Die Teilung Oberschlesiens

Die Einstellung Frankreichs zu Polen

“Umso größer wir Polen auf Kosten Deutschlands machen, umso sicherer können wir sein, dass Polen Deutschlands Feind bleiben wird.”

- Polen soll einen breiten Korridor mit Danzig erhalten, außerdem einen Streifen Ostpreußens und ganz Oberschlesien.

 

Ein Abgeordneter der Polenpartei (Albert / Wojciech Korfanty (1873-1938)) zog 1903 in den Deutschen Reichstag. Er wurde zur Symbolfigur der polnischen Nationalistischen Bewegung in Oberschlesien. ("Korfanty- Krowa"= "Korfanty - Kuh". Korfanty hat jedem, der für Polen votiert, eine Kuh versprochen.)

Die Wiederherstellung Polens war zu einem der Kriegsziele der Entente- Mächte im Ersten Weltkrieg geworden. Im Versailler Vorortvertrag wurde bestimmt, dass ganz Oberschlesien an Polen abzutreten sei. Die Britten haben Einspruch eingelegt und für 1920 eine Volksabstimmung angeordnet. Französische, britische und italienische Truppen besetzten die Abstimmungsgebiete, um die "Interalliierte Regierungs- und Plebiszitkommission" zu unterstützen. Polnische Gruppen hatten seit 1919 versucht, durch zwei Aufstände (heute sagt man: Terrorangriffe) vollendete Tatsachen zu schaffen. Die Abstimmung am 20.03.1921 fand in sehr gespannter Atmosphäre statt. Die Wahlbeteiligung betrug 97%. 59,6% der Oberschlesier votierten für  Deutschland, 40,4% für Polen. Über 33 % der Bevölkerung mit polnischer Muttersprache hatte für das Deutsche Reich gestimmt. Dieser für Polen überraschende Misserfolg führte 1921 zum dritten polnischen Aufstand, in dem Korfantys Kampftruppen den beanspruchten Teil Oberschlesiens widerrechtlich besetzten.

Beim Sturm auf den Annaberg kam es zu blutigen Gefechten mit deutschen Freikorps. Wenn auch noch Zweifel über die künftigen Grenzziehungen bestanden, wollte besonders Frankreich der Wirtschaft Polens mit Teilen des Industriereviers eine sichere Basis schaffen und die des Deutschen Reichs schwächen.

Die Einstellung Frankreichs zu Polen
“Umso größer wir Polen auf Kosten Deutschlands machen, umso sicherer können wir sein, dass Polen Deutschlands Feind bleiben wird.”--- Polen soll einen breiten Korridor mit Danzig erhalten, außerdem einen Streifen Ostpreußens und ganz Oberschlesien). 
Die Einstellung der Polen zu den Deutschen, verdeutlicht dieser Spruch: 
"Póki œwiat œwiatem, nie bêdzie Polak Niemcowi bratem". Übersetzt:
"So lange die Welt besteht, so lange wird sich der Pole mit dem Deutschen nicht verbrüdern"
 

Die Einstellung Englands zu Polen
“Wegen der eigenen Zukunft Polens müssen wir gegen übertriebene polnische Forderungen harten Widerstand leisten.”
 - Lloyd George nannte die polnischen Forderungen “extravagant und untolerierbar”.
"Den Polen Schlesien zu geben, wäre so, wie einem Affen eine Uhr überlassen"

Der Teilungsvorschlag des Völkerbunds wurde am 20.10.1921 von der Botschafterkonferenz in Paris, ohne Widerspruch, angenommen. 9.713 km² blieben bei Deutschland, 3.212 km² mit den Industriegebieten um Kattowitz, Rybnik und Tarnowitz, aus denen nun ca. 100.000 Deutsche auswanderten/vertrieben wurden, kamen zu Polen. Deutsche wie Polen wollten diesen Teilungskompromiss nicht akzeptieren, und in einer Flut von politischen Schriften wurde die "französisch-polnische Verschwörung" während der ganzen Weimarer Zeit verurteilt, nach der das "Selbstbestimmungsrecht der Völker" missachtet worden sei. In Polen forderte man eine Wiedergutmachung für die angebliche Zwangsgermanisierung.
Auch die Auflage eines Minderheitenschutzvertrages durch die Alliierten, der unter anderem auch Juden schützen sollte, empfand die polnische Regierung als Demütigung. So gelang in der Atmosphäre gegenseitigen Misstrauens tragischerweise keine zufrieden stellende Regelung der Minderheitenprobleme zwischen Deutschen und Polen.

(Entnommen aus: http://www.urlaub-polen.de/slaskgeschichte.shtml)

 

Der Kampf um die deutsch-polnische Grenze  1918-1921

Gliederung

Der Großpolnische Aufstand in Posen 1918
Die Friedenskonferenz
Die Einstellung der britischen Regierung zu Polen
Die Einstellung Frankreichs zu Polen
Vorbereitungsphase der Friedenskonferenz (23.1.-11.3.1919)
Die Pariser Verhandlungen über die polnisch-deutsche Grenze
Der Versailler Vertrag vom 28.6.1919

Die schlesischen Aufstände

Der 1. und 2. Schlesische Aufstand 1919 und 1920
Die Volksabstimmung in Oberschlesien vom 20.3.1921
Der 3. Schlesische Aufstand 1921

 

Die Minderheitenschutzverträge und ihre Garantie durch den Völkerbund

Gliederung

Die Minderheitenschutzverträge
Entstehung
Inhalte
Sonderregelungen für einzelne Staaten
Zielsetzungen der Minderheitenschutzverträge

 

Das Petitionsverfahren im Völkerbund

Der Kampf um die deutsch-polnische Grenze
1918-1921

Zusammenfassung
Der Großpolnische Aufstand in Posen 1918
2 Strömungen in der poln. Nationalbewegung:

·       Kooperation mit den Mittelmächten (Józef Piłsudski)
·      
Anlehnung an die Alliierten (Roman Dmowski, Polnisches Nationalkomitee in Paris)

 

 10.11.1918 Machtübernahme in Posen durch einen Arbeiter- und Soldatenrat aus 5 Polen und 5 Deutschen'
  3.12.1918 fordert ein sog. Teilsejm in Posen den Anschluß an Polen.
  6.12.1918 Der Teilsejm wählt einen Obersten Volksrat, dieser ein Kommissariat.

Jahreswende 1918/19 Aufstand, der Oberste Volksrat übernimmt die Regierungsgewalt in Posen.

7.02.1919 Waffenstillstand mit Deutschland

 

Die Friedenskonferenz

Die Einstellung der britischen Regierung zu Polen

“Wegen der eigenen Zukunft Polens müssen wir gegen übertriebene polnische Forderungen harten Widerstand leisten.”

 - Lloyd George nannte die polnischen Forderungen “extravagant und untolerierbar”.

 

Die Einstellung Frankreichs zu Polen

“Umso größer wir Polen auf Kosten Deutschlands machen, umso sicherer können wir sein, dass Polen Deutschlands Feind bleiben wird.”

- Polen soll einen breiten Korridor mit Danzig erhalten, außerdem einen Streifen Ostpreußens und ganz Oberschlesien.

 

 Die Pariser Verhandlungen über die polnisch-deutsche Grenze

Polnische Forderungen:

Oberschlesien, 2 Kreise Mittelschlesiens, Danzig, Westpreußen, Posen, Masuren, Ermland. Restliches Ostpreußen als eigene Republik. Zusammenschluss von Polen und Litauen.

 

Empfehlungen der Kommission für Polnische Angelegenheiten:

Angliederung von Posen, Westpreußen mit Danzig, Oberschlesien, (mit Teilen zweier mittelschlesischer Kreise) an Polen. Volksabstimmungen in Masuren und Ermland.

Lloyd George spricht sich gegen diese Empfehlung aus, Clemenceau dafür, Wilson ist zu Korrekturen bereit.

 

Der Versailler Vertrag vom 28.6.1919

·       Polen erhält Westpreußen, Posen und einen mittelschlesischen Grenzstreifen (1910 1,7 Mill. Polen, 1,1 Mill. Deutsche, 100.000 Kaschuben)
·      
Danzig wird Freie Stadt mit einem Hochkommissar des Völkerbunds, Zollunion mit Polen
·      
Volksabstimmungen im südl. Ostpreußen und in Oberschlesien.

 

Die schlesischen Aufstände

Der 1. und 2. Schlesische Aufstand 1919 und 1920

1. Schlesische Aufstand (Aug. 1919) als Reaktion auf das geplante Plebiszit, niedergeschlagen von Reichswehr und Freikorps.

Jan. 1920 Übernahme der Regierungsgewalt durch eine Interalliierte Kommission

2. Schlesischer Aufstand (Aug. 1920) als Reaktion auf die Abstimmungsergebnisse im südl. Ostpreußen.

Die Volksabstimmung in Oberschlesien vom 20.3.1921

59,6% für Deutschland, 40,3% für Polen
Wojciech Korfanty verlangt die Teilung Oberschlesiens.
Westmächte erwägen verschiedene Teilungslinien.

Der 3. Schlesische Aufstand (Mai 1921)

als Reaktion auf die für Polen ungünstige Teilungslinie, für die sich Großbritannien und Italien einsetzten.

Teilung Oberschlesiens. Polen erhält den Kern des Industriereviers.

Weiterführende Literatur

Der Kampf um die deutsch-polnische Grenze 1918-1921

Korbel, J.:
Poland Between East and West, 1919-1933.- New York 1963.
Watt, R. M.:
Bitter Glory: The History of Independent Poland, 1918-1939.- New York 1979.
Korbel, J.:
Poland Between East and West, 1919-1933. Soviet and German Diplomacy Toward Poland, 1919-1933.- Princeton/NY 1965.
Lundgreen-Nielsen, Kay:
The Polish Problem at the Paris Peace Conference. A Study of the Policies of the Great Powers and the Poles, 1918-1919.- Odense 1979.
Vosberg, Fritz:
Der polnische Aufstand in seiner Entstehung. Die Vorbereitungen zum polnischen Aufstande in der Provinz Posen im November/Dezember 1918. Mit einer Zusammenstellung von deutschen und polnischen Kundgebungen und Pressestimmen.- Berlin 1919.
Nelson, Harald I.:
Land and Power. British and Allied Policy on Germany's Frontiers 1916-1919.- Newton Abbot 1963.

 

Die Minderheitenschutzverträge und ihre Garantie durch den Völkerbund

Lemberg, Eugen:
Die Nationalitätenfragen im Donauraum auf Grund der Pariser Vorortverträge. In: Ideologie und Machtpolitik 1919. Plan und Werk der Pariser Friedenskonferenzen 1919. Hg. v. Hellmuth Rößler.- Göttingen 1966, S. 126-154.
Schot, Bastiaan:
Nation oder Staat? Deutschland und der Minderheitenschutz. Zur Völkerbundspolitik der Stresemann-Ära.-Marburg 1988.
Kluke, Paul:
Selbstbestimmung. Vom Weg einer Idee durch die Geschichte.- Göttingen 1963.
Viefhaus, Erwin:
Die Minderheitenfrage und die Entstehung der Minderheitenschutzverträge auf der Pariser Friedenskonferenz 1918. Studie zur Geschichte des Nationalitätenproblems im 19. und 20. Jahrhundert.- Würzburg 1960.

 Die Minderheitenschutzverträge und ihre Garantie durch den Völkerbund

Zusammenfassung

Die Minderheitenschutzverträge

Entstehung

Jüdische Organisationen fordern während der Friedenskonferenz Schutzregelungen für nationale Minderheiten. Auch Wilson plädiert für eine internationale Verankerung des Minderheitenschutzes.
 Ursprüngliche Konzeption der jüdischen Delegierten:
Gruppen- und Autonomierechte. Die Großen Vier lehnen Gruppen- und Autonomierechte ab.

 

Inhalte

Die Minderheitenschutzverträge werden gleichzeitig mit den Friedensverträgen abgeschlossen:

1.    uneingeschränkter Erwerb der Staatsangehörigkeit des neuen Wohnlandes,
   
Schutz der Person, des Eigentums und der Vereins- und Religionsfreiheit,-
  
freier Gebrauch der eigenen Sprache im privaten Verkehr und in den Beziehungen zu den Behörden,

4.    Recht auf Gründung eigener Schulen und Wohlfahrtsanstalten, Anspruch auf öffentliche Subventionen, wo eine beträchtliche Zahl von Angehörigen der Minderheit leben.

  

Zielsetzungen der Minderheitenschutzverträge

·       territoriale Neuordnung absichern, Gefährdung des Friedens verhindern, indem die Minderheiten mit ihrer Lage versöhnt werden.
·      
Fernziel:
     politisch-nationale Assimilierung, Integration in die jeweilige Staatsnation.

 

Die westlichen Staatsmänner dachten in den Kategorien ihrer  Staatsnationen, die sich nicht in erster Linie über die gemeinsame Abstammung und Sprache, sondern über die Volkssouveränität als freiwillige Gemeinschaft freier Staatsbürger verstehen. Sie übertrugen ihr Verständnis von Nation und Nationalstaat auf die ostmitteleuropäischen Staaten, die eben keine freiwilligen Gemeinschaften waren.

 Hauptziel war nicht der Schutz der Minderheiten an sich, sondern die politische Konsolidierung der ostmitteleuropäischen Staaten.

 Das Petitionsverfahren im Völkerbund

Jedes Mitglied des Völkerbundrats hatte das Recht, den Rat über Übertretungen oder Gefährdungen der Minderheitenrechte zu informieren. Den Minderheiten wurde seit 1920 in der Praxis das Recht zu Petitionen eingeräumt, die aber nur behandelt werden sollten, wenn ein Mitglied des Völkerbundsrats dies forderte.

 

Petition

- Sekretariat des Völkerbundes holt Stellungnahme des beklagten Staates ein
-
Ratspräsident berät sich mit zwei Ratsmitgliedern vertraulich (“Dreierausschuss”)

     a) vertrauliche Beilegung
    
b) Befassung des Völkerbundsrates

 Quelle unbekannt !