Elternhaus   Die Jugend   Die Flucht   Zwangsarbeiter

 

 

 

 

 

 

 

Der "Kuba"...

 

 

 

 

Zeitzeuge erzählt, 1953 - 1964 in Hindenburg OS-Biskupitz:
Peter U. Rathay

 

 

 

 

"Kuba" nannten wir meinen Jugendfreund. Er lebte mit seiner älteren Schwester Steffi und seiner bettlägerigen Mutter in einer Einzimmer/Küche Wohnung ohne Bad im Hinterhof. Die Frau Schneider war schon seit Jahren ans Bett gefesselt. Wir, drei Geschwister ohne Eltern, sind ins Vorderhaus zugezogen, ich in der 2. Hälfte der 3. Grundschulklasse. Im Vorderhaus, im Burek-Haus (Herr Burek, Hausbesitzer und Groß-Bauer)  wohnte im 2. Stock, direkt über uns, der Dentist (zum Zahnarzt wollte es nicht reichen) Chlapik mit seiner Praxis. Im 3. OG wohnte die Familie H. mit dem Sohn Bolek.  Im Hinterhof wohnte der Jan (Johann) Kulawik, mit Mutter und Tante, direkt über dem Kuba. Jan und Bolek waren jünger als ich. Uns gegenüber wohnte die Schwester des Hausbesitzers, Frau Böse. So hieß sie, so war sie auch (zumindest zu uns) "Nomen est Omen".
Im Hinterhof links wohnte über dem Pferdestall, eine Mutter mit drei erwachsenen Söhnen. Frau Pyrdok, eine kleine schmächtige, aber resolute Person. Die Söhne hatten Angst vor ihrer Mutter. Es waren ungekrönte "Haldenkönige", sie lebten von den auf der Halde geklaubten/gesammelten Kohlen.


In der Schule war Kuba, eigentlich Herbert Schneider, ein sehr guter Schüler.  Er wusste immer alles, half mir auch ab und an bei meinen Schulaufgaben.
Über den Vater hat man sich abenteuerliche Geschichten erzählt. Ob er noch am Leben war, wussten wir nicht.

Mit meinen Geschwistern, ca. 1955. In Bureks Garten. Im Hintergrund sieht man die "Neue Kirche".
Mit meinen Geschwistern, im Garten des Anwesens.
(Im Hintergrund: die "Neue" Kirche)

Kuba war Spastiker. Der Geburtshelfer hat zu lange gezögert. 
Er konnte nur sehr mühsam Worte bilden (Pöööeeitttteää, waaaaaartttmaaaaaa auuuuwwwff miiichch, soll heißen Peter, warte mal auf mich) unter heftigem Speichelfluss. Weil er nur langsam, unbeholfen gehen konnte, hat er unsere Clique gebremst.  Ich musste die Kumpels bestechen, damit er mit uns herumstreichen durfte. Hatte ich, oder er, nichts wertvolles anzubieten, musste Kuba für die Clique irgendetwas ekelhaftes tun. Erstaunlich, was sich Jugendliche so alles einfallen lassen können, wenn es darum geht, einen anderen zu quälen. Es war ihm egal, er wollte mit uns über die Felder (eigentlich über die brennende/qualmende Bergehalde) ziehen. Mein Jugendfreund Albert (Alo, "der Rothaarige", der "Rot-Fuchs") war auch oft mit von der Partie. Ich freue mich nachträglich für jedes Mal, dass Kuba auf mein Betreiben hin, mitmachen durfte. 
Für ihn war es das Größte.
 

 

Die Clique...

Zu unserer Bande gehörte z.B. der Adolf Primus. Der Standartscherz der Lehrer war: "Primus, dein Name heißt "der Erste". Du bist aber der Letzte". Adolf ist drei Mal sitzen geblieben und war der älteste von uns. Weil wir beiden immer wieder den Unterricht gestört haben, mussten wir in der letzten Bank sitzen. Zu Verschärfung der Strafe gehörte, zwischen den Mädchen zu sitzen. Links, am Fenster, war die 4er-Bankreihe für Mädchen, die Jungs saßen rechts. Adolf hat mir beigebracht, wie man mit den Ohren wackelt. Wir haben auch verschiedene (lebensgefährliche) Mutproben durchgeführt. So z. B. im Winter. Mit Schnee wurde eine Stelle an der Hand gefroren (unempfindlich gemacht), in dem immer wieder neuer Schneeklumpen an die selbe Stelle gedrückt wurde, um dann mit einer Rasierklinge bearbeitet zu werden. Krankmeldung! Ein anderes "Kunststück" war, ein Geldschein fest an den Handballen gedrückt, mit einer brennenden Zigarette durchzubrennen. Ich habe heute noch an einer Hand eine runde Brandnarbe (den Geldschein habe ich gewonnen!).

Auf die Hochspannungsmaste sind wir geklettert, auf dem Brückengeländer der Eisenbahn- bzw. Autobahnbrücke balanciert.

Brücke über der Beuthenerstr.
Die Brücke über die Beuthenerstraße

Das einzige "kriminelle" war, mit kleinen Steinchen die unten vorbeifahrenden Autos zu bewerfen. Es waren aber nur ganz kleine Steine! Wir waren nicht kriminell. Nie, zu keiner Zeit. Zu unseren Vergehen zählte:
Obst klauen von den Obstbäumen in den Gärten, vorzugsweise in dem großen Garten des Hochwürden der katholischen Kirche (Mundraub). In der Bäckerei wurde um 4 Uhr früh das Brot fertig gebacken. Der Bäcker öffnete die Bäckerei, damit die Räume abkühlen konnten. Dort haben wir uns dann ein warmes, frischgebackenes Brot gestohlen. Man musste aber sehr früh aufstehen! In den Kellern der Häuser standen Fässer mit eingelegtem Sauerkraut. Zum Sattessen sind wir über die Kellerfenster eingestiegen. Diesem Sauerkraut verdanken wir unser Überleben!
Eine besondere Mutprobe war, zwischen die Eisenbahnschienen, mit dem Gesicht nach unten liegend, fest an den Boden gepresst, den Zug über sich rüberrollen zu lassen. Ein einmaliges Gefühl.
Eine andere, ungefährliche "Mutprobe", die höchstens eine Ohrfeige einbrachte, wenn man sich nicht rechtzeitig wegduckte, war, einen älteren Mann nach dem "Feuer" zu fragen. Mit einer Zigarette im Mund: "Entschuldigung. Haben Sie Feuer?" Oder eine Frau ansprechen, höflich: "Entschuldigung. Darf ich sie mal was fragen?". Wenn sie bejahte, kam die Frage: "Darf ich ihnen ein Kind machen?". Es konnte dafür heftige Ohrfeigen geben. Die Erwachsenen fühlten sich damals für alle Kinder verantwortlich. Niemand wäre auf die absurde Idee gekommen, einen Staatsanwalt einzuschalten! Es gab damals aber auch keinen sog. "Amoklauf", oder am Boden liegende Personen zu Tode getreten. Diese Entwicklung schreibe ich heute den Gutmenschen zu.


Der gefährlichste Spielplatz war ein stillgelegter Wetterschacht der Grube (für die Luftzufuhr Untertage). Er war ein paar Hundert Meter tief. Heruntergeworfene Steine konnte man  beim Aufprall unten nicht hören. Die Leitern (Fahrten) an der Schacht-Seite waren morsch. Die Fahrten wurden für Reparatur/Kontrollen, oder als Fluchtweg gedacht. Wir wollten heruntersteigen, haben uns aber dann doch nicht getraut.

Der stillgelegte, nicht gesicherte Wetterschacht
Die Leiter in die Tiefe des Schachtes.

Adolfs Mutter, Frau Primus, war eine nette Frau, mit Klumpfuß. Seine kleineren Schwestern, haben uns Jungs gerne beim Baden zugeschaut. Aus der Vorrats-Kammer gingen Oberlicht-Fenster ins Bad. Sie hatten eine Wohnung mit Bad. Hatten wir zwar auch, wir hatten aber das Bad mit noch einer Familie zu teilen, und der Zugang war über deren Wohnung. Es war uns unangenehm und wir haben es nicht genutzt. Eine Zinkbadewanne wurde in die Küche gestellt.
Die Familie Primus stritt um den Titel der "Haldenkönige" mit der Familie Pyrdok. Frau Pyrdok, ein kleines Frauchen regierte mit eiserner Hand über drei erwachsene Söhne.  "Haldenkönig" wurde der, der die meisten Steinkohlebrocken "Żydy" (auf Deutsch: Juden) sammeln konnte. Die Grube hat Steine, die als Abfall angefallen waren, aus kleinen Eisenbahnwaggons (Kohlen-Loren) auf die Halde geschüttet. Darunter befanden sich aber auch Steinkohle- Brocken, die in der "Sortownia", Sortiererei (Trennung vom tauben Gestein: Sortieren) übersehen wurden. Die galt es dann geschickt, ohne von den herabstürzenden Steinen erschlagen zu werden, zu sammeln. Sobald der Zug oben angekommen ist und die Loren ausgekippt wurden, stürzte sich die Meute den Hang hinauf, mit einem Kartoffel- Sack in der Hand, den Kohlebrocken entgegen. Die geübten erkannten schon von Weiten die leichteren Kohle-Brocken am Herabrollen. Es  gab sehr oft Unfälle, auch Tödliche. Die gesammelten Kohlen konnten dann verkauft werden. Hunderte Familien lebten von der Halde. 

Die Kohle-Halde und Sammler
Die Gesteinsbrocken werden auf die Halde ausgekippt. Die Sammler warten schon,
gewappnet mit Kartoffel-Säcken und Bollerwagen.
Wir, Kinder mussten mithelfen.

  

Halde der Hedwigwunschgube, Biskupitz (Hindenburg-Nordost)
Warten, auf die nächste "Anlieferung".


Durch Selbstentzündung schwelten die Kohlen in der Tiefe der Halde, über die Halde zog ein giftiger, gelblicher, stinkender Rauch. Die Halde war unser Arbeits-, Spiel- und Tummelplatz. Die Grubenverwaltung hat versucht, durch Ablöschen mit Wasser, diese innere Glut zu besiegen. Das war falsch, denn durch dieses eingesickerte Wasser wurde erst Recht die Selbstentzündung provoziert. Es war sehr warm auf dieser Halde. Das wurde auch immer wieder Obdachlosen (oder Betrunkenen) zum Verhängnis. Sie erstickten im Schlaf an diesen Gasen, die schwerer als die Luft, am Boden sich ansammelten, in Mulden und anderen Vertiefungen.


Die Halde heute (10.2006). 30 Hektar groß, davon 6 Hektar brennend.
Sonden-Messungen haben in der Tiefe Temperaturen bis 600 ° C ergeben.


Reichlich Spielzeug lieferte die überall herumliegende Munition samt Waffen. Ich besaß einen Karabiner mit "Seitengewehr" einem Stilett, dass auf den Karabiner aufgesteckt werden konnte. Die Gewehr-Munition haben wir geöffnet, das Geschoss, die Kugel, mit einer Zange abgenommen. Das in der Patrone befindliche Schieß-Pulver wurde gesammelt und verschiedene Feuerwerks- Körper gebastelt. Ein Mal kam es beim Ausklopfen des Pulvers aus der Hülse zur Verpuffung auf dem Fensterbrett. Es kann sein, dass Adolf "nachgeholfen" hat. ich hatte keine Augenbrauen mehr.
 
Mit 12 Jahren haben wir uns, Adolf und ich, (Adolf war schon fast 15) eine Flasche Obst-Wein besorgt und sie leergetrunken. Meine erste Begegnung mit dem Alkohol. Wir haben, angetrunken, unsere Waffen geschultert und sind "Patrouille" durch den Ort gelaufen. Für lange Zeit waren wir das Gesprächsthema Nr. 1.
Weiter gehörte dazu der "Schmerock", Horst Buchta, mit Schmerbauch und Hühnerbrust. Er war sehr dick (Unterernährung), und hatte dementsprechend unter uns zu leiden. Horst hatte eine ältere und eine jüngere Schwester, die Inge und die Irene. Die Jüngere musste immer dann auf den Pulleimer in der Küche, wenn wir Jungs zu Besuch dort waren. Sie zog dabei ihren Schlüpfer zur Seite. Frau Buchta war alleinstehend, mit drei Kindern, der Ehemann zu Zwangsarbeit nach Rußland verschleppt.
Wir Jungs, hatten eine Stelle an der Hauswand draußen, von der wir immer wieder Brocken Putz "weggepinkelt" haben. Wenn einer von uns musste, rief er "Pinkeln fängt an! Wer nicht mitpinkelt, ist kein Mann". Jeder von uns wollte und musste dann mitmachen.
Die ältere Schwester Inge, war damals "voll in der Pubertät". Sie suchte jemand für "das erste Mal". Wir, die Freunde des Bruders waren für sie nicht gut genug. Sie hat sich einen älteren Mann ausgesucht, der ihr eine Armbanduhr und ein neues Kleid dafür schenkte. Pragmatikerin! Sie hat später einen Migranten, einen Steiger geheiratet.

In der Kellerwohnung im Hause der Familie Buchta, wohnte ein einsamer älterer Mann. Es hieß, er sei verrückt. Seine Notdurft hat er immer in eine Waschschüssel verrichtet und Horst hat es mir mal gezeigt, wir haben uns auf die Lauer gelegt, wie er versucht hat, die "Brocken" mit Hilfe eines Feuerhackens über das Waschbecken im Flur zu zerkleinern und wegzuspülen. (Wasseranschluss war in den Fluren, die Toilette außerhalb des Hauses.)
Der Jüngste im Bunde war der "Henna". Seine Mutter war eine Trinkerin, noch recht jung und nicht hässlich. Alleinerziehend, ohne Arbeit, mit zwei Kindern. Damit Henna mit uns ziehen durfte, konnte er sich damit einkaufen, indem er uns seiner Mutter, wenn sie wieder total betrunken im Zimmer schlief, erlaubte, unter den Rock zu gucken. Henna holte mich immer wieder zur Hilfe, wenn es hieß, seine betrunkene Mutter mit dem Schubkarren nach Hause zu bringen. Sie lag dann irgendwo, in der Nähe der Kneipe am Borsigwerk und schlief. War sie zu betrunken, um selber, auch gestützt, laufen zu können, mussten wir einen Schubkarren benutzen. 
Seine Mutter war ständig unterwegs, Geld für Essen (und Wodka) zu besorgen. Sie wollte Vorschuss, auf irgendwelche Waren, die sie zu besorgen versprach.

Weiter zählte dazu der "rote Alo", Alo, der "Rotfuchs". Rothaarige wurden damals verfolgt. Alberts Vater war Kriegsversehrter (Bein amputiert). Immer wieder war der Stumpf entzündet, weil die Prothese nicht richtig passen wollte.  Die Entzündungen hat sein Vater mit Blutegeln behandelt. Ich half dem Alo beim sammeln der Blutegel. 
Alo´s Bruder Fritz (gen. der Bolle, aus dem Lied "Fritze Bollmann wollte angeln..") war ein guter Schachspieler. Dass ich trotzdem als 12jähriger gegen ihn eine Schachpartie gewinnen konnte, hat meine Leidenschaft für dieses Spiel geweckt. Durch ein "Parallel-Spiel", ich hatte schwarz.
Das war der "harte Kern" der Bande.

 

 

Herbert Schneider

Kuba musste seiner Mutter das Essen bereiten, sie füttern, vor allem aber musste er seine Mutter aus dem Bett heben, um sie auf den Pull-Eimer (Pinkeleimer, nicht etwa ein Toilettenstuhl zu setzen. Es war ein emaillierter Eimer, der vor Benutzung zu einem Drittel mit Wasser befüllt wurde.

Regelmäßig rutsche dem Kuba die schwere Mutter aus den Armen, wobei alle Beiden, mitsamt Eimer sowie Inhalt hinfielen und auf dem Boden liegen blieben, bis seine Schwester aus der Arbeit nach hause kam. Manchmal konnte ich helfen die Frau Schneider wieder ins Bett zu hieven. Kuba hat mit einem Wischlappen versucht die Spuren zu beseitigen, was ihm aber nicht recht gelingen wollte. 
Noch schlimmere Haue (Prügel) bezog Herbert, wenn er mit uns gezogen ist und nachdem seine Mutter vergeblich nach ihm gerufen hatte: "Herbert"! "Herbert"!, sie das Bett beschmutzte. "Herbert", "Herbert", diese Rufe höre ich noch heute. Sie waren unsere Nachbarn über 10 Jahre lang!

Es gab Prügel dafür für meinen Freund Kuba.

Beeindruckt hat mich immer wieder ein Porzellanring, der mit der Milch mitgekocht wurde. Dieser Porzellanring verhinderte, dass die Milch überkochte. Durch klappern signalisierte der Ring, dass die Milch nun fertig gekocht war. Es war wie ein Zauber für mich. So konnte der Spastiker Kuba Milch kochen, ohne dass diese überlief, was mir ohne Ring nie gelingen wollte.

Kuba hatte zwei Leidenschaften: Rauchen und Selbstbefriedigung. Bei dem zweiten Hobby, dem er immer wieder nachging, waren seine Handbewegungen fließend, gar nicht mehr fahrig abgehackt. Herbert hat immer Mitmacher gesucht: "kkggomm, wwiirr wwwwichsennn....Jjjjaah?. " Wir waren aber noch Kinder, Kuba für uns schon Erwachsen. Es war uns unangenehm. Wir sind da lieber unter uns geblieben, es war nur ein Spiel für uns, bei Kuba war es Ernst. Wir waren aber auch trotzdem sehr eifrig dabei!

Rauchen durfte er drei Zigaretten täglich. Seine Schwester hat jeden Tag die Zigaretten im Päckchen nachgezählt. Die Zigarettenschachtel befand sich  im Küchenschrank zwischen dem Tellerstapel. Kuba bot mir immer wieder auch eine zum Rauchen an. Ich wusste nicht, dass er dafür regelmäßig heftige Prügel bezog, denn er durfte ja nur drei Zigaretten täglich rauchen. Steffi hätte auch das Päckchen mitnehmen können und nur die drei Zigaretten da lassen. Es war für sie aber ein probates Zuchtmittel. Sie hatte ja dann einen Grund, den Kuba heftig durchzuprügeln. War sie eine böse Frau? Ich weiß es nicht. Einmal hat sie auch mich, mit irgendeinem Gegenstand heftig verprügelt (besser: Zusammengeschlagen). Sie meinte, dass ich den Kuba verführe herumzuziehen.

Als junge Frau musste sie für die bettlägerige Mutter und den behinderten Bruder alleine sorgen; von einer eigenen Familie konnte sie nicht mal träumen. Welcher Mann würde sich das antun, und eine Frau mit solch´ einer Belastung nehmen? Außerdem gab es keine Männer zum Heiraten damals. Männer im Heiratsfähigen alter, waren in Gefangenschaft, oder wurden zur Zwangsarbeit verschleppt. Viele sind im Krieg gefallen, bzw. wurden bei Einmarsch der Russen ermordet.

Vielleicht rührte auch daher die Härte, mit der sie auf den Kuba immer wieder eindrosch.

Kuba war mein Freund.

Als die Mutter endlich gestorben war, ich war da schon in den Westen geflohen, hat seine Schwester ihn in ein Behindertenheim gesteckt.

Herbert war sehr intelligent, sensibel, es muss eine Qual für ihn gewesen sein, unter den geistig Behinderten zu leben. Von seinem Vater haben wir nie etwas zu hören bekommen. Ich glaube, er ist im Krieg gefallen, oder in Gefangenschaft, oder von den Russen ermordet worden.

Mein Freund Kuba noch nicht 40 Jahren alt, nahm den Strick und erhängte sich in diesem Behindertenheim.

Ich habe ihn, den Kuba nicht vergessen. Herbert Schneider, der Spastiker lebt in meiner Erinnerung weiter. 

Kuba war mein Freund.


------------------------------------------------------------------------

http://de.wikipedia.org/wiki/Brennende_Halde

       

 

Bergehalde

Eine Begehalde     Brennende Bergehalde

   Auf qualmender Halde werden Kohlen geklaubt! (Aus der WAZ: Im Ruhrgebiet, 17.01.1951)

"Das Betreten der Bergehalde ist wegen der damit verbundenen Lebensgefahr verboten" steht auf großen Tafeln auf den Zugangswegen zu einer großen Halde im Stadtgebiet, auf der ständig gekippt wird. Die ausgefahrenen Karrengleise in den verschlammten Wegen beweisen, dass dieses Verbotsschild keine allzu große Wirkung ausübt. Die Tatsache, dass eine ungeheizte Wohnung reichlich ungemütlich um diese Jahreszeit ist, beeinflusst die frierenden Menschen weit mehr als die Schilder. Die Zechenverwaltung weiß das und duldet stillschweigend das Kohlenklauben auf ihrer so genannten Steinhalde. Die Leute, die in abenteuerlicher Kleidung auf der Halde herumkrabbeln, wühlen nicht hier, um Kohlen zu verkaufen, sondern weil sie sich keine kaufen können. Da ist ein Bauarbeiter, dessen Baustelle stillgelegt ist, da sind Invaliden, Kriegsversehrte, alte Frauen und auch junge. Ein Mann legt gerade einen Kohlensack über den Rahmen seines Fahrrades "Dafür habe ich den ganzen Vormittag gebraucht", sagt er...
Die Leute, die sich auf den Halden mühselig ihren Hausbrand zusammenkratzen, klettern nicht auf der brennenden Halde umher, weil sie zu geizig sind, den Kohlenhändler zu bezahlen.
"Wir können uns keine kaufen", sagt verbittert ein Invalide. "Auch wenn die Händler tonnenweise Kohlen hätten. Wir haben einfach nicht das Geld dazu."

Aktuell, in Biskupitz, "mein" Spielplatz von damals, heute.


Auf dem Schild:
Brennende Halde. Zutritt verboten. Lebensgefahr!

Unglaublich, die Halde brennt immer noch. Seit 60 Jahren schon. Den Behörden ist es nicht gelungen, diese brennende Halde zu löschen. Haben die Behörden es ernsthaft versucht?

Eine Kuh ist zum Opfer geworden, sie ist erstickt im giftigen Qualm, wie dortige Presse mitteilte. Die Langzeitschäden, die die Bevölkerung davon getragen hat, sind leider nicht untersucht worden. Cousin Willy Krause, der Jahrelang diese giftigen Gase einatmen musste, ist qualvoll daran gestorben.


 

nach oben