsdorf war leider nicht das einzige Vernichtungslager der Polen nach ihrem
Einzug in Schlesien. Ich glaube, diesen Bericht den Toten von Lamsdorf
schuldig zu sein, von denen die meisten mit unerschütterlichem Gottvertrauen
ihr schweres Los trugen, ihr Christentum in glänzender Weise bewiesen und
heldenhaft starben.“ (Dok.V./1/2/Nr. 233.)
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Dr. med. Heinz Esser, der ehemalige Lagerarzt von Lamsdorf ( Die Hölle von
„Lamsdorf") kommentiert den Bericht von Josef Thiel:
„Thiel hat nur einen kleinen Teil der wirklichen Vorgänge geschildert.“
1. Thiel hat in schlichter Art nur einen kleinen Teil der wirklichen Vorgänge
aus eigenem Erlebnis ohne Aufforderung geschildert.
2. Die Schilderung entspricht den Tatsachen.
3. Max Hein wurde vor meinen Augen angeschossen, bis ich mich vor ihn stellte.
Nachher wurde er durch Bajonettstiche (7 Stiche in den Brustkorb und in den
Unterleib) erstochen.
4. Langer, Johann, der mit seinem Bart in einen Schraubstock eingeklemmt
wurde, habe ich 2 Stunden später hinter einer Baracke aufgefunden. An der
Leiche stellte ich zahlreiche schwere Mißhandlungs-Verletzungen, Verbrennungen
des Gesichtes und Schädelbrüche fest.
5. Beim Appell gab es täglich bis zu zehn Tote. Entweder waren diesen die
Halsschlagadern eingeschlagen oder zerrissen oder die Eingeweide eingetreten
worden. Oft stellte ich nachher offene Bauchdecken fest, aus denen die
Eingeweide herausragten.
6. Die meisten Todesursachen waren entweder Tod durch Mißhandlungen. infolge
Aushungerung, Erstickung der Lebendbegrabenen oder Erschießungen.
7. Thiel war von den polnischen Partisanen als Totengräber eingesetzt und hat
körperlich und seelisch Unvorstellbares erlebt. Er gehört zu denjenigen
Überlebenden, deren Mißhandlungs-Erlebnisse und Aushungerungsfolgen von
Amtsärzten und Sozialgerichten nicht gewürdigt werden.
8. Aus dem Lager Lamsdorf sind nur wenige mit dem Lehen davongekommen. In
diesem Lager fand ein Massenmord statt, der in der Weltgeschichte hinsichtlich
seiner Brutalität einzig dasteht und so scheußlich war, daß er in der
Phantasie nicht ausgemalt werden kann, weil die Folterungen und Tötungen in
ihrer grausigen Wirklichkeit jede menschliche Vorstellungskraft überschreiten.
9. 19 Jahre danach habe ich pflicht- und verantwortungsbewußt getreu meinem
ärztlichen Eide Gutachten über Lebende dieses Lagers ausgefertigt, die sowohl
dem Richter als auch dem amtlichen ärztlichen Gutachter ein objektives Bild
für die Beurteilung abgeben sollen, welches leider noch vielen unglaublich
vorkommt, da es einmalig ist und sehr oft die Schilderungen deutscher KZ-Lager
hinsichtlich sadistischer Grausamkeit übertrifft.
Die Frage an das Weltgewissen lautet immer noch, wann wird die Bundesregierung
die dokumentarisch erwiesenen und historisch begutachteten Vorgänge für die
Welt veröffentlichen, damit Unrecht gegen Unrecht aufgewogen werden kann?
Erna Kelm, Diakonisse aus Bromberg, berichtet über das Lager Potulice:
„Wie sollen wir nur die Kinder anfassen, sie zerbrechen uns in den Händen."
Ich war von November 1945 bis September 1947 dort und will aus eigener
Erfahrung schildern, wie es dort zugeht. Es gehörten 29.000 Deutsche zu diesem
Lager. Die meisten waren auf Arbeitskommandos außerhalb, 4.000 etwa im Lager.
Beim Eintritt in das Lager beginnen die ersten Grausamkeiten, und bei der
Beerdigung hören dieselben auf. Bei der Revision wurde den Menschen alles, was
sie noch an guten Sachen, auch Photographien, besaßen, fortgenommen. Die
l4tägige Quarantänezeit ist, seit der jetzige Chefarzt dort ist, besonders im
Winter, weil die Baracken nicht geheizt werden, eine Qual; Strohsäcke gibt es
in diesen Baracken nicht. Soweit die Menschen im Besitz von Betten und
Kopfkissen sind, werden diese ihnen abgenommen, über eine Decke verfügen die
meisten nicht. So wissen sie nicht, was sie auf die Bretter legen und womit
sie sich bedecken sollen. Die Fenster mußten auch bei starkem Frost geöffnet
sein.
Traf der Chefarzt, Dr. Cedrowski, ein nicht ganz geöffnetes Fenster oder eine
Frau, die wegen ihres geschorenen Kopfes bei strenger Kälte eine Kopfbedeckung
hatte, so erfolgten Strafen: Ohrfeigen, Kniebeugen, stundenlanges Sitzen in
Hockstellung bei offenem Fenster und halb entblößtem Oberkörper. Eine schlimme
Strafe ist, den Zementfußboden im Flur den ganzen Tag über immer wieder
wischen, auch wenn die Knie schon wund sind. Geht der Chefarzt in den nächsten
Tagen durch die Baracken und sieht die wunden Knie, da sagt er: Gut so,
weitermachen!" Zuweilen wird Frauen der Kopf trocken rasiert, was besonders
schmerzhaft ist.
Nach der Quarantänezeit kommen die Aufgenommenen zu allerlei Arbeiten. Bei den
Arbeiten auf dem Gut, in der Gärtnerei und sonstigen Arbeiten, die außerhalb
des Lagers verrichtet werden, wurden die Menschen sehr geschlagen. Kommt
dieses der Lagerleitung zu Ohren, und es wird der Fall untersucht, werden
solche Zeugen herangeholt, die nichts Bestimmtes aussagen können. Sagt ein
Zeuge die Wahrheit, so wird er am nächsten Tage so geschlagen, daß er nicht
imstande ist, noch einmal darüber zu sprechen. Ich habe oft Körper gesehen, an
denen keine weiße Stelle zu entdecken war.
Eines Tages wurde eine Frau bei der Arbeit erschossen, angeblich wegen
Fluchtverdacht, was aber nicht auf Wahrheit beruhte. Daraufhin wurde der
schrecklichste Milizmann mit einigen Deutschen hingeschickt, die Leiche zu
holen. Diese wurde auf Forkenstiele gelegt, und acht Frauen mußten sie tragen.
Die anderen der 150 Personen, die dort arbeiteten, wurden aufgefordert, sich
quer über den Weg zu legen, und die Frauen mußten mit der Leiche laufend über
diese hinweggehen. Diejenigen, die die Leiche trugen, wurden sehr geschlagen,
denn beim Laufen kam es vor, daß die Leiche ihnen von den Forkenstielen
herunterfiel. Einem jungen Mädchen hatten sie das Fleisch von den Wadenknochen
abgeschlagen. Als das Fleisch später in Fäulnis überging, wurde sie ins Spital
eingeliefert und starb an den Folgen.
Eine andere Frau kannte die Ordnung noch nicht, da sie den ersten Tag bei der
Arbeit war. Sie entfernte sich, um ihre Notdurft zu verrichten. Daraufhin
wurde sie so geschlagen, daß sie ins Lager getragen und ins Spital
eingeliefert werden mußte. Außer dem Gesicht war von den Knien bis zu den
Händen der Körper nicht blau oder grün, sondern kohlschwarz. Eine Stunde nach
ihrer Einlieferung war sie eine Leiche.
Besonders gequält wurden die Menschen im Winter 1946/47 bei der Waldarbeit.
Männer und Frauen mußten Stubben (Baumwurzeln) roden. Die Erde war hart
gefroren. Auch hier reichten die Kräfte nicht aus, um das ihnen auferlegte
Pensum zu schaffen. Männer mußten in die Löcher der ausgerodeten Stubben
hinein. Dann wurde über ihre Köpfe hinweg geschossen, um sie zu schrecken.
Auch blieben hier die Schläge nicht aus. Hierauf legte man ihnen eine Kette
um, und die anderen mußten sie herausziehen und auf dem Schnee herumschleifen. Ein besonders elender Mann machte in seiner Verzweiflung eines
Nachts seinem Leben durch Erhängen ein Ende. Frauen mußten mit einem großen
Arbeitswagen all die Stubben aus dem Walde ins Lager fahren. Auch diese
wurden, weil sie die Last in dem Schnee nicht ziehen konnten, durch Fußtritte,
Kolbenstöße und dergleichen mißhandelt.
Besonders übel sind die Frauen dran, welche dem "schweren Wagen" zugeteilt
sind. Dieser Wagen muß täglich, im Winter dreimal in ein 3 km von Potulice
entferntes Sägewerk nach Brettern und Bohlen fahren. Die Last, welche 12 bis
15 Frauen ziehen müssen, beträgt 50 bis 75 Zentner. Auch hier wird tüchtig
durch Fußtritte und Kolbenstöße nachgeholfen. Als ich selbst einige Tage an
diesem Wagen war, und wir, fast bis zur Erde geneigt, den Wagen zogen, dachte
ich, wenn dieses Bild doch nur durch eine Aufnahme festgehalten werden könnte!
Wenn man es nicht miterlebt hat, kann man es nicht glauben und sich keine
Vorstellung davon machen.
Eine Hilfsschwester wurde eines Tages von dem Chefarzt auch an den Wagen
beordert. Der Chefarzt hat nur das Recht, für einen Tag die Leute mit dem
schweren Wagen zu strafen, alle weiteren Tage müssen durch den Leiter des
Lagers gehen. Er sorgt dann aber schon dafür, daß es mit dem einen Tage
genügt. Der Grund war, daß sie einem Manne Brot von solchen Patienten gab, die
ihrer Krankheit wegen nicht essen konnten. Sie sollte für eine Nacht in den
Leichenkeller gehen, verweigerte dieses mit den Worten: „Ich will zum Rapport
gemeldet werden." Das ist die neueste Erfindung des Chefarztes, daß das zu
bestrafende Personal für eine Nacht in den Leichenkeller gesperrt wird. An dem
Abend wurde ihr gleich das Haar, welches erst 3 cm lang war, wieder ganz kahl
geschoren. Am nächsten Tage ging sie an den schweren Wagen. Die Wachmänner
waren vom Chefarzt eingeweiht. Sie mußte in der weißen Schürze gehen, damit
sie gleich erkannt wurde. Am Vormittag wurde sie schon sehr geschlagen, aber
am Nachmittag bekam sie soviel Schläge, daß sie nicht mehr allein ins Spital
gehen konnte. Fast zwei Wochen mußte sie liegen, ehe sie imstande war, sich
bewegen zu können. Damit dieses nicht in der Krankengeschichte festgehalten
wurde, mußte sie, was sonst nicht erlaubt war, im Personalzimmer liegen.
Die schwerste Strafe ist der Bunker. Hier kommen die Menschen ganz entkleidet
hinein. Täglich wird ihnen ein Eimer kalten Wassers über den Kopf gegossen,
und sie müssen Tag und Nacht im Wasser stehen. Die Männer bekommen 25 Hiebe
auf die Fußsohlen, und die Frauen werden in die Leistengegend geschlagen.
Es wurden Menschen aus dem Bunker ins Spital eingeliefert, bei denen sich das
Fleisch von den Knochen löste und sie bald ein Opfer des Todes wurden. Das
Schlagen im Bunker besorgte der Chefarzt mit dem Platzkommandanten. Als im
vorigen Sommer [1947] die größten Quälereien verboten wurden, nahm man die zu
Bestrafenden in das Büro der polnischen Gestapo oder in das Zimmer des
Chefarztes. Dort wurden sie furchtbar geschlagen.
Um einen guten Gesundheitszustand vorzutäuschen, ist der Chefarzt sehr darauf
bedacht, daß die Zahl der Belegschaft im Spital nicht zu hoch wird. Oft werden
die Leute erst dann aufgenommen, wenn sie schon bald halb tot auf der Bahre
hereingetragen werden. Viele brauchen gar nicht mehr in das Bett hineingelegt
zu werden, sondern sterben schon auf der Bahre. Andere werden oft, unfähig
allein gehen zu können, entlassen. Die Zahl der Toten betrug täglich 10-12
Menschen.
Erschütternd sind die Verhältnisse in den drei Baracken für Alte und
Arbeitsunfähige. Etwa 1.500 Menschen sind in diesen Elendshütten
zusammengepfercht. Schlimm ist, daß die Geisteskranken ohne Pflege und
Aufsicht unter den Alten untergebracht sind. Viele Alte sterben an Hunger,
andere sind so elend, daß sie des schlechten Eindrucks wegen, den sie in der
Öffentlichkeit machen würden, nicht nach Deutschland abtransportiert werden,
sondern auf ihren Tod warten müssen. Viele Kranke im Lager müßten operiert
werden. Der Unkosten wegen geschieht dieses nicht. Der Chefarzt gibt auch auf
große Bitten der Betreffenden, sie doch für den Transport freizugeben, nicht
seine Erlaubnis. So müssen sie im Lager elend zugrunde gehen.
Innerhalb zweier Jahre waren im Lager Potulice ca. 800 Kinder. Die Zahl der
Säuglinge wechselte zwischen 30-50. Die Säuglingsbaracke, welche gleichzeitig
auch Entbindungsstation war, wurde schön hergerichtet. Das geschah aber nur
aus dem Grunde, daß alles einen guten Eindruck machte, wenn die Kommissionen
durchkamen und diese dann in der Presse davon berichten konnten. Doch keiner
fragt, wie viele Kinder in den schönen, weißgestrichenen Bettchen verhungert
und erfroren sind.
Wenn eine Kommission angesagt war, wurden die Baracken geheizt. Sobald die
Herren aber hinter dem Tor waren, bekamen die Männer, die die Heizung
bedienten, den Befehl, das Feuer ausgehen zu lassen. Als die Sterbezahl der
Kinder zu hoch wurde, stellte man einen Ofen auf. Dieser konnte aber nur mit
nassem Sägemehl geheizt werden. Daher rauchte er so fürchterlich, daß die
Fenster geöffnet werden mußten.
Die Nahrung der Säuglinge bestand monatelang aus Wassersuppen. Ging man des
Morgens um 4 Uhr an der Baracke vorbei, dann meinte man, das Blöken der
Lämmer, aber keine Kinderstimmen zu hören. In kurzer Zeit sind von 50
Säuglingen nur zwei am Leben geblieben. Von diesen zweien hatten die Mütter
Gelegenheit, ihnen zusätzlich etwas zu geben. Eines Tages ging ein polnischer
Herr durch die Baracke. Als er die Kinder sah, meinte er, die müßten Milch
haben. Die Antwort des Chefarztes war: Es genügt, wenn es auf dem Papier
steht." Anderen Herren wurde erzählt, daß die Kinder Butter und Milch bekämen,
welches gar nicht der Wahrheit entsprach.
Die Kinder von 1 1/2 bis 10 Jahren befanden sich in einer Kinderbaracke. Diese
durften bis Mai 1947 nur mittags etwas draußen sein. War der Chefarzt, Dr.
Cedrowski, aber im Lager, wagte es kein Kind, herauszugehen. Den ganzen Tag
hockten sie eingeschüchtert und verängstigt auf den Betten.
Zu den grausamsten Tagen zählen auch die, wenn die Mütter mit ihren Kindern,
soweit sich diese im Lager befanden, auf dem Platz antreten mußten, die Kinder
ihnen fortgenommen wurden, und sie nicht wußten, wo sie blieben. Weinten die
Mütter, dann bekamen sie Kolbenstöße. Viele Mütter haben nie mehr etwas von
ihren Kindern erfahren.
Im Jahre 1946 kamen viele Kinder in das Kinderheim nach Schwetz. Als dann
später wieder ein Transport dorthin ging, konnte ihn eine deutsche Frau, die
als Schwester im Lager arbeitete, begleiten. Als diese sich dort, im Auftrage
einiger Mütter, nach deren Kindern erkundigte, wurde ihr gesagt: „Es sind
Tausende von Kindern hierher gekommen, wir konnten sie listenmäßig nicht
erfassen. Die meisten waren noch so klein, daß sie ihren Namen nicht wußten,
sehr viele sind gleich von polnischen Leuten abgeholt worden, wir wissen
nicht, wo sie sind."
Als eine Anzahl von Müttern zum Transport ins Reich bestimmt waren und diese
ihre Kinder durch das Rote Kreuz suchen ließen, wurden einige Kinder
zurückgeführt, welche schon einen polnischen Namen trugen. Darum braucht man
sich nicht zu wundern, daß - man kann wohl sagen - Tausende nicht mehr
ausfindig gemacht werden können. Auch hat man sie so stark in andere
Kinderheime, wie z.B. Bromberg, Schubin, Hohensalza, Tuchel, Konitz, Thorn und
verschiedene andere gepreßt, daß ein großes Massensterben einsetzte. Eine
Mutter hat von fünf Kindern nur noch eins zurückbekommen. Dieses ist aber kein
Einzelfall.
Kinder im Alter von 8 Jahren mußten bei polnischen Bauern Pferde putzen,
pflügen, eggen und alle anderen Landarbeiten verrichten. Ein Kind erzählte mir
mit Tränen in den Augen, daß es sich zum Putzen des Pferdes einen Schemel
herangestellt hat. Drehte das Pferd sich, dann fiel es in den Dung. Kam der
Bauer, und das Mädelchen war mit dem Putzen nicht fertig, so wurde es
geschlagen.
Ein anderes Mädchen berichtet: Ich kam zu einem polnischen Bauer. Das Ehepaar
war kinderlos, und so wollte man mich für eigen annehmen. Ich wollte aber
deutsch bleiben. Als ich darauf bestand, wurde ich viel geschlagen." (Dieses
Mädchen war 10 Jahre alt.) Schickte ihre Mutter ihr Sachen, so wurden sie ihr
nicht ausgehändigt. Von März 1945 bis Dezember hat sie alles getragen. Als es
aber zu Weihnachten ging, schrieb das Kind alles seiner Mutter, welche 40 km
entfernt auf einem Gut arbeitete. Als die Mutter den Brief erhalten hatte,
wurde sie an einem Morgen tot im Bett, den Brief vor ihr liegend, aufgefunden.
Der Arzt stellte fest, daß sie an Herzkrämpfen gestorben sei. Helga - so hieß
das Kind - erhielt ein Telegramm. Aber die Polin erlaubte nicht, daß sie zur
Beerdigung fuhr. Das Kind wurde sehr von Selbstmordgedanken geplagt, weil es
sich sagte: Hätte ich nicht alles meiner Mutter geschrieben, lebte sie heute
noch.
Auch war es nicht erlaubt, daß Geschwister miteinander sprachen. Eines Abends
hatte ich dienstlich in einer Kinderbaracke zu tun. Ein Junge, 13 Jahre alt,
war ins Lager gekommen und hörte, daß seine Schwester, 9 Jahre alt, in der
Baracke sei. Er kam an die Baracke, sie freuten sich des Wiedersehens nach
fast drei Jahren. Der Platzkommandant traf die beiden an. Der Junge bekam
einen Schlag ins Genick, daß er zu Boden fiel. Hierauf bekam er Fußtritte, daß
einem beim Anblick fast das Herz brach. Von wie vielen Fällen könnte man noch
berichten!
Grausam war die Behandlung deutscher Kinder in Polen. Es ist mir
unverständlich, daß Herren, die keinen Einblick in die Grausamkeiten, die an
Deutschen und auch an Kindern geschehen sind, es weitergeben, daß diese
Tatsachen nicht der Wahrheit entsprechen. Augenzeugen stellt man als Lügner
dar, deshalb, weil die Kinder jetzt gut genährt aus Polen kommen. Es ist aber
wohl nicht bekannt, daß alle zum Transport bestimmten Kinder vom Arzt
untersucht werden müssen. Alle zum Transport bestimmten Personen, ob
Erwachsene oder Kinder, die elend sind, und Aufsehen erregen würden, werden
jeweils sofort gestrichen.
Als der Transport im September 1947 ging, war Chefarzt verreist, daher war die
Auslese nicht so stark, und es kamen auch elende Kinder mit. In Breslau wurden
die 154 Waisenkinder zurückbehalten. Ich blieb bei den Kindern. Masern brachen
aus, und die Kinder mußten ins Krankenhaus geschafft werden. Polnische
Schwestern sagten in meiner Gegenwart: „Wie sollen wir nur die Kinder
anfassen, die zerbrechen uns in den Händen!" Es kamen sogar diesen Schwestern
die Tränen in die Augen.
Die Kinder gehen nur in Lumpen gehüllt. Einen Tag, bevor der Transport geht,
müssen alle antreten, und dann bekommen sie Sachen. Bis dahin kümmert sich
keiner um die Bekleidung. Im Gegenteil, wenn sie ins Lager kamen und einzelne
noch über ein gutes Stück verfügten, verschwand dieses. Jetzt, da die Polen
sahen, daß sie durch die Transporte nicht mehr alles verbergen können und auch
die Kinder nicht alle zurückbehalten werden dürfen, bekommen sie eine gute
Zuteilung. Doch man kann die Schandtaten der drei Jahre damit nicht zudecken.
In einer Webseite aus Norwegen -
www.deutsche-zeitung.com - wurde dieses, im ungekürzten Original noch viel
grauenhaftere Dokument, aus der polnischen Hölle veröffentlicht:
Der Autor des Interviews mit dem Stellvertreter des Kommandanten von Lamsdorf,
Ignac SzypuIa, ist der bekannte Schriftsteller Janusz Rudnicki. Der Kommandant
von Lamsdorf, Czeslaw Geborski (Gêborski, Gemborski), wohnt in der Nähe der Staatsanwaltschaft in
Kattowitz und bleibt weiterhin unbehelligt von Justitia.
Auszug aus der Henker von Lamsdorf, Ignacy Szypula, berichtet:
“.... ich lebe noch. Aber kann sterben. Ich gehe zu Ende wie dieses
Jahrhundert, Jahrhundert des Teufels, jeder muß mir Recht geben. -
Nicht mehr lange gehe ich dort, wo ich selbst geschickt habe.
Wie viele? In Deutschland leben noch ein paar, die scheißen weich, wenn sie
meinen Namen hören, reicht es?
Ich heiße Ignac Sz. (Szypula), im Lager bekannt als "pan Ignac" (Herr
Ignatz).
In unserem Lager, für sie (die Deutschen).
Tod für Tod. Dachten, daß was, daß sie ein Patent haben zum Töten? Wer sollte
Gerechtigkeit ausüben, die Geschichte? Und warum nicht ich, ein Pole? Mit
Namen Ignac, Nachname Sz.?
Sofort, auf der Stelle und von der Hand.
Den Verstand habe ich nicht löffelweise gegessen, aber das Hirn habe ich
anderen befohlen zu essen, direkt von der Erde, reicht es?
Ich beginne von Anfang.
Man sagte mir kurz, "du wirst im Lager arbeiten." Sie gaben keine Richtlinie.
Sie sagten, du kennst deutsche Lager, selbst hast du gesessen, dein Chef G.
auch, da wißt ihr ja. Gut.
Zuerst mußte man kraft des Abschnittes XIII des Potsdamer Vertrages das
Gesindel zusammenklauben. Dreieinhalb Millionen dieses haben wir nach
Deutschland ausgesiedelt. Verifiziert, ausgesiedelt und umgesiedelt. Alles,
was deutsch, nach Deutschland! Und da schnell!
Im Juli 1945 lagerten am Bahnhof in Oppeln 20.000 Unsere aus dem Osten! Sollten
wir warten? Bis was, daß die Deutschen von selbst verschwinden? Wir haben
ihnen das Leben schwer gemacht, wie wir nur konnten. Sie versteckten sich wie
Mäuse, wenn sie einen von uns in Uniform sahen, aber sie saßen.
Wir packten ihnen die Repatrianten in ihre Häuser. Mußten zusammen wohnen, sie
erstickten fast wie in der Hölle, aber sie blieben.
Wenn so, da haben wir angefangen. Von Bielic. Wir sind angefahren mit LKW im
Morgengrauen. Das Militär umzingelte das Dorf und wir, die Miliz, und die
Sicherheitspolizei zogen sie aus den Häusern. Alles, was deutsch ist, in 5
Minuten raus. Sachen auf sich und auf die Weide, mit dem Vieh! Wußten nicht
wozu, wußten nicht wohin; wie das: wohin?!
Raus aus Polen! Nach Deutschland! Nach Hause! Mit kleiner Haltestelle für eine
Übergangs-Ruhepause, in Lamsdorf. Beim "Herrn Ignac".
Manche kamen aus dem Haus barfuß, direkt aus dem Bett, manche mit schlafenden
Kindern auf dem Arm. Manche wollten uns narren, probierten polnisch
zu
sprechen, nix da, an den verlausten Kopf und raus aus der Bude. Jetzt sind sie
Polen!?
Mit der Hand Kopfschläge oder mit dem Kolben und auf den Weg.
Haj-li Haj-lo, Haj-la, Hitler-Lieder befahlen wir ihnen zu singen. Unterwegs
auch in die Schnauze (po drodze te¿ wpierdol).
Heiß war es, schleppten sich, da prügelten wir. Alte mußten gestützt werden,
von den Jungen. Damit sie das Tempo mithalten konnten.
Wir trieben sie aus Gracz, Jaczowic, Jakubowic, Klucznika, Korfantowa, Kuznicy
Logockiej, Ligoty Tulowieckiej, Lipowa, Lipna, Magnuszowie, Oldrzyszowic,
Przechoda, Szydlowa, an alle kann ich mich nicht erinnern. Zusammen waren es
an die 30 Dörfer. Etwas trieben wir auch zusammen aus Niemodlin und Prudnik.
Sie gingen nach Lamsdorf wie die Ameisen unter unseren schweren polnischen
Stiefeln.
Es gab auch welche, die sangen "Pod Twoj¹ Obronê" (Unter deine Obhut Herr).
Jetzt da sind sie Polen!
"Arbeits-Lager in Lamsdorf", so war die Überschrift über dem Eingangstor.
Jetzt werdet ihr sehen, was ihr ausgedacht habt.
Ich habe es ausgedacht? Oder irgend ein Pole? Mich anklagen? Für was? Ich habe
ausgedacht das Töten Unschuldiger für Schuldige? Ich habe ausgedacht das
Gipsbett für meinen Vater?
Im Lager hinter dem Tor wartete auf sie die Gerechtigkeit. Wartete auf sie
unser Chef, Czeslaw Geborski, 20 Jahre alt, so wie wir. Unser Mann, von den
Deutschen hat er seins gelitten. War bei unseren Partisanen. 1944 fiel er in
ihre (deutschen) Tatzen und saß im Lager Myslowitz. Partisanen-Abteilung (Czarny)
befreite ihn aus dem Transport nach Auschwitz.
Gleich 1945 nach der Befreiung trat er in die MO (Bürgeriniliz) ein, um in
Schlesien die Deutschen auszurotten. Jung war er und schon Feldwebel.
Wartete auf sie sein Stellvertreter Stanislaw D., Edek Z., Antek K., unser
polnischer Deutsche Jan F., und Herbert P. .und andere und auch ich, die
rechte Hand des Chefs, Ignac (Ignatz).
Die Gerechtigkeit ließ sie vor der Baracke stehen und warten auf die
Registrierung, es konnte auch mal den ganzen Tag sein.
Die Registrierung haben wir angefangen mit einer gründlichen Durchsuchung. Wir
nahmen alles. Eine versteckte ihren Ring in den Haaren, wir schnitten sie ab.
Wir nahmen und prügelten. Mit Kolben, Händen, Füßen. Alte, Junge, Frauen.
Alles, was sich bewegte, außer Kindern. Zum "Guten Morgen", psychologisch, wie
der Czesiek Geborski sagte, damit man den Gehorsam in ihnen zupflügt.
Ich erinnere mich, wie wir solchen sechs Helme auf die Köpfe setzten und
prügelten drauflos so lange, bis Blut über die Aügen floß. Die hatten trotzdem
noch Glück.
Einmal erblickten wir einen mit einem Bart, der kam gar nicht in die Baracke
zur Registrierung, Judas. Johann hieß er, Johann L. Wir zogen ihn am Bart in
die Werkstatt und dort schraubten wir ihm den Bart in den Schraubstock und
zündeten den Bart an, damit er aussieht wie ein Bettler. Er schrie, daß er
Kinder hat. Die Reste vom Bart schnitten wir mit dem Messer ab, mit der Haut!
Mit Zangen rissen wir ihm die Fingernägel aus, einen nach dem anderen. Dann
steckten wir ihm eine Schulter in den Schraubstock und brachen sie. Mit der
anderen dasselbe.
Dann haben wir angefangen, ihm mit Schlüsseln auf den Kopf zu klopfen, puk,
puk, ist da wer? Und dann hämmerten wir auf den Schädel, es gluckste, Knochen
krachten…
Geteilt haben wir die Baracken so:
Für Männer, für Frauen, Frauen mit Kindern und Frauen, die arbeiten konnten.
Und Ruhe. Keiner kennt den anderen. Sollte irgendein Mann zu seiner Frau ein
Wort sagen oder eine Frau zu ihrem Mann oder Kind sagen, Prügel. 25 Schläge.
Einmal sah eine Frau ihren Mann, lief zu ihm, was haben wir gemacht.
Drei Tage in der Sonne ohne Essen und Trinken. Sie hielten sich an den Händen
und lagen. Es gab kein Mitleid.
Von der Erde in die Krankenstube, von der Stube unter die Erde!
Einer hat mich mal gebeten, ich möchte ihn doch nicht töten, sondern erst
nächsten Morgen, er möchte gern noch seine Frau sehen, er hat sie nicht
gesehen!
Meine Nummer 14 am Tag der Feuersbrunst, aber ich komme noch darauf.
Der Tagesablauf sah so aus: Um 6 Uhr wecken, aufstehen und auf den Platz.
Laufen - fallen - kriechen - laufen. Alt nicht alt. Krank nicht krank,
"Morgengymnastik" auf polnisch. Kommando und abzählen auf polnisch, von eins
bis wie viele es waren.
Wer nicht konnte, wer falsche Zahl zahlte, Prügel, alt oder krank. Mit
Knüppeln, Füßen, Händen. Wir prügelten so lange, bis.... Wer krepierte, der
krepierte. Schuhe runter und ins Loch mit dem Aas. Manchmal, zum Zeitvertreib,
befahlen wir einigen, auf die Bäume zu klettern bis in die Wipfel. Andere
wiederum mußten die Bäume absägen. Sie sind runtergefallen wie Birnen.
Gemborski hat mal einem befohlen, auf den Baum zu klettern und schreien, ich
bin ein Affe! Und wir haben geschossen, bis er runterfiel! Schuhe runter und
ins Loch, ob er lebte oder nicht, seine Sache. Dann Appell, Einteilung in
Arbeitsgruppen im Lager und außerhalb. Um 12 Uhr Ruhepause, dann wieder
Arbeit, am Abend, um 20 Uhr Ruhe.
Ich sage Prügel, aber solche Prügel muß man sehen! ... Wir droschen, wie das
Korn auf der Tenne. Haut und Fleischfetzen hingen in Streifen. Sie lagen in
der Krankenstube und waren am Krepieren. In den Wunden tummelten sich Klumpen
von Fliegen. Eins sage ich dazu, daß keiner von uns sie vergewaltigt hat. Der
Tod war für sie die Erlösung. Sie starben an Blutvergiftung.
Wir hatten keine Pferde, da haben wir vor den Pflug und die Egge Männer
vorgespannt. Vor den Pflug 12, vor die Egge 8 bis 12, es kam darauf an, wie
stark sie waren. Es kam vor, daß auch Frauen ziehen mußten. Wir hatten keine
Autos, da spannten wir sie auch vor einen Wagen oder Anhänger, um Proviant zu
holen, z.B. Oder vor eine Kutsche, um mit dem Kommandanten spazieren zu
fahren.
Wie richtige polnische Herren!
Fünfzehnten September spannten wir vor den Wagen 16 Mann, denn wir mußten
schweres Gerät ins Dorf bringen. Wir prügelten sie mit Stöcken, was das Zeug
hielt, sie schafften es. Auf dem Rückweg, im Wald, haben wir etwas
herumgeschossen. Die Hälfte von ihnen (Männern) haben wir mit Schüssen zum
Teich getrieben und ersoffen. Sechs davon haben uns zum Lager gezogen. Drei
davon haben vor Schreck die Sprache verloren, einer hat sich selbst erhängt.
Wir schossen auf die Leute in den Bäumen, wie auf Affen, schossen in die Leute
wie auf Fliegen. Einmal sind zu viele Weiber in die Latrine reingegangen, ich
schoß eine ganze Serie in sie hinein.
Manche bekamen in den Bauch, andere in die Brust. Die Kugeln trafen wie das
blinde Los.
Stöhnten, jammerten, röchelten. Ins Loch damit! Damit keine Spur bleibt, unter
die Erde. Sie bogen und krümmten sich in der Erde, wie große Würmer, wir
schütteten sie mit Sand zu. "Herr
Ignac" kannte kein Mitleid. Aber jeder kannte "Herrn Ignac". Höchstens, daß
nicht, da prügelte ich, oder ich gab Befehl zum Prügeln.
Zwei junge Hurensöhne gingen an mir vorbei, so an die 15 Jahre. Weder
"Achtung", Morgen", Einer musste den anderen prügeln. Über einen Hocker und 25
auf den Arsch. Geschont haben sie sich, da habe ich ihnen gezeigt, wie es
geht. Mit einem dicken Kabel. -
Wir prügelten und töteten. Wir haben sie ausgesiedelt aus dieser Erde. Lehrer,
Pl Beamte, Kaufleute, Geistliche haben die Vorfahrt gehabt. Wir begossen sie
mit Sejche, bewarfen sie mit Scheiße, unter die Fingernägel trieben wir ihnen
Nägel ein.
Einem Schuster aus Bielic, 58 Jahre, (1 sprang ich so lange auf dem Rücken
herum, bis er krepierte. Seinem Kumpel aus demselben Dorf, 65 Jahre, kam das
Hirn heraus, so habe ich ihm mit in dem Kolben den Schädel zertrümmert. Einen
erschoß ich, weil er Brillen trug, so ein Intelligent. - --
Zusammen mit dem Chef, Czeslaw G., haben wir dem Lehrer Wolf aus Bielic mit
der Säge sein krankes Bein abgesägt. Er schrie sich zu Tode. Wir erschossen
eine Frau im 9. Monat schwanger -. dann auch ihre kleine Tochter, als sie
Blumen legte auf das Grab der Mutter.
Auf dem Lagergelände streunten Tag und Nacht hungernde Kinder. Waisen oder
Getrennte von ihren Müttern. Bettelten vom Fenster zum Fenster und starben
leise.
Eines Tages gaben wir bekannt, da» wir in der Baracke Milch haben für die
Kinder. Sie kamen, wir erschossen sie!!!Janek F. war gut, er mußte gut sein,
denn bis zum Ende war er nicht einer von uns.
Eine Mutter mit ihrem Baby auf dem Arm bat um Suppe, er schlug zu, direkt aufs
Köpfchen. Und dann prügelte er die Mutter, sie floh vor ihm mit einer roten
Kugel im Arm (blutiges Köpfchen des Kindes).
Wir klopften ihm anerkennend auf die Schulter, daß er wenn auch nicht einer
von uns, so doch wie unser. Janek F. tötete zig Babys, gleich zwei auf einmal.
Er zertrümmerte die Köpfe, indem er sie zusammenschlug.
Wir verboten für die Toten Kreuze aufzustellen.
Paar Frauen mit Kindern wollten es doch tun, fielen erschossen gleich auf ihre
Männer, Väter und Kinder. Wen wir nicht erschlagen haben, der krepierte an
Hunger oder Krankheit. An Typhus starben sie wie die Fliegen. Läuse fraßen
ihnen die Haut so, daß man blanke Rippen sehen konnte.
So oder so haben wir zu wenig getötet. Czesiek G. wollte wenigstens zehn (10)
am Tag.
Später mehr und mehr, Dörfer mußten schließlich geräumt werden für unsere, aus
dem Osten, denn sie nächtigen im Bahnhof in Oppeln, aber das habe ich schon
geschrieben.
Am 4. Oktober zündeten wir zusammen mit D. die Baracke Nr. 12 an. Vorher haben
wir alle getrunken.
Da war nicht was zu löschen, aber den Frauen haben wir befohlen, Wasser und
Sand zu schöpfen, den Männern das aufs Dach tragen, schütten und löschen. Wir
schossen, wenn sie runter wollten. Das Dach ist eingebrochen, die Männer
fielen rein und verbrannten. Die, die Angst hatten, näherzukommen, warfen wir
ins Feuer. Die Familienmitglieder flehten uns auf Knien an, es gab kein
Mitleid, der Ehemann brannte vor den Augen seiner Fraü und umgekehrt.
Czeslaw 6. gab Befehl zum Schießen, weil angeblich Aufruhr der Gefangenen,
weil es brennt, und sie wollen fliehen. So fingen wir an zu schießen. Wir
haben geschossen alle in alle.
Wer kann das heute zusammenzählen, paar hundert Getötete könnten es sein. Aus
der Nähe, aus der Ferne, wie sie standen oder flohen. Jeder von uns hat laut
gezählt, wie viele er hat. D., der Vertreter von Czeslaw G. tötete
sechsundvierzig, ich verlor die Übersicht. Aus der Krankenstube zog ich ein
altes Weib heraus und zertrümmerte sie gleich am Graben, ich tötete einen
Vater von 6 Kindern, denn nach dem Feuer brach er psychisch zusammen.
Die letzte Leiche an diesem Tag war von mir. Mit einem Schuß in den Hinterkopf
erschoß ich den Sanitäter, er trug eine Armbinde des Roten Kreuzes, und trug
Suppe für ein krankes Kind-. Herbeigerufen habe ich zwei, damit sie ihn auf
einer Trage zum Graben bringen, da bei dem Toten das Hirn zu sehen war, befahl
ich ihnen, es zu essen. Sie wollten nicht, ich prügelte sie- mit dem Kolben.
Tote und Schwerverwundete haben wir befohlen in Gräben zu werfen und
zuschütten. Die Erde bewegte sich, man hörte das Röcheln, die Totengräber
mußten solange darauf trampeln, bis sich die Erde aufhörte zu bewegen und es
war still.
Durchgeführt wurde die Exhumierung der Leichen von Soldaten der Roten Armee.
Wir haben befohlen, die aus der Erde herauszuholen, die ihre (deutsche)
Soldaten dort vergraben haben. Mit bloßen Händen, Männern und Frauen. Von den
Leichen stank es wie aus der Hölle, verwest waren sie schon so, daß ihre Teile
man sogar in den Stiefeln hatte.
In manchen Gräbern waren die Leichen so verwest, daß, wenn wir jemanden
reinwarfen, der kam aus dieser schleimigen Masse nicht mehr raus.
Wir vergruben auch solche, die nur ohnmächtig wurden. Sie kamen zu sich als
man Sand auf sie schüttete. Sie schrieen wie irre. Totengräber- vergruben sie
in so einem Fall im Eil-Tempo.
Wenn mich heute jemand fragen würde, ob ich diese Schreie höre, da nein, ich
höre nicht. Für Sünden bereue ich nicht. Amen.
Ignac Sz.“
Mehrere zehntausende solcher Protokolle und Augenzeugenberichte liegen seit
ca. 1950 in verschlossenen Archiven der BRD und werden nicht freigegeben -
warum bloß ?
Wenn Du noch mehr möchtest brauchst Du nur Bescheid zu sagen
Vielleicht etwas tschechisches ?
Nicht nur der ungarische Halbjude Sandor Kovak war Augenzeuge der lebenden
Fackeln. Auch Frau Hildegard Hurtinger, wie oben protokolliert, war
Augenzeugin der lebenden Fackeln von Knaben und Mädchen am 20. Mai 1945 auf
dem Wenzelsplatz in Prag.
Und Der Tscheche LUDEK PACHMANN, Schachgroßmeister und Publizist, der als
Augenzeuge bei dem Einzug von Benesch in Prag im Mai 1945 dabei war, hat die
furchtbare Wahrheit der Ereignisse vier Jahrzehnte danach offenbart:
»Am Sonntag, 13. Mai 1945, um 11 Uhr vormittags, kam Dr. Benesch aus seinem
Londoner Exil am Masaryk-Bahnhof in Prag an. Vorher hat er von London aus
Richtlinien an das tschechische Volk heraus gegeben: »In unserem Land wird das
Ende des Krieges mit Blut geschrieben werden ..., der Umsturz muß gewaltsam,
muß eine gewaltige Volksabrechnung mit den Deutschen ..., ein blutiger,
unbarmherziger Kampf sein!« Wie nirgends zuvor in der Welt zeigte sich bei ihm
der über alles hinausgehende Haß in einem unvorstellbaren Ausmaß!
Auf seinem Wunsch und ihm zu Ehren wurden am Wenzelsplatz reihenweise
Deutsche, verkehrt, mit dem Kopf nach unten, an Säulen, Bäumen und
Anschlagtafeln lebend aufgehängt und mit heißem Teer beschmiert! Als Benesch
in seinem Wagen erschien, ertönten Kommandorufe. Die Deutschen überschüttete
man gleichzeitig mit bereitgestelltem Benzin oder Öl und zündete sie an. Die
in ihrer Todesangst aufschreienden Deutschen wurden durch >Hochrufe< auf den
Präsidenten mit >Nazdar< zum Teil übertönt. Um die lebenden Fackeln johlten
und tanzten tschechische Frauen. Langsam fuhr Benesch durch das Spalier
brennender Deutscher. Die fürchterlichen Schreie hallten durch ganz Prag und
lockten immer mehr zu solchen Schandtaten an. Die Schreienden wurden durch
Knüppel, Eisenstangen und Stöcken zum Schweigen gebracht. Unkenntliche,
verbrannte, blutige Fleischmassen blieben zurück! Danach zwang man Deutsche,
die halbverkohlten Leichen herunterzunehmen! Verbranntes Fleisch löste sich
und blieb an den Händen kleben. Dann wurde befohlen, die Füße der Toten
anzufassen und in die Stefangasse zu schleifen, wo sie neben vielen anderen
auf einem Lastwagen abtransportiert wurden. Wohin die Leichen gebracht wurden,
konnte nicht ermittelt werden. Bereits am 10. Mai wurden erstmals,
>Probefackeln< veranstaltet. Bei der Einmündung der Wassergasse fing es an.
Hier wurden drei deutsche Soldaten an der großen Reklametafel verkehrt
aufgehängt, mit Benzin übergossen und lebendig verbrannt. Weil sie vor lauter
Schmerz fürchterlich schrieen, wurden ihre Köpfe bis zur Unkenntlichkeit
blutig geschlagen! - In den Prager Bordells wurden Orgien gefeiert. Dazu
suchten die Tschechen Deutsche mit Intelligenzberufen aus!
Ihnen wurden die Kleidungsstücke heruntergerissen bis sie nackt da standen.
Arme und Beine wurden festgebunden und dann begannen sexuelle Martern, die
nicht zu beschreiben sind!«
„Wenn es die Hölle auf Erden gibt, dann gab es sie in Prag !“-schreibt der
Tscheche L. PACHMANN weiter: „ Ich berichte das, weil ich davon überzeugt bin,
dass es zu einer wahren Völkerverständigung nur kommen kann, wenn sich beide
Seiten vorbehaltlos zu dem bekennen, was war !“
__________________________________________________ __
Jürgen Thorwald hat in seinem längst zu den Klassikern der Zeitgeschichte
zählenden Tatsachenschilderung „Die große Flucht“,
gestützt auf mehr als 2.000 Dokumente und Augenzeugenberichte, „eines der
grauenvollsten Kapitel der deutschen Gegenwarts- Geschichte“ (Deutsche
Tagespost) aufgezeichnet. Seine erschütternde Dokumentation befasst sich auch
mit den Ereignissen in Prag unmittelbar nach der Kapitulation.
Auch Thorwald bezeugt die „brennenden Fackeln“ in Prag und schreibt weiter (S.
486/7):
„ Waren es noch Menschen, welche deutsche Soldaten, aber ebenso Zivilisten und
Frauen mit Stacheldraht zusammenbanden, zusammenschossen und die
Menschenbündel in die Moldau stürzten? Waren es noch Menschen, welche deutsche
Kinder in den Löschwasserbehältern ertränkten und Frauen und Kinder aus den
Fenstern auf die Straßen stürzten? Sie hatten menschliche Gesichter. Aber es
waren keine Menschen mehr.
Es waren keine Menschen, welche nackte deutsche Frauen zwangen, Steine
fortzuräumen, ihnen dabei die Achillessehnen durchschnitten und sich an ihrer
Hilflosigkeit und ihren Schmerzen weideten. Es waren keine Menschen, welche
die Deutschen aus dem Behelfsgefängnis der unterirdischen Klosettanlagen am
Wenzelsplatz heraufholten, mit Knüppeln niederschlugen und buchstäblich zu
Tode traten, und es waren keine Menschen, welche deutsche Mädchen, die ihnen
als Wehrmachtshelferinnen in die Hände gefallen waren, nachdem sie ihnen die
Kleider geraubt hatten, durch die Foch-Straße nach dem Wolschaner Friedhof
trieben und sie dort mit Maschinengewehren zusammenschossen oder mit Schlägen
und Bajonettstichen in Heuhaufen hineintrieben, die sie dann anzündeten. Und
dies waren nur einige Gipfelpunkte in dem Meer von Unmenschlichkeit, in dem
die einfache Erschießung, und sei es die Hunderter von Schülern der Prager
Adolf-Hitler-Schule, eine Wohltat schien.“
Soweit Thorwald, die Ereignisse in
Prag zusammenfassend.
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„Der deutsche Pfarrer Karl Seifert stand am Abend des 20. Mai 1945 in der
Gegend von Pirna mit einigen Männern seiner Gemeinde am Ufer der Elbe. Er
hatte dem zwischen Härte und Gutmütigkeit unberechenbar hin und her
schwankenden sowjetischen Kommandanten seines Ortes die Erlaubnis abgerungen,
tote Deutsche zu bestatten, die Tag für Tag an dieses Ufer angetrieben wurden.
Sie kamen elbeabwärts aus der Tschechoslowakei. Und es waren Frauen und Kinder
und Säuglinge, Greise und Greisinnen und deutsche Soldaten. Und es waren
Tausende und aber Tausende, von denen der Strom nur wenige an jenen Teil des
Ufers schwemmte, an welchem der Pfarrer und seine Männer die Toten in die Erde
senkten und ein Gebet über ihren Gräbern sprachen.
An diesem Abend des 20. Mai geschah es, daß der Strom nicht nur solche
Deutsche von sich gab, die zusammengebunden ins Wasser gestürzt und ertränkt
worden waren, und nicht nur die Erdrosselten und Erstochenen und Erschlagenen,
ihrer Zungen, ihrer Augen, ihrer Brüste Beraubten, sondern auf ihm trieb, wie
ein Schiff, eine hölzerne Bettstelle, auf der eine ganze deutsche Familie mit
ihren Kindern mit Hilfe langer Nägel angenagelt war. Als die Männer die Nägel
aus den Händen der Kinder zogen, da konnte der Pfarrer nicht mehr die Worte
denken, die er in den letzten Tagen oft gedacht hatte, wenn er sich mit den
Tschechen beschäftigte und wenn Schmerz und Zorn und Empörung ihn übermannen
wollten: »Herr, was haben wir getan, daß sie so sündigen müssen.« Dies konnte
er nicht mehr. Aber er sagte leise: >Herr, sei ihrer armen Seele gnädig!«“
Eine Ärztin schilderte die tschechischen Teufeleien
in Lager Olmütz-Hodolein:
Eine ehemalige leitende Ärztin des tschechischen Konzentrationslagers
Olomouc-Hodolany (früher Olmütz-Hodolein) lege ich folgendes protokollarisch
nieder: Im Lager befanden sich z. B. der englische Staatsbürger Frederic
Treyhorn, vordem Forstverwalter bei einem deutschen Adeligen in Nordrnähren,
die deutsche Jüdin Sternberg mit ihrer schwer herzkranken Tochter aus Olmütz,
der deutsche Halbjude Schien aus Namjest, der jahrelang in Buchenwald war,
weil er Jude und jetzt bei uns interniert war, weil er Deutscher ist, zwei
Zigeunerinnen aus Floridsdorf bei Wien, die auf dem Heimweg aus einem
Arbeitslager bei Berlin in Prerau gefangengesetzt, nackt ausgezogen durch die
Stadt getrieben und dann nach Hodolany gebracht wurden. Die aktiven
kommunistischen deutschen Arbeiter, die auch während des Nationalsozialismus
ihrer Überzeugung treu geblieben waren, Th. Alois aus Domstadl, M. Otto und B.
Florian aus Bärn, abgesehen von den vielen Kindern, deren einziges Verbrechen war, daß sie als Deutsche geboren wurden.
Das Lager bestand aus dreizehn Baracken, davon waren neun mit Internierten
belegt. Eine Baracke war normalerweise für achtzig Menschen berechnet. Unser
Gesamtbelag variierte jedoch zwischen 2.800 und dem Höchstbelag von 3.200
nicht verurteilter, nur vorläufig internierter Personen. Sie lagen alle,
Männer, Frauen und Kinder, auf dem blanken Fußboden. Meistens wurden die Leute
von der Straße weg in die Lager verschleppt. Erst vom Februar 1946 an wurden
Holzbetten mit Strohsäcken auf gestellt. Bis zum selben Termin waren die
Menschen ohne ein Stückchen Seife, sie arbeiteten und schliefen so zehn Monate
lang in derselben Wäsche, in demselben Anzug, bis alles in Fetzen von ihnen
hing.
Dann wurde die Erlaubnis zum Paketempfang von zu Hause gegeben. Erst im
November 1945, als das ganze Lager bereits verwanzt und verlaust war, wurde
auf mein andauerndes Drängen hin von der Lagerleitung eine Desinfektion
beschafft. Während der nun laufenden Desinfektion mußten die Leute nackt auf
ihre Kleider warten, da sie ja zum Wechseln keine hatten. Während der strengen
Wintermonate wurde pro Ofen und Tag fünf Kilogramm Kohle bewilligt, ein
Nichts, wenn man bedenkt, daß auf dem blanken Fußboden geschlafen wurde. Das
Essen bestand bei zwölf- bis vierzehnstündiger schwerster Arbeit früh aus
ungesüßtem Kaffee und 150 Gramm Brot, abends aus einer Kartoffel- oder dünnen
Nährmittelsuppe und wieder 150 Gramm Brot, für die im Lager zurückgebliebenen
Arbeitsunfähigen und Kranken auch mittags eine Suppe. Durchschnittlicher
Kaloriengehalt: 500 bis 600.
Bei der Einlieferung in das Lager wurde den Menschen alles weggenommen, kurz
alles, was noch einen Wert hatte. Den Brillenträgern wurden durch Fausthiebe
die Brillen zerschmettert. Sie wurden getreten, geschlagen, mußten Kniebeugen
machen, bis sie vor Erschöpfung zusammenbrachen. Die WC durften ab 22 Uhr aus
Schikane nicht mehr benutzt werden, was deshalb besonders grausam war, weil
alle an vermehrter Diarrhö (Durchfall) litten. Da um 3.30 Uhr in der Früh schon „Wecken“
war, war von einer Nachtruhe nicht die Rede. Denn die oft betrunkenen
Wachthabenden machten ihre Späße mit den todmüden Menschen oft bis 2 Uhr
nachts, wobei „Habt acht“ gestanden und „Stand“ gemeldet werden mußte. Auf
unnatürliche Weise kamen von den insgesamt 17.000 Menschen, die durch das
Lager gingen, 2.000 ums Lehen. Ich greife nur einige Fälle heraus, deren Tod mir
besonders im Gedächtnis haften geblieben ist. Das Folgende kann jederzeit mit
vollem Namen belegt werden.
Magistratsdirektor Dr. Z. wurde, nachdem man ihn blutig geschlagen hatte,
getötet, indem man ihm einen Schlauch in das Rektum einführte und ihm so lange
kaltes Wasser in den Darm einströmen ließ, bis er starb. Ing. H. wurde zweimal
wieder abgeschnitten, dann mit einer Riemenpeitsche mit Bleikugeln
geschlagen, daß das Gebiet vom Musculus glutaeus maximus (größter
Gesäßmuskel)
abwärts bis zur Achillessehne
ein anatomisches Präparat von bloßgelegten Sehnen, Blutgefäßen und Nerven
war. Darin wimmelten in den heißen Sommermonaten Tausende von Fliegenmaden.
Der starke Eiweißverlust und eine hinzutretende
Dysenterie (Bakterienruhr)
machten der Qual
endlich ein Ende. In den letzten Tagen vor dem Tode holte ich den Patienten
aus dem Zimmer auf den Armen in den Verbandsraum. Er wog kaum noch 30
Kilogramm. Diese Methode, jemanden langsam sterben zu lassen, war eine der
häufigsten. Drei Monate hindurch waren alle maroden Zimmer mit derart
zugerichteten Menschen belegt. An eine Heilung war nicht zu denken.
Der furchtbarste Fall war ein 13jähriges deutsches Mädchen, das vergewaltigt
worden war und dem davon ein 30 Zentimeter langes Stück Darmschlinge aus der
Scheide hing. Der tschechische Professor für Gynäkologie operierte das
Mädchen. Es blieb auch am Leben. Da Dr. B. inzwischen verstorben ist, darf ich
verraten, daß nach seinem Bericht der Täter ein Kapitän der tschechischen
Armee war.
Wegen eines „Aufbegehrens“ gegen ein Mitglied der Wachmannschaften wurde der
Schlesier Ing. K. ohne Gerichtsverfahren nach einem Urteil des Majors der Moravske
Brigade S. D., der nie einen Fuß in das Lager gesetzt und mit der
Lagerleitung nicht das Mindeste zu tun hatte, mit dem Tode durch Erhängen
bestraft und zum Vollzug des Henkens wurde der mitinternierte tschechische
Kolaborant H. (Kollaborateur)
gezwungen.
Vor dem Galgen waren alle Insassen des Lagers vollzählig aufmarschiert, auch
die Kinder.
An zwei aufeinander folgenden Tagen wurden 68 alte Leute des Altersheims Olmütz,
die in das Lager gebracht worden waren, in der Nacht von den 17- bis
19-jährigen Wachmannschaften einfach zusammengeschossen, weil sie alt und
unnütz waren. Ich habe heute noch das grauenhafte Wimmern der letzten alten
Weiblein im Ohr — die älteste war 92 Jahre alt und taub —‚ als man sie roh und
unter Schimpfworten „deutsche Säue“ und „germanische Huren“ aus der Baracke
zur Exekution zerrte.
Als die Aussiedlung schon begonnen hatte, hörte der 16jährige L. aus
Langendorf, Kreis Sternberg, der bei einem tschechischen Bauern als Knecht
arbeitete, daß seine Eltern aussiedeln und er heimkommen möchte. Der Bauer
jedoch brachte den Jungen wegen Arbeitsverweigerung nach Hodolany ins Lager,
dort wurde er so lange mehrmals am Tage blutig und bewußtlos geschlagen und in
Dunkel- und Einzelkammern behalten, bis er irrsinnig wurde. In seinen
Wahnsinnsdelirien schrie er nach seiner Mutter, sang Hitlerjugendlieder,
grüßte mit deutschem Gruß, wenn er seine Suppe bekam, was jedes mal erneut
Anlaß gab, ihn wieder niederzuschlagen, obwohl er für sein Tun nicht mehr
verantwortlich war. Das mußte doch jeder Laie sehen. Und dies geschah im Mai
1946, ein ganzes Jahr nach den blutigen Revolutionstagen.
Die Erinnerungstage von Lidice, Jezaske und Jawerisko und der
Nationalfeiertag des Johann Hus waren Schreckenstage und -nächte. In diesen
Tagen wurden auch Frauen mit völlig entblößtem Unterkörper geschlagen. Bei
einigen war die seelische Depression so tief, daß sie sich in einer Periode
der Melancholie am Fensterriegel erhängten oder sich im Becken des
Luftschutzwasserreservoirs ertränkten.
An einem Tag brachte man uns alle Frauen, Kinder und Säuglinge der deutschen Stadt
Bennisch
(Benisch),
285 an der Zahl. Auch sie lagen auf bloßer Erde. Viele Kleinstkinder starben
aus Mangel an Milch, denn auch für sie gab es nur schwarzen Kaffee, wenn nach
einigen Tagen die Muttermilch stagnierte. In den kalten Wintermonaten
1945/1946 stahlen 4 Männer ein paar Hände voll Kohlen.
Daraufhin sperrte man sie unbekleidet in einen Bunker. Alle kamen nach vier
Tagen mit schwersten Erfrierungen wieder heraus. Zwei mußten amputiert werden
und starben nach der Operation. Unsere so genannte Rote-Kreuz-Baracke war
primitiv. Wohl hatte sie Eisenbetten mit Matratzen, teils Strohsäcken und
einer Wolldecke, jedoch ohne wechselbare Überzüge, was infolge der
schrecklichen Wunden besonders prekär war, da alles nach kurzer Zeit vor
Schmutz, Eiter und während der Desytherieperiode vor Kot starrte und nicht
gereinigt werden konnte.
In der maroden Baracke konnten wir uns der Wanzen und Läuse nicht
erwehren, bis um die Weihnachtszeit 1945 wie ein Geschenk des Himmels das
erste amerikanische DDT verteilt wurde. Wegen des herrschenden Platzmangels
lagen in einem Bett zwei bis drei Menschen. Alle Leichname der Verstorbenen
und Gemordeten lagen nackt im Gras neben dem Bunker am Ende des Lagers, bis
sie abgeholt würden. In Säcken kamen sie namenlos in Gemeinschaftsgräber
außerhalb der Friedhöfe. Von der Lagerleitung wollte man mich als leitenden
Arzt zwingen, die Totenscheine der Gemordeten mit der üblichen Diagnose
„Herzschwäche“ zu unterschreiben. Ich tat dies in keinem einzigen Falle. Die
Konsequenz nahm ich auf mich. Leider fanden sich andere deutsche Kollegen, die
ihre Unterschrift auf diese lügnerischen Schanddokumente setzten.
Das ist nur ein kleiner Ausschnitt des Schreckens und Leidenszeit von
17.000 deutschen Menschen in einem einzigen der vielen tschechischen KZ in der
Zeit vorn Mai 1945 bis Mai 1946. Ich könnte diesen Bericht beliebig
fortsetzen, will mich aber mit diesen wenigen Fällen begnügen. Ich habe nie
gehaßt und trotz meiner furchtbaren Erlebnisse hasse ich auch heute diese
Leute nicht. Auch soll mit diesem Bericht kein Samen zu neuem Haß gelegt werden, das wäre
gegen meine Absicht. Ich beeide, daß dieser Bericht die lautere Wahrheit ist.
Nicht schließen möchte ich ihn, ohne still der aufrechten, anständigen
Tschechen zu gedenken, deren Namensnennung einer anderen Zeit vorbehalten
bleiben muß, die halfen und Böses zu verhindern suchten, die gute Patrioten
waren und Menschen geblieben sind. Dr. F.“
Zu zehn und zehn erschossen.
Frau Hildegard Hurtinger gibt zu Protokoll:
„Am 15. Mai wurde ich in meiner Prager Wohnung vom tschechischen Pöbel
abgeführt und unter Prügel und Kolbenschlägen an den Haaren ungefähr 500 Meter
weit in die Scharnhorstschule geschleppt. Dort wurde ich vollständig ausgeraubt, so daß mir nur Strümpfe und das Kleid, das ich am Leib hatte,
blieben. Eine tschechische Kommissarin verhörte mich und behauptete, ich hätte
im Jahre 1942, zu einer Zeit, in der ich gar nicht in Prag weilte, sondern in
Teplitz, 16 tschechische Personen ins KZ gebracht, die dort umgekommen sein
sollen. Bei jeder Verneinung wurde ich geohrfeigt. Dann wurde ich in die
so genannte Reparation gebracht, wo ich und meine Mithäftlinge, Männer und
Frauen, aufs Grausamste mißhandelt wurden. In der Nacht wurden wiederholt alle
Häftlinge auf den Hof geholt, dort zu je 10 Männer, Frauen und Kinder
—darunter auch meine zwei Brüder mit Familie — abgezählt und vor den Augen
der übrigen Häftlinge erschossen. Das jüngste Kind meines Bruders war 5
Monate alt.
Dann mußten wir Gräber schaufeln, die Leichen entkleiden und vergraben. Außer
den offiziellen Hinrichtungen wurde ständig bei Tag und Nacht wahllos in die
Häftlinge hineingeschossen, wobei zahllose wehrlose Menschen ums Leben kamen.
Bei einer solchen Gelegenheit wurde auch ich durch einen Streifschuß am Hals
verwundet. Ich blieb einen Tag und eine Nacht unter den Leichen liegen, da ich
es nicht wagte, aufzustehen. Dann stiegen die Tschechen über die Leichen und
stachen blindlings mit den Seitengewehren in die noch Lebenden; dabei
erhielt ich einen Bajonettstich in die linke Hand. Ich verbiß aber den
Schmerz und rührte mich nicht, so „rettete“ ich mich wieder in die Reparation.
Einmal bekam ich 8 Tage lang nicht einen Bissen zu essen. Den Kindern wurden
die Mahlzeiten aus den Spucknäpfen verabreicht. Kinder, die diese
zurückwiesen, wurden erschlagen.
Schwangere Frauen wurden von bewaffneten Tschechinnen aus den Zellen geholt,
auf den ..... geführt, dort ausgezogen und verprügelt, darauf in die Aborte
gesteckt und solange geprügelt, bis die Frucht abging. Ich selbst mußte
mithelfen, die auf diese Weise umgekommenen Frauen wegzuschaffen. Durch viele
Tage waren es etwa mindestens 10 Frauen, die so ums Leben kamen.
Bei Tag wurden Gruppen von 6—8 Frauen in die Sankt Gotthardskirche zur Arbeit
geführt. Dort mußten wir die schon in Verwesung übergegangenen Leichen küssen,
auf Haufen zusammenschichten und den Boden der Kirche von dem dort fließenden
Blut reinlecken. Tschechischer Pöbel führte dabei die Aufsicht und verprügelte
uns dauernd. Ich sah auch, wie deutschen Männern, darunter einem Ingenieur
Färber von der tschechischen Hochschule, mit Kerzen das Hakenkreuz in die
Handflächen eingebrannt wurden.
Am 20. Mai 1945 wurden wir zur Arbeit auf den
Wenzelsplatz geführt, dort
wurden vor unseren Augen deutsche Knaben und Mädchen und auch deutsche
Kriegsgefangene an den Füßen an Kandelabern und Bäumen aufgehängt, mit
Petroleum übergossen und angezündet.
Ich war bis zum 19. September in der Scharnhorstschule. Die Grausamkeiten
erstreckten sich über die ganze Zeit, ohne Unterbrechung. Dann wurde ich nach
Pankraz gebracht und von dort aus in die Philips-Fabrik in Prag zur Arbeit
eingesetzt.
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und es spielte keine Rolle ob Antifa oder sonstwas - Hauptsache deutsch
Antifaschisten und Sozialdemokraten ermordet.
Johann Partisch gibt zu Protokoll:
Am 24. Juni 1945 wurden in
Engelsberg durch die so genannte Revolutionsgarde 8
Männer zusammengetrieben, darunter auch ich, und in das KZ. nach Freudenthal
gebracht. Wir waren 10 Tage in Einzelhaft und wurden jede Nacht und mehrmals
am Tage verprügelt. Die Prügel wurden jede Nacht halbstündlich
6 bis 7 mal
wiederholt. Wir waren dadurch alle bis zur Unkenntlichkeit entstellt.
Der schlimmste Tag war der 4. Juli 1945. An diesem Tag begannen die Prügel
schon früh. Dann mußten 25 Häftlinge ein Loch graben; beim Graben wurden sie
ununterbrochen geprügelt. Hierauf wurden alle Häftlinge um das Loch
versammelt. Es wurde ein tschechisches Urteil verlesen, das die meisten nicht
verstanden. Dann wurden 20 Männer halb entkleidet aus einer Baracke gebracht,
sie mußten sich vor das Loch hinknien und wurden durch 10 Tschechen mit
Maschinenpistolen erschossen und in die Grube geworfen. Die zweiten 10 folgten
sogleich.
Es befanden sich darunter Wilhelm Banin aus Engelsberg, der Engelsberger
Oberlehrer Hermann Just, der als ehemaliger Sozialdemokrat als Staatsbeamter
disqualifiziert worden war, der Radiofachmann Frohler aus Freudenthal, der als
Antifaschist der deutschen Revolutionsgarde angehört hatte, der Bauer
Zimmermann aus Dürrseifen, der nachweislich Fremdarbeiter begünstigt hatte. Der
Totengräber Riedl Gustav war in der ersten Gruppe nur angeschossen worden; er
erhob sich nach 3 Minuten aus der Grube und bat um noch einen Schuß. Ein
Tscheche schoß mit der Maschinenpistole nochmals auf ihn. Nach weiteren
wenigen Minuten erhob sich Riedl abermals aus der Grube; es wurde wieder auf
ihn geschossen.
Gustav Alraun und Alfred Nickmann, beide aus Engelsberg, hatten die Grube zu
schließen. Sie sahen, daß Riedl und noch einige andere noch lebten und von den
Tschechen erst mit Kolbenhieben völlig erschlagen wurden.
Die Vorgeschichte der Exekution war:
Zwei Tschechen der Stadtwache waren beim Hantieren mit einer russischen
Handgranate verunglückt, einer tödlich, der andere schwer verletzt. Diese
Feststellungen wurden von der russischen Stadtkommandantur gemacht. Die
Tschechen aber behaupteten, ein Zeitzünder in einem Radiogeschäft sei
explodiert, die Deutschen hätten diesen Zeitzünder gelegt. Die Tschechen
verlangten gleichzeitig von der russischen Kommandantur zuerst 100, dann 50
Deutsche zu erschießen, was die russische Kommandantur ablehnte. Die 20 Mann
wurden schließlich ohne Bewilligung erschossen.
Im Freudenthaler Lager befanden sich Jugendliche im Alter von 11 Jahren
aufwärts. Helmut Muhr, 16 Jahre alt, wurde am 26. Juni erschossen, weil er zu
seiner Mutter gegangen war. Daraufhin wurde verlautbart, daß jeder Flüchtling
bei der Ergreifung zusammen mit 10 Angehörigen seines Lagers erschossen werden
sollte, bei Nichtergreifung seine Familie und andere 10 Mann erschossen
werden. Den Gastwirt Adolf Thiel aus Neu-Vogelseifen habe ich persönlich mit
den Händen verscharrt, weil ich dazu die vorhandenen Spaten nicht benützen
durfte.
Masaryk-Stadion in Prag war ein Inferno:
Eidesstattlicher Augenzeugen-Bericht von Frau Josefine Waimann:
Mir fehlen die Worte, um das zu schildern, was in den ersten Tagen im Stadion
geschah, in dem nach und nach 40.000 Deutsche zusammengepfercht wurden, ohne
Wasser, fast ohne Verpflegung, Männer, Frauen, Kinder, Soldaten. Meine kleinen
Kinder weinten vor Hunger.
Vor unseren Augen begann die sadistische Rachejustiz an SS-Leuten und
»belasteten« Personen, die auf alle erdenkliche Weise zu Tode gefoltert
wurden. Am tiefsten eingegraben hat sich bei mir die Erinnerung an die
schwangere Frau, der ganz junge Tschechen in Uniform den Bauch aufschlitzten,
den Embryo herausrissen und der Frau, die grauenhaft geschrieen hatte, johlend
einen Dackel in den zerrissenen Leib stopften. Wir kauerten auf den Tribünen.
Wie im alten Rom wurde vor unseren Augen in der Arena gemetzelt.